Gartenbaumläufer – Unsichtbarer Nachbar

Gartenbaumläufer – Unsichtbarer Nachbar

So nah und doch so fern: Der Gartenbaumläufer lebt in Parks und Gärten ganz in unserer Nähe und trotzdem sehen wir ihn nicht. Das liegt an seiner exzellenten Tarnung, die ihn mit dem Hintergrund der Baumrinde verschmelzen lässt.

Aussehen

Der Gartenbaumläufer kennt einen besonderen Trick: Auf Baumrinden macht er sich unsichtbar. Wie das geht? Ganz einfach: Sein Gefieder ähnelt der Rinde von Laubbäumen so stark, dass ihr ihn darauf kaum noch erkennen könnt. Die weiße Unterseite ist dann verdeckt. Auch sonst ist der Gartenbaumläufer ideal an seinen bevorzugten Lebensraum angepasst: Mit dem relativ großen Schwanz stützt er seine rundliche Gestalt gegen den Baumstamm ab, mit den großen, kräftigen Füßen krallt er sich fest. Mit seinem pinzetten-ähnlichen Schnabel stochert der spatzengroße Vogel in der Baumrinde nach Nahrung.

Die eigentliche Schwierigkeit bei der Beobachtung des Gartenbaumläufers ist seine Zwillingsart, der Waldbaumläufer. Kaum ein Artenpaar ist so schwer zu unterscheiden wie die beiden Baumläufer. Neben subtiler Unterschiede im Gefieder und der deutlich längeren Hinterkralle des Waldbaumläufers gibt hauptsächlich der Gesang Hinweise zur Bestimmung. Der Ruf des Gartenbaumläufers, ein kräftiges tietie ist deutlich kürzer und lauter als der des Waldbaumläufers. Weitere Unterschiede sind im Blog von CanonCam gelistet.

Vorkommen

Der Gartenbaumläufer ist in West- und Mitteleuropa ein verbreiteter Standvogel. Auch wenn man den gut getarnten Vogel selten sieht, ist er nicht gefährdet. In Deutschland leben derzeit 300.000 bis 700.000 Brutpaare. Wegen seiner Vorliebe für Baumrinde siedelt der Gartenbaumläufer am liebsten in Gärten und Parks mit Obstbäumen oder anderen alten Bäumen, in Alleen und Streuobstwiesen. In den letzten Jahren ist der Gartenbaumläufer zum Kulturfolger geworden, immer öfter ist er in den deutschen Innenstädten zu sehen. Damit unterscheidet er sich vom verwandten Waldbaumläufer: Dieser bevorzugt das Berg- und Hügelland.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Wenn ihr Suchbilder mögt, dann liegt euch sicher auch die Waldbaumläufer-Beobachtung. Denn von seinen bevorzugten tarnfarbenen Baumstämmen entfernt er sich kaum. Den ganzen Tag hüpft er spiralförmig Baumstämme herauf und pickt dabei nach Nahrung wie Insekten, Spinnen und Larven. Ist ein Baum abgegrast, fliegt er wellenförmig zum nächsten hinüber. Seine Lieblingsbäume sind wegen ihrer zerfurchten Rinde Eichen, Ulmen und Eschen. Vor dem Hintergrund der zerklüfteten Rinde ist der Baumläufer dabei nur für sehr konzentrierte Vogelbeobachter sichtbar. Anders als der Kleiber läuft er übrigens nicht kopfüber Bäume hinab.

Wenn ihr den Gartenbaumläufer in eurem eigenen Garten beobachten wollt, habt ihr am meisten Glück mit Obstbäumen und anderen alten Gehölzen. Wer eine eigene Streuobstwiese hat, dürfte auch dort früher oder später einen Gartenbaumläufer erwischen. An Futterhäuschen ist er allerdings eher selten anzutreffen. Anlocken könnt ihr ihn mit einem speziellen Baumläufer-Nistkasten, der seinen Eingang auf der Rückseite hat. Manchmal baut er sein Nest jedoch auch in Siedlungsnähe in Gebäudenischen. Dabei sind Gartenbaumläufer sehr wohlerzogene Gäste und hinterlassen an der Fassade weder Löcher noch Schmutz.

>> Ihr habt Gefallen an dem kleinen Senkrechtstarter gefunden? Dann baut ihm doch einen eigenen Nistkasten mit einer Anleitung vom BUND!

Foto: Marcin Moga / flickr.com (CC BY 2.0)

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