Illegale Vogeljagd –
Das unaufhaltsame Verbrechen?

Illegale Vogeljagd –<br/> Das unaufhaltsame Verbrechen?

Illegale Vogeljagd beendet in Europa das Leben von Millionen Singvögeln. Sie werden erschossen oder sterben in brutalen Fallen – dabei ist all das eigentlich verboten.

Ein Urlaub auf der italienischen Insel Sardinien bedeutet für die meisten Menschen pure Erholung. Sie können sich am kristallklaren Meer entspannen oder die Natur im Inneren der Insel erkunden. Doch wenn sie dann auf dem beschaulichen Waldspaziergang einen strangulierten Vogel entdecken, ist plötzlich alles nicht mehr so geruhsam. „Sowas ist doch verboten!“ werden manche empört rufen.

Illegale Vogeljagd: Feind der Vielfalt

Sicher, die Vogeljagd mit Schlingen, Leimruten und anderen brutalen Methoden ist in der EU verboten. Das bedeutet aber längst nicht, dass das Verbot überall befolgt wird. Vor allem Mitgliedsstaaten wie Italien, Zypern, Kroatien, Frankreich, Griechenland, Spanien, Portugal und Malta machen durch illegale Vogeljagd auf sich aufmerksam. Oder eben auch nicht. Denn diese Vorgänge werden teilweise ignoriert, stillschweigend geduldet oder durch Ausnahmeregelungen ermöglicht. Organisationen wie die Stiftung Pro Artenvielfalt reisen regelmßig in den Mittelmeerraum und retten dort so viele Vögel wie möglich. Allerdings wird die technische Ausrüstung vieler Jäger immer effizienter.

Es ist zwar richtig, dass die Vogeljagd nicht der einzige Grund für den extremen Sinkflug vieler Vogelarten ist. Neben der schlechten Witterung in der Brutsaison 2016 kommt nach wie vor die Veränderung der Landschaft durch den Menschen hinzu. Intensive Landwirtschaft, Monokulturen, Umweltgifte – diese Faktoren machen immer mehr natürlichen Lebensraum zunichte. Aber gerade weil die Gesamtsituation so schlecht ist, richtet die Vogeljagd noch mehr Schaden an.

Erschreckende Zahlen

Arten wie Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Ortolan, Hänfling und Stieglitz verzeichnen dramatische Bestandseinbrüche. Auch Eichelhäher, Rotkehlchen, Nachtigallen und Goldhähnchen geraten den Vogelfängern in die Netze. In Frankreich werden Ortolane als Delikatesse angeboten und können bis zu 150 Euro einbringen. Auch die anderen Arten sind offensichtlich zu klein, um als sättigende Nahrung zu dienen und müssen eher wegen des Profits sterben – oder zum Zeitvertreib des Jägers.

Laut BirdLife International werden pro Jahr durchschnittlich 5.600.000 Vögel in Italien, 2.300.000 auf Zypern, 522.000 in Frankreich und 704.000 in Griechenland gefangen oder getötet. Zahlen, die den Großteil des Naturschutzes in Mittel- und Westeuropa wieder zunichte machen. Denn was nützt einem Ortolan ein schönes Brutgebiet, wenn er auf dem Zug ins Winterquartier in einer Baumschlinge endet?

Beitragsbild: Peter O’Connor aka anemoneprojectors (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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