Flamingos im Zwillbrocker Venn – Die Natur kennt keine Grenzen

Flamingos im Zwillbrocker Venn – Die Natur kennt keine Grenzen

In Deutschland ist die Wildnis näher als man denkt. Papageien im Stadtpark, Wölfe im Wald – und sogar Flamingos am See! Im Zwillbrocker Venn an der deutsch-niederländischen Grenze ist Letzteres Wirklichkeit.

Zwillbrocker Venn: Vogelparadies im Torf

Im Münsterland, an der deutsch-holländischen Grenze Nordrhein-Westfalens, befindet sich das Zwillbrocker Venn. Das 176 Hektar große Naturschutzgebiet liegt nahe des Vredener Stadtteils Zwillbrock. Entstanden ist das Moor- und Heidegebiet mit den seichten Seen aus einem ehemaligen Torfmoor. Nach Ende des Torfstechens füllte sich die Grube mit Wasser, sodass heute über 100 Vogelarten das Zwillbrocker Venn bevölkern. Zahlenmäßig führend sind ganz klar die Lachmöwen mit einer Kolonie von über 16.000 Tieren. Aber auch Wasservögel gibt es reichlich, darunter viele seltene Arten. Im Winter zum Beispiel kann man hier Krick-, Pfeif-, Reiher– und Tafelenten sowie Blässgänse und Kornweihen beobachten. Doch die prominenteste Art am Zwillbrocker Venn haben wir noch gar nicht erwähnt: Flamingos!

Flamingos in Deutschland im Zwillbrocker Venn

Keine Sorge, nicht nur euch kommen Flamingos in Deutschland komisch vor: Das Zwillbrocker Venn ist der nördlichste Brutplatz für Flamingos weltweit. Wie in Ralf Storks Buch Deutschlandsafari beschrieben, gibt es von derartigen Exoten in Deutschland jedoch mehr als man denkt. Und am Zwillbrocker Venn werden es sogar mehr: Ganze 40 Exemplare haben sich hier mittlerweile niedergelassen. Die Kolonie besteht aus den verschiedensten Arten: Am häufigsten sind die südamerikanischen Chileflamingos, genauso findet man aber Kubaflamingos aus der Karibik und Rosaflamingos (siehe Bild), die unter anderem in Südeuropa vorkommen. Durch ihr ungewöhnliches Zusammenleben kommt es am Zwillbrocker Venn auch immer wieder zu Mischbruten. Die Flamingos ernähren sich von Plankton aus dem See, welches sie mithilfe von Lamellen im Schnabel aus dem Wasser filtern. Dank der benachbarten Möwenkolonie gibt es im See genug Nährstoffe und auch genug Kleinkrebse, um den Flamingos ihre typisch rote Farbe zu verleihen. In den Wintermonaten sieht es allerdings schlechter mit der Nahrungsversorgung aus: Dann ziehen die Flamingos zum Überwintern ins südwestliche Holland.

Herkunft und Entwicklung der Flamingos in Deutschland

Zum ersten Mal beobachtet wurden wilde Flamingos in Deutschland schon 1970. Anfang der 80er Jahre konnte dann der erste Bruterfolg nachgewiesen werden. Die genaue Herkunft der Flamingos im Zwillbrocker Venn ist bisher ungeklärt. Vermutlich sind sie aus Gefangenschaft entflohen. Vielleicht handelt es sich bei den Rosaflamingos aber auch um Wildvögel aus Südeuropa. Möglich ist auch, dass die Flamingos aus ihrem Winterquartier in den Niederlanden weitergereist sind. Als die Flamingos noch neu in der Gegend waren, wurden die Jungtiere zunächst in Tierparks gebracht, weil ihr Überleben in der freien Natur zweifelhaft erschien. Heute weiß man, dass die Tiere mit unseren Temperaturen gut zurechtkommen. Jetzt werden andere Maßnahmen für ihren Schutz getroffen. Zum Beispiel wurde ein Elektrozaun aufgestellt, der Füchse von den Nestern fernhält. Unserem Ökosystem schaden die exotischen Vögel übrigens nicht: Bisher konnten keine negativen Folgen für die umliegende Natur festgestellt werden.

Flamingoroute und Tourismus

Wenig überraschend ist es, dass die Flamingos heute Hauptattraktion der ganzen Region sind. Souvenirs und touristischen Klimbim rund um die quietschbunten Vögel findet ihr in der Gegend überall. Doch auch für neugierige Vogelbeobachter wird gesorgt: Ein sechs Kilometer langer Rundwanderweg führt zu zahlreichen Aussichtsplattformen und Infotafeln. Für radelnde Ornithologen interessant ist die über 300 Kilometer lange Flamingoroute mit zahlreichen Attraktionen am Weg. Außerdem informiert ein Besucherzentrum mit Dauerausstellungen, Seminaren und Führungen über die exotischen Vögel. Um die Flamingos im Zwillbrocker Venn zu erwischen, solltet ihr eure Reise zwischen März und September planen. An die Aussichtsplattformen kommt ihr am besten morgens, dann erwischt ihr weniger Touristen und mehr Vögel. Aber seid gewarnt: Wirklich idyllisch ist es mit 16.000 Lachmöwen in der Nähe nur sehr selten.

>> Auf der Website der Biologischen Station Zwillbrock könnt ihr euch über die Flamingos selbst und das Besucherzentrums informieren

>> Zwischen März und Sommer könnt ihr mit der Flamingo-Kamera der Biologischen Station die Vögel beim Brüten beobachten

>> Auf der Website der Flamingoroute erhaltet ihr Infos zu den einzelnen Stationen und zur Anfahrt

>> Weitere Infos zu den Attraktionen der Region gibt es auf der Tourismus-Seite des Münsterlands

Foto: Cristian Bortes (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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