Stadttaube – Geschmähter Nachbar

Christiane Richter 28. Februar 2014 Keine Kommentare zu Stadttaube – Geschmähter Nachbar
Stadttaube – Geschmähter Nachbar

Sie haben einen denkbar schlechten Ruf: Stadttauben werden verdächtigt, Krankheiten zu verbreiten, Gebäude mit ihrem ätzenden Kot zu verschandeln und sich ungezügelt fortzupflanzen. So schlecht wie ihr Ruf ist die Stadttaube aber gar nicht: Vielmehr braucht sie unsere Hilfe.

Aussehen

Wer meint, Stadttauben wären ein neues Phänomen, irrt sich gewaltig. Schon im Altertum wird von diesen Vögeln inmitten der Zivilisation berichtet. Die Art der Stadttauben hat sich aus Haus- und Brieftauben entwickelt, welche beide von der wilden Felsentaube abstammen. Genauer gesagt wurden Haus- und Brieftauben sogar vom Menschen gezüchtet, womit wir uns die große Verbreitung der heutigen Stadttaube selbst zu verdanken haben. Die Abstammung von der Felsentaube sieht man der Stadttaube heute noch an: Ihr Gefieder ist häufig dunkelgrau und grünlich schimmernd. Variationen gibt es allerdings viele, sodass sich auch Weiß, Braun und Rot in das Grau mischen. Regional haben sich bei den 30-35 cm großen Vögeln auch eigenständige Unterarten gebildet.

Vorkommen

Um den Bestand dieser Vogelart brauchen wir uns ausnahmsweise keine Sorgen zu machen. Stadttauben siedeln in Städten und Gemeinden auf der ganzen Welt, geschätzt werden bis zu 500 Millionen Exemplare. Das war nicht immer so: Erst in der Trümmerlandschaft der Nachkriegszeit fassten die Tauben in den Städten wirklich Fuß. Ohne natürliche Feinde und mit einer Fortpflanzungsrate von bis zu 10 Jungtieren pro Jahr explodierten die Bestände. Durch die heutige Überpopulation rauben sich die Tauben gegenseitig Lebensraum und Futter. Ein Großteil der städtischen Population ist krank, jedoch nach wie vor fortpflanzungsfähig. Das führt dazu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung einer Stadttaube derzeit nur etwa zwei bis drei Jahre beträgt, auch weil bis zu 90 % der Jungtiere innerhalb des ersten Lebensjahres sterben.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Ihr alle wisst: Stadttauben zur Vogelbeobachtung aufzuspüren ist keine Kunst. Schwieriger ist es aber, sie als wertvollen Bestandteil unserer Umwelt zu akzeptieren. Dazu muss man erst mal all die Vorurteile über Stadttauben aus dem Weg räumen. Zum einen ihren Ruf als Krankheitsüberträger oder „Luftratte“: Viele Tauben sind krank, aber ihre Krankheiten sind Taubenkrankheiten. Dass sich Menschen damit anstecken ist äußerst unwahrscheinlich. Tatsächlich ist das von Tauben ausgehende Gesundheitsrisiko etwa genauso groß wie das von Hunden oder anderen Haustieren. Auch ihr Image als Schmutzfink ist überzogen: Taubenkot hat nur einen geringen Säurewert und greift somit meist nur die Optik von Gebäuden an. Es stimmt jedoch, dass sich auf dem Taubenkot ätzende Pilze ansiedeln können, die der Fassade schaden.

Bevor wir sie also als „geflügelte Pest“ beschimpfen, sollten wir uns über die missliche Situation der Stadttauben klarwerden. Um Herr der Überpopulation zu werden braucht es keine Tötungsaktionen oder Raubvögel, viel geeigneter sind Taubenschläge und andere Brutplätze, an denen der Bestand kontrolliert werden kann. In solchen Taubenschlägen können Vogelbeobachter auch einen wenig beachteten Fakt über Stadttauben beobachten: Sie bleiben ihrem Brutpartner ihr Leben lang treu.

Weitere Informationen zum Thema gibt es auf der Webseite des Bundesverbands der Tierversuchsgegner.

Foto: © Fabio Sommaruga / pixelio.de

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