Die schwarze Sonne des Haasberger Sees

Die schwarze Sonne des Haasberger Sees

Hunderttausende Stare, die sich in jedem Herbst am Haasberger See in Schleswig-Holstein einfinden, sind nicht die einzige Attraktion dieses wandelbaren Gebietes.

Der Haasberger See

Ganz oben in Nordfriesland, an der deutsch-dänischen Grenze, wo selbst Windräder nicht mehr hinkommen, befindet sich der Haasberger See. Das etwa 75 Hektar große Gebiet ist Teil eines Entwässerungsystems auf der nordfriesischen Marsch, die schon immer mit gefährlichen Sturmfluten zu kämpfen hatte. Dank großen Seedeichen ist das Gebiet aber heute besser geschützt.

Die Besonderheit des Haasberger Sees: Er existiert nur im Winterhalbjahr als richtiger See. Dann nämlich treten die nah gelegenen Flüsse regelmäßig über die Ufer, das Wasser wird vom Seebecken aufgefangen. Im Sommer jedoch verdunstet der See bis auf einige wenige Senken, dafür treten dann Schilfröhrichte, Schlammflächen und Weidengebüsche an seine Stelle. Im angrenzenden Aventofter Wald wechseln sich Fichten, Lärchen, Erlen und Birken ab.

Schwarze Sonne

Das größte Naturereignis am Haasberger See findet zwischen August und Oktober statt und lockt vor allem dänische Touristen an. Das Gebiet ist jedes Jahr Sammelpunkt für hunderttausende Stare, die sich abends zum Schlafen hierher zurückziehen. Doch bevor es soweit ist, verdunkeln sie wie ein riesiges schwarzes Netz die untergehende Sonne, eine dynamische Masse, die immer wieder neue Formationen vorführt. Die Dänen nennen dieses Phänomen Sort Sol, „Schwarze Sonne“. Doch auch deutsche Vogelliebhaber kommen immer öfter zum Haasberger See, um den faszinierenden Massentanz der Stare zu erleben.

Vogelarten und Beobachtungszeiten

Aufgrund seiner abwechslungsreichen Landschaft bietet der Haasberger See aber natürlich auch noch vielen anderen Vogelarten einen Platz zum Rasten und Brüten. Dazu gehören Rauchschwalbe, Rohrammer, Bach- und Schafstelze sowie Rohrweihe, Sperber und Baumfalke. Im Herbst halten sich viele Limikolen an den Schlammflächen und Flachwasserbereichen auf, im Winter schließlich wird das Bild vor allem von Entenvögeln und Schwänen bestimmt. Rohrdommeln überwintern manchmal am See, tarnen sich aber so gut, dass man nur mit Glück einen Blick auf sie erhaschen kann.

Im Frühling wiederum kann man viele verschiedene Entenarten beim Gründeln beobachten, die in ihren Prachtkleidern einen farbenfrohen Anblick bieten. Krick-, Schnatter- und Stockenten bekommen Gesellschaft von jagenden und brütenden Seeadlern, ab April kommen auch Trauerseeschwalben und Zwergmöwen hinzu.

Zum Höhepunkt der Brutzeit im Mai lohnt sich ein längerer Besuch am späteren Nachmittag. Gegen Abend ertönt dann ein facettenreiches Vogelkonzert in Wald und Flur.

Wenn ihr am Haasberger See beobachten wollt, achtet bei der Wahl eures Platzes auf den Stand der Sonne. Vor allem in Sachen Staranflug könnt ihr euch einer Führung anschließen oder ansässige Naturkundler befragen, denn die Stare kommen nicht immer zum gleichen Punkt zurück. Viel Freude beim Beobachten!

Foto: Adam (Lizenz: CC BY 2.0)

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