Seggenrohrsänger – Grätschbein am Halm

Seggenrohrsänger – Grätschbein am Halm

Seggenrohrsänger sind geschickte, aber weltweit bedrohte Vögel. Denn wenn der Lebensraum immer kleiner wird, hilft auch das größte Klettertalent nicht mehr.

Aussehen

Mit 13 Zentimetern Körperlänge ist der Seggenrohrsänger ein eher kleiner Vertreter seiner Art, weiß aber trotzdem auf sich aufmerksam zu machen. Das Grundgefieder ist beige-braun, beide Geschlechter haben ein ausgeprägtes Streifenmuster auf dem Rücken. Die Kehle ist weiß, auf dem ebenso hellen Bauch finden sich leichte dunkle Sprenkel. Besonders wichtig ist die Kopfzeichnung: drei helle Streifen (zwei Überaugenstreifen und ein Scheitelstreif) zieren den ansonsten dunkelbraunen Kopf. Der Bürzel ist hell und kontrastreich gefleckt. Die Beine heben sich in Beige oder Zartrosa vom Körper ab.

Vorkommen

Der Seggenrohrsänger ist eine exrem bedrohte Art, denn weltweit gibt es nur noch etwa 12.000 singende Männchen. 90% des Weltbestandes brütet im Nordosten Polens, in Weißrussland sowie in der Ukraine.

Vor 100 Jahren waren die Vögel noch weit verbreitet, doch seitdem ist ihr Lebensraum immer weiter geschrumpft. Sie haben ihren Namen von den Seggenmooren und –wiesen, in denen sie am liebsten brüten. Seggen sind Pflanzen, die große Flächen bedecken und eine ungefähr einheitliche Höhe erreichen. Abgesehen von dieser ganz besonderen „Wiese“ brauchen die Männchen noch einzelne höhere Strukturen, die sie dann als Singwarten benutzen.

Solche Landschaften fanden sich früher auch in Deutschland. Doch als die großen norddeutschen Moorgebiete zerstört waren, gab es auch für die Seggenrohrsänger keine Zukunft mehr. Ein paar wenige leben heute noch im Nationalpark Unteres Odertal.

Den Winter verbringen die kleinen Vögel im tropischen Westen Afrikas. Doch auch dort werden Flächen entwässert oder für den Reisanbau umgewandelt, was ebenfalls zur Bedrohung der Art beitragen könnte.

Verhalten und Wissenswertes

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, wie sich unsere Vögel der Woche im Pflanzendickicht fortbewegen. Sie berühren nämlich eher selten den Boden, fliegen aber meist auch nicht über die Grünfläche. Die langen, beweglichen Beine geben ihnen eine dritte Möglichkeit: das Klettern. Sie können ihre kräftigen Zehen stark abspreizen und sich an jedes noch so dünne Halmbüschel klammern. In der Grätsche können die Füße dabei bis zu 9 Zentimeter auseinanderliegen, was für einen so kleinen Vogel doch sehr beachtlich ist. Wenn ein Seggenrohrsänger dann noch Kopf und Hals in die Höhe reckt, um die Umgebung zu überblicken, sieht er ebenso neugierig wie niedlich aus.

Ab Ende April kehren die Vögel in ihre Brutgebiete zurück. Die Männchen sind dann recht gesellig. Sie besetzen keine eigenen Reviere und teilen sich mitunter sogar die gleichen Singwarten. Von dort lassen sie mit aufgeblähter Kehle ihren Gesang in alle Richtungen ertönen, um Weibchen zu beeindrucken. Hat sich ein Paar gefunden, übernimmt das Männchen nur den Akt der Kopulation und geht danach wieder eigene Wege. Nestbau, Brut, Jungenaufzucht und Nahrungssuche sind Sache des Weibchens. Damit ihre Kleinen schnell kräftig werden, bringt sie ihnen am liebsten dicke Raupen. Die Jungen sind nach gut zwei Wochen flügge, übernachten aber oft noch im gut getarnten Nest.

Rohrsänger zu unterscheiden ist gar nicht so einfach, deshalb haben wir einen Artikel mit den gängigsten Arten zusammengestellt.

Beitragsbild: Ron Knight (Lizenz: CC BY 2.0)

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