Sumpfmeise: Das Eichhörnchen unter den Vögeln
Die Sumpfmeise hat zwar keinen Kühlschrank, aber trotzdem immer etwas zu essen parat. Das liegt unter anderem an ihrem Lebensraum, der wenig mit Sümpfen zu tun hat.
Aussehen
Die possierliche Sumpfmeise wird mit ihren zwölf Zentimetern etwa so groß wie die verwandte Blaumeise. Allerdings ist das Federkleid der Sumpfmeise ein ganzes Stück unauffälliger. Die Grundfarbe ist Graubraun, Brust und Bauch sind eher schmutzig-weiß bis beige gefärbt. Flügel und Schwanz tragen gedeckte Braun- und Grautöne.
Ein wichtiges Merkmal ist die Kopfplatte in glänzendem Schwarz; sie bedeckt Stirn und Scheitel und zieht sich bis nach hinten in den Nacken. Im Unterschied dazu stechen die Wangen und Ohrdecken weiß hervor. Achtet auch auf den schwarzen Kehlfleck direkt unter dem kurzen Schnabel.
Die Bestimmung der Sumpfmeise kann mitunter knifflig sein, da sie eine so genannte „Zwillingsart“ hat: die Weidenmeise. Auf den ersten Blick sehen sich die beiden Arten zum Verwechseln ähnlich. Die Weidenmeise hat allerdings einen größeren Kehlfleck und ihre Kopfplatte ist mattschwarz, während sie bei der Sumpfmeise glänzt. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist allerdings der Gesang. Ein scharf tönendes „pistjü“ oder ein aufgeregtes „zij-dädädäc“ weisen auf die Sumpfmeise hin, während die – übrigens deutlich seltenere – Weidenmeise häufig ein lang gezogenes „dääh dääh …“ von sich gibt.
Vorkommen
Die Sumpfmeise ist ein Standvogel und gehört damit zu unseren typischen Wintervögeln. Sie kommt in Mitteleuropa recht häufig vor, im Nordwesten bis nach Wales und Mittelengland, im Westen bis an die Atlantikküste Frankreichs und im Südwesten bis nach Spanien. Am Mittelmeer verläuft die Verbreitungslinie entlang der französischen Küste und durchläuft Italien und Sizilien bis hin zum Balkan.
Lasst euch nicht vom Namen der kleinen Meise in die Irre führen, denn man wird sie kaum in Sumpfgebieten antreffen. Vielmehr hält sie sich in feuchten Laub- und Mischwäldern sowie in Parks, auf Friedhöfen und in älteren Obstgärten auf. Im Winter kann man sie gelegentlich auch am Futterhäuschen antreffen.
Verhalten und Beobachtungstipps
Die Sumpfmeise legt im Herbst beeindruckende Nahrungsvorräte an. Ähnlich wie ein Eichhörnchen versteckt sie Samen, Nüsse und kleine Insekten in Rindenspalten, unter Moos oder zwischen dichtem Geäst. An einem einzigen Tag kann sie mehrere hundert Verstecke anlegen. Diese Vorräte helfen ihr, die nahrungsarme Winterzeit zu überstehen, auch wenn ein Teil davon von anderen Tieren gefunden wird.
Sumpfmeisen gehen meist schon in jungen Jahren eine feste Paarbindung ein und bleiben ihrem Partner oft lebenslang treu. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Männchen ein geeignetes Revier besetzen kann.
Im Frühjahr beginnt die Balz mit lebhaftem Gesang und auffälligem Flügelzittern. Vor der Eiablage versorgt das Männchen seine Partnerin häufig mit Nahrung. Anschließend sucht das Paar nach einer geeigneten Bruthöhle. Bevorzugt werden natürliche Baumhöhlen, gelegentlich werden aber auch Nistkästen angenommen. Die Jungen schlüpfen nach rund zwei Wochen und bleiben etwa zwei bis drei Wochen im Nest. Auch nach dem Ausfliegen werden sie noch eine Zeit lang von ihren Eltern betreut.
Sumpfmeisen lassen sich das ganze Jahr über beobachten, besonders gut jedoch im Herbst und Winter an ihren Futterverstecken oder an Futterstellen. Sie bevorzugen strukturreiche Laub- und Mischwälder, kommen aber auch in Parks und größeren Gärten vor. Mit etwas Geduld kann man beobachten, wie sie Samen aufnehmen und gezielt in Ritzen oder unter Moos verstecken. Zur Bestimmung helfen der glänzend schwarze Kopf, die kleine schwarze Kehle und ihre ruhigen, unauffälligen Bewegungen im Vergleich zu anderen Meisenarten.
