Mysteriöser Pinguinschwund auf der Île aux Cochons

Mysteriöser Pinguinschwund auf der Île aux Cochons

Auf der Ile aux Cochons im Indischen Ozean befindet sich die größte Kaiserpinguin-Kolonie der Welt. Oder besser: befand. Denn der Bestand hat sich um katastrophale 88 Prozent verringert, Forscher rätseln über den Grund.

Im südlichen Indischen Ozean gibt es eine kleine Vulkaninsel, sie ist rundlich geformt und hat einen Durchmesser von neun Kilometern. Sie gehört zum französischen Überseeterritorium und heißt deshalb offiziell Île aux Cochons (zu Deutsch: Schweineinsel). Anfang des 17. Jahrhunderts setzten amerikanische Robbenjäger Schweine auf der Insel aus, sozusagen als lebendes Vorratsdepot. Die Tiere richteten auf der Insel allerdings viel Verwüstung an und starben schließlich wieder aus, der Name blieb. Heute allerdings ist die Insel für eine andere Gruppe tierischer Bewohner bekannt: die Königspinguine.

Mysteriöser Pinguinschwund

In den 1980er Jahren konnten auf der kargen Insel noch 500.000 Paare der Großpinguine gesichtet werden. Das machte die Ile aux Cochons zur weltweit wichtigsten Kolonie der Art. Doch durch die Auswertung von Luft- und Satellitenbildern, die zwischen 1988 und heute aufgenommen wurden, haben Forscher nun Grund zur Sorge. Sie konnten den aktuellen Bestand gut bestimmen, da sich die Tiere zur Brutzeit alle gemeinsam in einem bestimmten Bereich aufhalten. Das Ergebnis: Nur noch circa 60.000 Pinguinpaare tummeln sich auf der Insel – ein dramatischer Rückgang von 88 Prozent.

Wo sind die Kaiserpinguine?

Im Fachblatt Antarctic Science verliehen die Wissenschaftler ihrer Ratlosigkeit Ausdruck. Der konkrete Grund für den Schwund der Pinguine sei unklar, schreiben sie. Eine Theorie: Krankheitserreger sowie eingeschleppte Mäuse oder Katzen könnten der Kolonie schaden. Letztere fressen die Küken und verhindern so die Entwicklung einer starken nächsten Generation.

Möglich ist aber auch, dass veränderte Bedingungen der Umwelt und des Klimas den Pinguinschwund verursachen. Gerade das Klimaphänomen „El Niño“, bei dem sich das Oberflächenwasser des östlichen Pazifiks überdurschnittlich stark erwärmt, könnte eine Erklärung sein. Es beeinflusst das Klima auf der gesamten Erde und heizte den Ozean rings um die Ile aux Cochons schon 1997 so stark auf, dass den Pinguinen das Futter ausging. Möglicherweise sorgt also ein verringertes Nahrungsangebot dafür, dass die Kolonie schrumpft.

Die Forscher sind sich aber sicher, dass der Pinguinschwund zu extrem ist, um allein mit einem der genannten Phänomene erklärt werden zu können. Zumal die Zahl der Vögel immer noch abnehme. Um das Problem richtig bewerten zu können, unternehmen Wissenschaftler Anfang nächsten Jahres eine Expedition auf die Ile aux Cochons. Möglicherweise muss die Gefährdung des Königspinguins dann neu bewertet werden: Aktuell gilt die Art als „nicht gefährdet“.

Beitragsbild: Brian Gratwicke (Lizenz: CC BY 2.0)

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