Waldbaumläufer – In Spiralen zum Erfolg

Waldbaumläufer – In Spiralen zum Erfolg

Der kleine Waldbaumläufer gehört zwar zu unseren heimischen Vögeln, ist aber perfekt getarnt und sehr scheu. Wir werfen einen heimlichen Blick in sein Leben.

Aussehen

Mit seinen rund 13 Zentimetern Länge gehört der Waldbaumläufer zu den kleinsten Vögeln Europas. Dadurch ist er natürlich schwer zu entdecken, doch sein Federkleid trägt noch entscheidender zur Tarnung bei. Am Rücken ist er im wahrsten Sinne des Wortes wie Baumrinde gefärbt. Ein verwaschen wirkendes Muster aus Schwarz, Braun und Weiß lässt den kleinen Vogel optisch mit der Baumrinde verschmelzen. Und da er immer mit dem Gesicht zum Baum daran hochklettert, ist seine weiße Unterseite kaum einmal zu sehen. Die Schwanzfedern sind braun und bis zu fünf Zentimeter lang. Auch am Schnabel fällt seine Länge (12 bis 14 Millimeter) und die nach unten gebogene Form auf. Ein kräftiger weißer Überaugenstreif verbindet Hinterkopf und Schnabelansatz. An den weit auseinander stehenden Füßen finden sich kräftige Zehen. Vor allem die Kralle der hinteren Zehe ist gut ausgeprägt und länger als die eines engen Verwandten, des Gartenbaumläufers.

Vorkommen

Wenn euch noch nie ein Waldbaumläufer begegnet ist, wird es euch vielleicht wundern, dass er durchaus weit verbreitet ist. Er kommt in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas vor und gehört in Deutschland zu den heimischen Singvögeln. Auch in Mittel- und Südskandinavien leben viele Waldbaumläufer. In Spanien beschränken sie sich auf die Pyrenäen und sind ansonsten äußerst selten auf der Iberischen Halbinsel. Was Asien betrifft, sind Waldbaumläufer vom Ural durch Südsibirien bis nach Japan und in den Norden Chinas verbreitet.

Wie der Name schon vermuten lässt, hält sich unser Vogel der Woche gern in Waldgebieten auf, seine Favoriten sind Nadel- und auch Mischwälder. Vor allem in etwas höher gelegenen, bergigen Regionen kommt der Waldbaumläufer bis hinauf zur Baumgrenze vor.

Verhalten und Wissenswertes

Wie ein winziger Specht klettert dieser Baumläufer spiralförmig und mit ruckartigen Bewegungen die Bäume hinauf. Dazu krallt er sich natürlich in der Rinde fest, benutzt aber auch die Schwanzfedern zum Stützen und Steuern.

Dieses Verhalten ist überlebenswichtig, denn der Waldbaumläufer ernährt sich hauptsächlich von den Insekten und Spinnen, die sich unter der Baumrinde verbergen. Mit seinem dünnen, pinzettenartigen Schnabel stochert er in den winzigen Vertiefungen der Rinde. Wenn ein Loch schwer zu inspizieren ist, benutzt er seine weiße Kehle einfach als reflektierenden „Spiegel“ und bringt so Licht ins Dunkel. Auch seine Strategie zur Fortbewegung ist ungewöhnlich. Hat der Waldbaumläufer einen Baumstamm abgegrast, lässt er sich im seitlichen Sturzflug fallen, um zum nächsten Baum zu kommen. An dessen Grund bremst er seinen Sturz dann mit ausgebreiteten Flügeln ab und kann wieder mit der Nahrungssuche anfangen.

Die Balz- und Brutzeit beginnt im April. In dieser Zeit sind die leisen, hohen Rufe der Waldbaumläufer häufiger zu hören, sie klingen etwa wie „Siiiiihh“, „siiiihh“. Die Weibchen errichten ihre kunstvollen Nester gern hinter weit abstehenden Rindenstücken oder in größeren Baumspalten. Die Jungen schlüpfen nach etwa zwei Wochen Brutzeit, bleiben aber noch weitere zwei Wochen im Nest und werden auch danach noch von den Eltern gefüttert. Wenn die Jungen selbstständig sind, beginnen die Altvögel meist noch eine zweite Brut. Dieser Vorgehensweise ist es wohl unter anderem zu verdanken, dass die Art noch nicht gefährdet ist.

 

Foto: Dirk-Jan van Roest (Lizenz CC BY 2.0)

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