Turbulente Paarungszeit beim Zaunkönig

Turbulente Paarungszeit beim Zaunkönig

Nanu, was huscht denn da durch’s Unterholz? Eine kleine Maus? Nein, es ist ein Vogel – der Zaunkönig, um genau zu sein. Mit plötzlichen, schnellen Bewegungen trippelt er von einem Versteck zum nächsten, immer darauf bedacht, mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Dabei hilft ihm sein bräunliches, leicht getupftes Gefieder. Mit dem dünnen, spitzen Schnabel erwischt er noch das kleinste Insekt.

Meistersänger und Baumeister 

Oft bemerken wir den Zaunkönig erst, wenn er seinen charakteristischen Gesang anstimmt. Für diese Aufgabe verlassen die Männchen sogar ihre Deckung und nehmen auf erhöhten Singwarten Platz. Schließlich steht einiges auf dem Spiel: Sie müssen ihr Revier gegen andere Männchen verteidigen und gleichzeitig die Weibchen im Umkreis beeindrucken. Dafür scheuen die Junggesellen keine Arbeit und errichten gleich mehrere Nester, damit die potenzielle Partnerin das beste aussuchen kann. Es wurden schon Männchen beobachtet, die über zehn verschiedene Nester bereitstellten. 

Zaunkönige sind für ihre kuriosen Brutorte bekannt. Die kugelförmigen Nester wurden schon in Briefkästen, Blumentöpfen und – wenn man den Geschichten glauben kann – Hosen- oder Jackentaschen entdeckt. Für die Innengestaltung des Nestes ist die Auserwählte dann allein zuständig. In einem Fall wurde beobachtet, wie ein Weibchen knapp 500 Hühnerfedern herbei trug und dafür 204 Kilometer flog. 

Wir haben Hunger!

Einmal geschlüpft, werden die Jungvögel mit jedem Tag anspruchsvoller. Während ihnen am Tag des Schlüpfens acht Fütterungen pro Stunde genügen, sind es zwei Wochen später schon gut 30 Fütterungen. Am Ende der Nestlingszeit vollbringen die Eltern sogar das Kunststück, 300 bis 550 Mal pro Stunde zu füttern! Nach etwa 15 Tagen lockt das Weibchen ihre Brut aus der Sicherheit des Nestes heraus: aus Nestlingen werden Ästlinge. Denn nun bleiben die Kleinen in der Nähe auf Bäumen und Büschen sitzen und lassen sich munter weiter füttern. Währenddessen ist das Männchen schon wieder im Baufieber und errichtet neue Nester, um das nächste Weibchen zu beeindrucken. 

Zaunkönige als Gartenbewohner 

Wenn ihr Zaunkönige in euren Garten einladen wollt, ist der beste Tipp: nicht zu viel tun. Denn die kleinen Vögel mögen es unordentlich. Sie huschen für ihr Leben gern durch dichtes Gebüsch, wilde Hecken und bunte Blumenwiesen. Zwischendurch halten sie an, um einen Asthaufen oder ein paar Mauerritzen nach Insekten abzusuchen. Also: Nicht immer alles gleich wegräumen und in einigen Ecken der Natur die Führung überlassen. Darüber freuen sich auch viele andere Gartenvögel.

Foto: Ron Knight ( CC BY 2.0 )

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