Plüschbälle am Strand – Die Kinderstube der Zwergseeschwalben

Plüschbälle am Strand – Die Kinderstube der Zwergseeschwalben

Heisere, schnarrende Rufe an den Küsten der Nord- und Ostsee deuten oft auf die kleinste Seeschwalbe der Welt hin: die Zwergseeschwalbe.

Eigentlich fühlt sich die Zwergseeschwalbe auch an den Flüssen des Binnenlandes wohl. Doch die Kolonien dort schrumpfen immer mehr, weil sich die Flusslandschaften verändern, etwa zugunsten des Hochwasserschutzes. Umso wertvoller sind Schutzgebiete, in denen sich vor allem die Kinderstube der Zwergseeschwalben in Ruhe entfalten kann. An den Küsten Schleswig-Holsteins lassen sich faszinierende Beobachtungen von Balz, Brut und Aufzucht der Jungen machen.

Geselliger Trubel

Mit ihren rund 50 Gramm Körpergewicht sind die Zwergseeschwalben natürlich echte Winzlinge. Doch das hält sie nicht davon ab, die halbe Welt zu durchqueren. Die kalte Jahreszeit verbringen die kleinen Langstreckenzieher meist im Osten und Westen Afrikas, wo die Temperaturen um einiges tropischer sind.

Doch jedes Jahr ab April werden die Brutplätze an Nord- und Ostsee wieder besetzt. Oft kehren Kolonien jedes Jahr an die gleichen Orte zurück. Als Beziehungsmodell herrscht die monogame Saisonehe vor, doch zwei Partner können durchaus in mehreren Jahren zusammen Junge bekommen.

Zunächst machen die Männchen durch verwegene Schauflüge auf sich aufmerksam, manchmal sind auch kleine Choreographien der Paare zu sehen. Wichtig ist vor allem die Übergabe eines Fisches vom Männchen an das Weibchen. Dieses Geschenk kann während oder auch nach der Paarung überreicht werden.

Der Nestbau ist bei den Zwergseeschwalben keine komplizierte Prozedur. Standort in der Nähe von Pflanzen (z.B. Strandhafer) auswählen, mit den Füßen eine Mulde in den Sand graben, fertig. Die Eier werden Mitte bis Ende Mai gelegt, danach kann das Weibchen kaum noch die Mulde verlassen und wird vom Männchen gefüttert. Die Übergabe geschieht übrigens im Flug und geht so schnell, dass der Moment kaum von einer Kamera eingefangen werden kann.

Plüschiger Nachwuchs

Die Küken schlüpfen mit bräunlichem, plüschigem Flaum. Das sieht nicht nur niedlich aus, sondern unterstützt sie auch bei der Tarnung im Sand.  Auch die Mutter weicht den Kleinen natürlich nicht von der Seite, aber schon ein paar Stunden nach dem Schlüpfen werden sie mobil. Auf kleinen Erkundungstouren rund um das Nest trippeln die Küken umher und verlangen den Altvögeln alles ab. Während die Mutter immer wieder versucht, die Küken zurück ins Nest zu locken, trägt das Männchen Futter für die ganze Familie heran.

Sind die Jungen etwas größer, wird es in der Kinderstube der Zwergseeschwalben natürlich noch unübersichtlicher. Die kleinen Energiebündel verstecken sich jetzt oft zwischen Gewächsen, doch sobald sie Futter erspähen (egal, in wessen Schnabel) stürzen sie hervor und beginnen zu betteln. Die Stimmung bei den Zwergseeschwalben ist jedoch so freundlich und gesellig, dass die Jungen bis zum Wegzug im Winter von den Altvögeln gefüttert werden.

 

Foto: Dan Pancamo (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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