Seidenreiher – Hüter der Hutfeder

Seidenreiher – Hüter der Hutfeder

Zum Glück ist die Zeit vorbei, als der hübsche Seidenreiher ein Opfer alberner Hutmoden war. Heute breitet er seinen Lebensraum von Südeuropa nach Deutschland aus.

Aussehen

Der Seidenreiher (egretta garzetta) ist eine besonders graziöse Erscheinung. Mit 65 Zentimetern ist er nicht nur kleiner als Silberreiher und Graureiher, er hat auch eine wesentlich schlichtere Färbung. Das Gefieder reinweiß, Schnabel und Beine tiefschwarz – der Seidenreiher weiß, was zeitlose Mode ausmacht. Allein die gelben Füße passen vielleicht nicht ganz zu seiner zierlichen Gestalt, aber die sind ohnehin meist von Wasser bedeckt. Namensgebend für den Seidenreiher sind seine langen Schmuckfedern: Während der Balz trägt er einen Schopf mit zwei Schmuckfedern am Kopf und einen Busch von Federn am Hals. Zu verwechseln wäre der Seidenreiher bestenfalls mit dem deutlich größeren Silberreiher, welcher aber allein durch den gelben Schnabel leicht von ihm zu unterscheiden ist.

Vorkommen

Praktisch den gesamten Globus besiedelt der Seidenreiher. Sein etwa zehn Millionen Quadratkilometer großes Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Südeuropa, Afrika, Asien und sogar Australien. In Europa stand der Reiher jedoch auch schon am Rand des Aussterbens: Aufgrund seiner langen, hübschen Federn wurde der Seidenreiher im 19. Jahrhundert mit Vorliebe zu Hüten verarbeitet. Für die Verwendung seiner Federn in der Modeindustrie wurde er erbarmunglos gejagt. Glücklicherweise ebbte der Trend zu extravaganten Hüten ab und der Seidenreiher konnte sich im 20. Jahrhundert wieder erholen. Seit den 1950er Jahren erweitert der Seidenreiher sein Verbreitungsgebiet sogar noch nach Norden hin. Dass es seit 1992 auch Brutpaare in Deutschland gibt, könnte eine Folge des Klimawandels sein. Wenn das stimmt, könnte es bald noch sehr viel mehr Seidenreiher in Deutschland geben.

Als Lebensraum bevorzugt der Seidenreiher seichte Tümpel und Teiche oder Flussmündungen. Manchmal sieht man ihn auch zusammen mit Weidevieh auf Wiesen verweilen. Zuerst wurde er im Donauraum gesichtet, kann aber mittlerweile auch in anderen Gebieten Deutschlands beobachtet werden. Normalerweise verlässt der Seidenreiher sein Brutgebiet im August und kehrt im März wieder von seinen Winteraufenthalten an der Atlantikküste und in Afrika zurück.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Der tagaktive Seidenreiher ist am einfachsten an seichten Gewässern bei der Nahrungssuche zu beobachten. Um Fische, Frösche und Insekten zu erbeuten, hat dieser Reiher zwei Strategien: Lauern oder Rennen. Beim Lauern verharrt er oft minutenlang komplett reglos mit vorgebeugtem Kopf, um sich dann urplötzlich auf seine Beute zu stürzen. Als aktiver Jäger scheucht er Beutetiere beim schnellen Lauf durchs Wasser auf und fängt sie dann auf der Flucht. Meist werdet ihr Seidenreiher in größeren Trupps beobachten, die sich auch bei der Jagd oder beim Schlafen nicht trennen. Wenn sie gerade nicht jagen, verbringen die Seidenreiher den Tag mit der Pflege ihres hübschen Gefieders. Alberne Hüte muss man daraus trotzdem noch lange nicht schneidern.

Foto: Kev Chapman (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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