Grasläufer – Zutraulicher Irrgast

Grasläufer – Zutraulicher Irrgast

Der zarte Grasläufer ist in den Tundren von Nordamerika und Sibirien zu Hause. Auf dem Zug in die Winterquartiere verschlägt es ihn regelmäßig nach Europa.

Aussehen

Der Grasläufer gehört zu den Watvögeln und wird etwa 19 Zentimeter groß. Sein Gefieder ist sandfarben bis hellbraun. Wangen, Brust und Bauch weisen meist einen zart goldgelben Unterton auf. Auf der Oberseite erzeugen die hellen Federsäume der Flügel ein Schuppenmuster. An den Flanken verlaufen zarte, dunkle Pünktchen. Auch der Oberkopf ist mit solchen Punkten geschmückt, die zum Schnabel hin immer dichter werden. Der Schnabel selbst ist gerade und dunkel, die Augen sind schwarz, die Beine orangegelb. Im Flug zeigt der Vogel die weißen Flügelunterseiten mit dem dunklen Rand und einer halbmondförmigen, dunklen Zeichnung. Insgesamt ist der Grasläufer ein zarter Watvogel mit einem verhältnismäßig kleinen, fein geschnittenen Kopf.

Vorkommen

Die Heimat des Grasläufers ist Nordamerika. Er brütet dort in den mit Gräsern bewachsenen Tundren. Er ist ein Langstreckenzieher, der jedes Jahr bis nach Südamerika (Bolivien, Argentinien…) zieht, um dort den Winter zu verbringen. Doch es gibt einige Grasläufer, die sich nicht so genau an die Route halten und als Irrgäste nach Europa kommen. Vor allem in Irrland und Schottland sichtet man sie immer wieder, manchmal sogar in kleinen Trupps. Seltener, aber regelmäßig tauchen sie auch in Deutschland auf. Auf dem Zug und im Winterquartier steuern Grasläufer am liebsten Flachland wie abgeerntete Felder, Weideflächen, Golfplätze und ähnliches an.

Verhalten und Wissenswertes

Grasläufer suchen am Boden nach Nahrung und erbeuten hauptsächlich Käfer und Zweiflügler, aber auch wirbellose Tiere wie Regenwürmer und – bei Gelegenheit – Pflanzensamen. Beim Laufen heben sie die Füße weit vom Boden ab. Haben sie etwas Interessantes gesichtet, verfallen sie in schnelles Rennen.

Das Nest ist eine Mulde am Boden, die mit Pflanzenteilen gepolstert wird. Schon kurz nach der Paarung trennen sich Männchen und Weibchen wieder, so dass das Weibchen allein für die Brut verantwortlich ist. Sie dauert etwa 25 Tage. Die Jungen sind sehr selbstständig und verlassen das Nest schon kurz nach dem Schlüpfen. Danach bleiben sie noch weitere drei Wochen im Schutz der Mutter, bevor sie auf sich allein gestellt sind.

In der Nähe von Menschen verhalten sich Grasläufer ziemlich zutraulich. Der rege Betrieb auf einem Golfplatz oder sogar auf Flugplätzen stört sie daher wenig. Auch bei Gefahr fliehen sie nicht sofort, sondern verfallen zunächst in eine Art Starre.

Titelfoto: Gregory „Slobirdr“ Smith (Lizenz CC BY 2.0)

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