Close

Vogelwelt

Wie orientieren sich Zugvögel auf ihren langen Reisen?

Wie orientieren sich Zugvögel auf ihren langen Reisen?

Jedes Jahr legen Zugvögel Tausende Kilometer zurück und finden dabei erstaunlich präzise ihren Weg. Dabei überqueren sie Meere, Gebirge und ganze Kontinente und das ohne sich zu verirren. Doch wie schaffen es die Tiere, ihr Ziel immer wieder zu erreichen? Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass Zugvögel verschiedene angeborene und erlernte Orientierungshilfen nutzen.

Zugunruhe: Der angeborene Orientierungssinn der Zugvögel

Sobald die Zugzeit beginnt, werden viele Vögel unruhig. Dieses Verhalten nennt man „Zugunruhe“ und es ist sogar bei Vögeln zu beobachten, die in Gefangenschaft leben. Der Grund dafür ist, dass das Zugverhalten genetisch verankert ist: Sowohl der Zeitpunkt des Aufbruchs als auch die Flugrichtung und die Dauer der Reise sind in den Genen festgelegt. Deshalb hält die Zugunruhe bei gefangenen Vögeln ungefähr so lange an, wie der Flug zum eigentlichen Zielort dauern würde. Durch den Klimawandel verschieben sich jedoch häufig die besten Zeiten für Nahrungssuche und Brut, weshalb einige Vogelarten früher oder später ziehen als noch vor einigen Jahrzehnten.

Navigation von Zugvögeln: Sonne, Sterne und Magnetfeld

Während ihrer Reise nutzen Zugvögel verschiedene natürliche „Kompasse“. Tagaktive Arten orientieren sich am Stand der Sonne. Da sich die Sonne im Laufe des Tages bewegt, gleichen die Vögel dies mithilfe einer inneren Uhr aus, die ihren Kurs ständig anpasst. Nachtaktive Zugvögel nutzen dagegen den Sternenhimmel zur Orientierung. Sie lernen die Konstellationen der Sterne und verwenden den Polarstern als festen Orientierungspunkt, der nach Norden weist. Außerdem besitzen Vögel spezielle lichtempfindliche Moleküle in ihren Augen, mit denen sie das Magnetfeld der Erde wahrnehmen können. Dadurch sind sie in der Lage, Himmelsrichtungen zu bestimmen.

Mentale Landkarten: Wie erfahrene Zugvögel ihre Route verbessern

Neben diesen angeborenen Orientierungshilfen sammeln Zugvögel im Laufe ihres Lebens Erfahrungen und erstellen eine Art „mentale Landkarte“. Sie prägen sich markante Berge, Flüsse, Küstenlinien oder sogar besondere Gerüche ein. So können sie ihre genetisch vorgegebene Route mit der Zeit anpassen und verfeinern. Jungvögel lernen viele dieser Kenntnisse außerdem von älteren und erfahrenen Artgenossen.