Ibisse und Löffler (Vogelfamilie)
Mit ihren langen Beinen und markanten Schnäbeln gehören Ibisse und Löffler zu den auffälligsten Watvögeln der Welt. Sie besiedeln Feuchtgebiete auf fast allen Kontinenten und haben sich auf ganz unterschiedliche Lebensräume spezialisiert. Trotz ihres ähnlichen Körperbaus unterscheiden sich beide Gruppen in Aussehen und Lebensweise deutlich voneinander.
Ordnung und Vorkommen
Die Ibisse und Löffler (Threskiornithidae) gehören zur Ordnung der Pelecaniformes. Früher wurden sie den Schreitvögeln zugeordnet, da sie äußerlich einige Gemeinsamkeiten mit den Störchen aufweisen. DNA Analysen zeigten jedoch, dass sie näher mit den Pelikanen verwandt sind. Die Vogelfamilie umfasst zwei Gruppen: die Ibisse und die Löffler.
Ibisse und Löffler sind auf allen Kontinenten außer der Antarktis verbreitet. Die meisten Arten leben in tropischen und subtropischen Klimazonen. In Mitteleuropa ist der Eurasische Löffler heimisch. Bis ins 17. Jahrhundert brütete auch der Waldrapp im Alpenraum. Durch intensive Bejagung und den Verlust seines Lebensraums verschwand die Art dort. Heute laufen Projekte, um den Waldrapp wieder im Alpenraum sowie in Spanien und Italien anzusiedeln.
Der typische Lebensraum der Ibisse und Löffler liegt an Seen, Sümpfen und langsam fließenden Flüssen. Sie kommen sowohl in offenen Landschaften als auch in dichten Regenwäldern vor. Einige Arten besiedeln außerdem Steppen und Savannen und sind weniger an Gewässer gebunden. Die tropischen Arten sind überwiegend Standvögel, während die Vertreter gemäßigter Klimazonen als Zugvögel weite Strecken zurücklegen.
Aussehen und Verhalten
Ibisse und Löffler lassen sich gut voneinander unterscheiden. Das auffälligste Merkmal ist der Schnabel. Bei den Löfflern ist er lang und an der Spitze deutlich abgeflacht. Die Schnäbel der Ibisse sind dagegen lang und nach unten gebogen.
Die Vertreter der Vogelfamilie erreichen Körperlängen zwischen 50 und 110 Zentimetern. Sie besitzen einen gedrungenen Körper, einen langen Hals und lange Beine. Ihre breiten Flügel ermöglichen einen kräftigen und ausdauernden Flug. Während Löffler mit Ausnahme des Rosalöfflers ein weißes Federkleid tragen, kommen Ibisse in Weiß, Schwarz, Braun oder Rot vor.
Ibisse sind überwiegend tagaktiv. Löffler gehen je nach Art auch in der Dämmerung oder nachts auf Nahrungssuche. Ihr Speiseplan richtet sich nach dem jeweiligen Lebensraum und umfasst unter anderem Wasserinsekten, Kleinkrebse, Amphibien, Schnecken, Schlangen und kleine Säugetiere.
Ibisse und Löffler brüten in Kolonien. Die Brutpaare verteidigen jeweils ein kleines Revier rund um ihr Nest. Beide Eltern bebrüten die Eier. Nach etwa 20 bis 31 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Je nach Art werden sie nach 28 bis 56 Tagen flügge.
Heimische Arten
In Deutschland ist der Eurasische Löffler die einzige heimische Art dieser Vogelfamilie. Er ist groß, schneeweiß und brütet vor allem an der Nordseeküste in Schilfbeständen und anderen Uferbereichen.
Ibisse und weitere Löfflerarten werden in Deutschland lediglich als seltene Gäste beobachtet.
