Welche Tricks nutzen Vögel, um Feinde zu täuschen?
Wer ein Vogelnest entdeckt, findet dort oft gut versteckte Eier und Küken. Für Fressfeinde sind sie allerdings ein gefundenes Fressen. Deshalb haben Vögel im Laufe der Evolution erstaunliche Strategien entwickelt, um ihre Jungen zu schützen. Manche täuschen Verletzungen vor, andere imitieren fremde Stimmen oder gehen gemeinsam gegen einen Angreifer vor. Und einige machen sich einfach unsichtbar.
And the Oscar goes to …
Einige Bodenbrüter haben sich zu wahren Schauspielern entwickelt, um ihre Nester zu schützen!
So zum Beispiel auch der Sandregenpfeifer: Nähert sich ein Fressfeind seinem Nest, läuft der Eltervogel ein Stück weit davon weg und spielt ein leichtes Opfer. Er lässt die Flügel hängen, torkelt und humpelt sogar, als sei er schwer verletzt. So denkt der Feind, er habe ein leichtes Opfer gefunden, und folgt dem Schauspieler. Sobald dieser weit genug vom Nest entfernt ist, fliegt der Sandregenpfeifer wieder davon. Diese Leistung ist fast schon Oscar-würdig!
Ich glaub, ich hör nicht richtig!
Eine weitere erfolgreiche Taktik ist die Stimmimitation. Darauf setzen beispielsweise Dornschnäbel, wenn sich eine Krähe nähert. Sie imitieren den Warnruf anderer Vogelarten vor Falken. Das erschreckt die Krähe, sodass sie instinktiv nach oben schaut, um sich zu schützen. Diese kurze Verwirrung nutzt der Dornschnabel aus, um sich in Sicherheit zu bringen.
Auch andere Vögel ahmen die Rufe von Raubvögeln nach, um Feinde zu vertreiben oder abzulenken.
Alle gegen einen
Bei einer sogenannten „Hassattacke“ tun sich kleinere Vögel, auch verschiedener Arten, gegen einen größeren Feind zusammen und vertreiben ihn. Zunächst versuchen sie es mit Drohrufen und Scheinattacken. Wenn diese nicht ausreichen, gehen sie zum Angriff über. Der Feind wird von den kleinen Vögeln gezwickt und bedrängt, bis er schließlich den Rückzug antritt.
Wacholderdrosseln treiben diese Taktik auf die Spitze: Nähert sich ein Raubvogel ihrem Nest, bombardieren sie ihn mit ihrem Kot. Das zwingt den Angreifer zum Rückzug, da die Exkremente sein Gefieder verkleben können und er dadurch im Flug behindert wird.
Vogel oder doch Chamäleon?
Viele Vögel schützen sich, indem sie mit ihrer Umwelt verschmelzen. Dieses Phänomen wird auch als Mimese bezeichnet. Ziegenmelker und Haselhühner besitzen beispielsweise ein Gefieder, das wie Baumrinde oder getrocknetes Laub aussieht. Nähert sich ein Fressfeind, fliehen sie oft nicht. Stattdessen drücken sie sich flach auf den Boden oder einen Ast und erstarren. So werden sie für den Angreifer beinahe unsichtbar.
Die Rohrdommel gibt sich dabei besonders viel Mühe: Sie stellt sich kerzengerade ins Schilf und streckt ihren Schnabel nach oben. Um vollkommen mit dem Schilfgras zu verschmelzen, schwankt sie sogar im Rhythmus des Windes mit.
Wer hätte gedacht, dass Vögel solche Meister der Täuschung sind?
