Vogelbeobachtung in Bayern: Der Plessenteich bei Ulm

Vogelbeobachtung in Bayern: Der Plessenteich bei Ulm

Der bayerische Plessenteich zog bisher schon mindestens 230 Vogelarten an. Der Grund dafür sind die Menschen, die das Gebiet einst kauften und nun hingebungsvoll pflegen.

Von der Kiesgrube zum Vogelsee

Der Plessenteich gehört zum Ulmer Stadtteil Gerlenhofen. Es waren Bürger aus genau diesem Stadtteil, die sich 1980 gegen den weiteren Kiessabbau in dem Gebiet zur Wehr setzen wollten. Sie gründeten deshalb den Gerlenhofener Arbeitskreis Umweltschutz (GAU). Aufgrund ihres Widerstands wurde ein Teil der Kiesgrube zu einem Landschaftssee umgestaltet. Ab 2003 erfolgte überhaupt kein Kiessabbau mehr und die Bürger konnten den See schließlich erwerben.

Auch nachdem sie ihr Hauptziel erreicht hatten, ruhten sich die Gerlenhofener nicht auf ihren Lorbeeren aus. Sie errichteten Schilf- und Kiesinseln, mehrere Steilwände für Eisvögel, eine Uferschwalbenwand und Nistflöße für Flussseeschwalben. Auch die Landschaft rings um den See wurde vogelfreundlich verändert. Der Verein sorgt dafür, dass Kies- und Wiesenflächen nicht verbuschen und somit für Bodenbrüter geeignet bleiben. Außerdem wandelten engagierte Landwirte in der Umgebung einige ihrer Äcker in Grünland um; auch eine Wildblumenwiese hat in diesem Jahr schon geblüht. Und auch die Vogelbeobachter hat der Verein nicht vergessen. Für sie gibt es mehrere Beobachtungswände und -verstecke sowie einen Turm direkt am See.

Vogelarten am Plessenteich

Auf der großen Plessenteichinsel brüten jede Menge Lachmöwen, bis zu 1.500 Paare können es werden. Unter ihnen findet sich zur Brutzeit auch die eine oder andere Schwarzkopfmöwe. Weitere Brutvögel sind Haubentaucher, Stock-, Kolben- und Reiherenten sowie Nil-, Rost- und Graugänse. Auf den Inseln können brütende Kiebitze wunderbar beobachtet werden (2017 waren es 30 Paare). Nur zehn Meter von den begeisterten Beobachtern entfernt brütete dieses Jahr außerdem ein Flussregenpfeifer auf einer Kiesfläche. Flussseeschwalben leisteten ihm auf ihren Brutflößen Gesellschaft.

Unter den Zugvögeln, die den Plesseteich während ihrer Reise aufsuchen, sind typische Watvögel wie Bekassine, Bruch- und Waldwasserläufer, Kampfläufer, Grünschenkel und Alpenstrandläufer. Zu den prominenten (da seltenen) Gästen gehörten schon Kiebitzregenpfeifer, Austernfischer, Stelzenläufer, Terekwasserläufer und Graubrust-Strandläufer.

Nicht ganz so selten, aber gut zu beobachten sind Feldlerchen und Wiesenschafstelzen. Sie halten sich in den Feldfluren am See auf. Auch Neuntöter brüten dort regelmäßig und können aus dem Wald nördlich des Plesseteichs Pirole rufen hören. 2017 war auch für die Vögel an Land ein gutes Jahr, denn erstmal nach langer Zeit konnte am Rand einer Ackerbrache wieder ein Rebhuhnpaar gesichtet werden.

Foto: Τῖφυς ὁ Κυβερνητήρ (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

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