Rabenkrähe – verkanntes Schlitzohr

Rabenkrähe – verkanntes Schlitzohr

Krähen haben einen schlechten Ruf: Galgenvögel und Diebe nennt man sie, in Fabeln gelten ihre unmelodische Stimme und ihr schwarzes Gefieder oft als Strafe. Der intelligente Vogel hat allerdings wesentlich mehr zu bieten.

Aussehen

Die Rabenkrähe gehört zusammen mit der Nebelkrähe zu den Unterarten der europäischen Aaskrähe. Obwohl sich alle Rabenvögel ähnlich sehen, kann man sie dennoch gut auseinanderhalten. Im Gegensatz zur Nebelkrähe hat die Rabenkrähe ein rein schwarzes, kaum glänzendes Gefieder. Sowohl die Beine als auch der Schnabel sind schwarz, letzterer ist im Ansatz gefiedert. Die Schnabelfarbe ist somit ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Saatkrähe, welche einen grauen Schnabel besitzt. Vom Kolkraben unterscheidet sich die Rabenkrähe schon allein durch ihre Größe: Raben sind wesentlich größer und zudem immer noch so selten, dass eine Verwechslung selten eintritt.

Vorkommen

Aaskrähen sind in ganz Europa weit verbreitet. Während die Nebelkrähe östlich der Elbe bis zum Mittelmeerraum vorkommt, zieht die Rabenkrähe West- und Südwesteuropa vor. Dort findet man sie in Agrarlandschaften, aber auch vermehrt in Städten und Dörfern. Genau wie die Taube oder der Fuchs ist die Rabenkrähe nämlich ein verbreiteter Kulturfolger. Das heißt, dass sie ihren bevorzugten Lebensraum in die Nähe menschlicher Zivilisation verlegt hat. In Städten leben die Raben entweder in monogamen Paaren oder größeren Gruppen, die auch zusammen jagen.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Unverkennbar ist die Rabenkrähe durch ihren Ruf, ein raues Krächzen, was selten als Gesang empfunden wird. Einmal erspäht ist die Rabenkrähe eine interessante Entdeckung für viele Vogelbeobachter. Der intelligente Vogel zeigt sich gerade bei der Nahrungssuche als sehr erfinderisch. Dass sie als reine Aasvögel verschrien sind, ist irreführend. Vielmehr nutzt die Rabenkrähe jede mögliche Nahrungsquelle aus: Im Boden und unter Steinen suchen sie nach Saat und Würmern, auf Bäumen nach Früchten, während des Flugs nach Insekten und im Wasser nach schwimmenden Nahrungsresten. Tatsächlich ernähren sich Rabenkrähen gelegentlich auch von Eiern oder Jungvögeln anderer Arten; ein Verhalten, das sie mit vielen anderen Vögeln teilen. Dabei verhält sie sich wie ein gewiefter Einbrecher: Zunächst beobachtet sie das fremde Nest bis die Bewohner (buchstäblich) ausgeflogen sind, dann schlägt sie zu. Die erbeutete Nahrung verstecken Krähen nicht selten.

Ihre Geschicklichkeit und Intelligenz ist auch der Grund dafür, dass die Rabenkrähe sich im städtischen Raum ansiedeln könnte. Allen Vogelbeobachtern sei geraten, ihre Vorurteile fallen zu lassen, und den Krähen mehr als nur einen abwertenden Blick zu widmen.

Foto: © Kurt F. Domnik / pixelio.de

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