Schwarzspecht – Zimmermann mit roter Kappe

Schwarzspecht – Zimmermann mit roter Kappe

Der Schwarzspecht ist die größte Spechtart in Europa und kommt vor allem in deutschen Wäldern sehr häufig vor. Dort zimmert er seine Höhlen und erschafft Wohnungen für viele weitere Waldbewohner. Der Vogelfreund nennt ihn deshalb auch „Pionier des Waldes“.

Aussehen

Sein unverwechselbares, beinahe rein schwarzes Gefieder hat dem Schwarzspecht seinen Namen verliehen. Lediglich der rote Scheitel der Männchen sticht heraus. Beim Weibchen hingegen sitzt dieser rote Fleck im Nacken. In der Sonne zeigen sich im Gefieder des schlanken Vogels leichte Farbschattierungen. Die Oberseite ist besonders dunkel und kann bläulich schimmern, während Brust und Bauch meist etwas heller gefärbt sind. Besonders im Sitzen fällt der lange, kräftige und in der Mitte geteilte Schwanz auf. Auch der Schnabel ist extrem kräftig und fügt gemeinsam mit den blassgelben Augen den letzten Farbklecks hinzu.

Schwarzspechte sind die größten Spechte in Mitteleuropa und werden bis zu 50 Zentimeter lang!

Der Schwarzspecht ruft im Flug laut „prü-prü-prü…“, im Sitzen auch durchdringend „kliäh“. Im Frühjahr kann man den weit schallenden Gesang „kwi-kwi-kwi…“ sehr gut hören. Trotzdem ist eine Beobachtung selten, denn der scheue Waldvogel kann sich gut verbergen.

Vorkommen

Innerhalb der gemäßigten Klimazone kommt der Schwarzspecht vom Südwesten Europas bis in den Norden Japans hinein vor. Sein Verbreitungsgebiet ist demnach ein breiter Streifen, der sowohl Frankreich als auch Norwegen umfasst. Besonders viele Exemplare gibt es in Deutschland, Polen, Tschechien und Österreich. Allein in Deutschland leben etwa 30.000 Brutpaare, der Bestand ist als „nicht gefährdet“ eingestuft.

Seine Prominenz in der Vogelwelt verdankt der Schwarzspecht seinen Lebensgewohnheiten. Er liebt die alten, morschen Nadel- und Mischwälder, in denen er seine großen Höhlen bauen kann. Die Holzart spielt keine große Rolle, aber Buchenwälder mit einzelnen Fichten und Tannen sind besonders beliebt. Außerdem sollten die Abstände zwischen den einzelnen Bäumen nicht zu klein sein. Auch Baumstümpfe, liegendes Totholz und kernfaule Bäume sind beim Schwarzspecht immer gern gesehen.

Verhalten und Wissenswertes

Doch warum all das tote Holz? Ganz einfach: In bekannter Spechtmanier hackt der Schwarzspecht mit seinem kräftigen Schnabel tiefe Löcher in die Bäume. Er löst große Rindenstücke und legt nach und nach die Gänge totholzbewohnender Tiere frei. Dazu gehören vor allem Ameisen, aber auch Borken- und Bockkäfer. Sie sind gemeinsam mit ihren Larven und Puppen seine wichtigste Nahrung.

Aber auch zum Schlafen und für die Fortpflanzung zimmern die großen Vögel ihre Baumhöhlen. Wenn sich ein Paar auf eine Bruthöhle geeinigt hat, beginnen oft richtige kleine Konzerte. Dabei klopft ein Vogel von innen gegen die Höhlenwand, der andere antwortet mit leisen Rufen. Schon im März und April legen die Weibchen ihre Eier in die Höhlen. Auch die Brutzeit ist nicht besonders lang, denn schon nach knappen zwei Wochen schlüpfen die Jungen. Nach etwa einem Monat verlassen sie die Höhle und erhalten weiterhin Zuwendung von den Eltern.

Die alten Schwarzspechthöhlen sind für die Tierwelt unglaublich wichtig. Sie fungieren sozusagen als Mietwohnungen für Hohltaube, Waldkauz, Dohle, Raufußkauz und Star. Aber auch andere Tiere wie Siebenschläfer, Baummarder, Fledermaus, Hornisse und Wildbiene sind oft von den Zimmerkünsten des Schwarzspechts abhängig. Doch gerade in Europa werden die Wälder vom allzu ordentlichen Menschen langsam unbrauchbar gemacht. Waldarbeiter fällen die Höhlenbäume und entfernen Totholz, so dass dem Schwarzspecht immer weniger „Baumaterial“ bleibt. Um dem Einhalt zu gebieten, steht der Schwarzspecht stellvertretend für alle Höhlenbrüter und war 1981 bereits Vogel des Jahres.

Foto: Jean-Jacques Boujot (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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