Das Wintergoldhähnchen – Kleinster Vogel Europas

Das Wintergoldhähnchen – Kleinster Vogel Europas
Name Wintergoldhähnchen (Regulus regulus)
Größe 8-9 cm
Verbreitung Europa, Asien
Lebensraum Nadel- und Mischwälder, im Winter offene Landschaften und Parks
Brutzeit März – August
Nahrung Insekten, Spinnen

Als kleinster Vogel Europas ist das Wintergoldhähnchen schon ziemlich niedlich. Wenn es um die Nahrungssuche und den Zug geht, zeigt der kleinste und leichteste Vogel Deutschlands aber Durchhaltevermögen.

Aussehen

Mit seinen 4 bis 8 Gramm wiegt das Wintergoldhähnchen kaum mehr als ein DIN A4-Blatt. Das macht seine Entdeckung natürlich etwas schwieriger. Das gelbgrüne Gefieder hilft allerdings bei der Suche.
Auf den schmalen Flügeln des kleinen Vogels befinden sich zwei weiße Binden, die Beine sind gelblich. Am bräunlich grauen Kopf sitzen große, schwarze Augen, die von hellen Augenringen betont werden. Namensgebend ist der golden leuchtende Scheitelstreif, der beim Männchen eher in Richtung Orange geht. Dieser Scheitelstreif ist wiederum schwarz umrahmt.

Wintergoldhähnchen wirken insgesamt sehr winzig. Außerdem sieht ihr Körper immer etwas aufgeplustert aus, da der Kopf durch die langen Nackenfedern nicht vom Körper abgehoben ist.

Vorkommen

Die kleinen Vögel sind in Mitteleuropa weit verbreitet. Auch in Skandinavien, Asien, Sibirien und Japan brüten Wintergoldhähnchen. Bekannte Verbreitungslücken treten zum Beispiel in Osteuropa, Spanien sowie auf Island und in Lappland auf.

Ein sehr ähnlich aussehender Verwandter des süßen Vogels ist das Sommergoldhähnchen. Dieses zieht im Winter aus Deutschland weg und begibt sich in wärmere Regionen. Die Wintergoldhähnchen aus Skandinavien und anderen kalten Regionen kommen hingegen gerade im Winter zu uns. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Wintergoldhähnchen über 1.000 Kilometer zurücklegt, um vom Brut- ins Wintergebiet zu gelangen. Schon das Überqueren der Nord- und Ostsee ist eine echte Herausforderung für die Leichtgewichte aus Skandinavien, die sie jedes Jahr meistern müssen.

Wintergoldhähnchen lieben Nadelbäume, vor allem Fichten. Die Hauptsache ist, dass der Nadelholzanteil in einem Wald überwiegt, auch Lärchen und Kiefern werden angeflogen.

Verhalten und Wissenswertes

Der kleinste Vogel Deutschlands ist bei der Nahrungssuche oftmals auf Astunterseiten zu beobachten. Wintergoldhähnchen sammeln dort Insekten von der Unterseite der Nadeln und Blätter. Damit sind sie 90% während des Tages beschäftigt, denn ein Wintergoldhähnchen muss jeden Tag Nahrung im Umfang seines eigenen Körpergewichts fressen. Ihren Durst stillen die kleinen Vögel durch Tau- und Regentropfen von den Ästen.

Wintergoldhähnchen errichten sogenannte Hängenester, bauen also hängende Äste von Fichten und Tannen in die Nestwand ein. Zur Stabilität werden Moos, Flechten, Haare und sogar Gespinste von Raupen und Spinnen verarbeitet. Innen polstern die Altvögel das kugelige Nest mit Federn aus. Wintergoldhähnchen brüten zweimal im Jahr, die Partner bleiben sich auch bei mehreren Bruten hintereinander treu. Im April werden die ersten Eier gelegt. In einem Nest finden sich acht bis elf Eier, einzeln wiegen diese nicht einmal ein Gramm. Wenn die Jungen geschlüpft sind, bleiben sie noch weitere 34 Tage bei den Eltern. In dieser Zeit legt das Weibchen bereits die nächsten Eier in einem neuen Nest, die Jungen werden so lange vom Männchen betreut.

Der Gesang der winzigen Vogelart ist sehr hoch. Meist vibriert er zwischen zwei Tönen hin und her und klingt etwa wie „sisisisisisi“.

 

 

Titelfoto: © Wolfgang Vogt auf Pixabay

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6 Kommentare

  1. Angela Kindler 31. Januar 2019 um 19:41 Uhr

    Ein sehr fundierter, interessant zu lesender Artikel. Empfehlenswert.

  2. Hermine Deltl 2. Dezember 2019 um 21:57 Uhr

    Ihr Artikel ist sehr interessant und aufschlussreich.
    Wir betreiben seit 35 Jahren eine private Vogelstation für Wildvögel und haben daher etwas Erfahrung mit Aufzucht und Pflege unserer heimischen gefiederten Freunde.
    Wir werden Ihre Seite in Zukunft sicher öfters besuchen. Vielen Dank für Ihre Arbeit.

    • Alexandra Huth 3. Dezember 2019 um 10:50 Uhr

      Dankeschön, das freut uns! Beste Grüße aus der Redaktion!

  3. Rolf Lenz 25. Oktober 2021 um 20:07 Uhr

    Ich habe heute ein Wintergoldhähnchen auf unserer Terrasse gefunden. Dieses wunderschöne, kleinste europäische Vögelchen ist eine ganze Weile geblieben und war handzahm und flog nach einer Weile wieder in eine nahe Eibenhecke.
    Ein herrliches Erlebnis.
    Wahrscheinlich das Ergebnis eines ungespritzen Gartens mit einem reichlichen Nahrungsangebot.

  4. Ulla Selke 12. Oktober 2022 um 11:44 Uhr

    Danke für diesen niedlichen Bericht, wir hatten heute in Berlin im Wohnzimmer in der 3. Etage ein Wintergoldhähnchen zu Besuch und wussten vorher nicht, was es ist. Das süße Ding blieb (trotz offenen Fensters) ca. 1 Stunde und fühlte sich offenbar sehr wohl in unseren großen Ficus- Sträuchern.
    Wieder etwas gelernt.

    • Christian Kolbe 12. Oktober 2022 um 16:38 Uhr

      Hallo Ulla,
      schön, dass dir der Beitrag gefallen hat. Das ist wirklich mal ungewöhnlicher Besuch, klingt nach einer unerwarteten Abwechslung.
      Viele Grüße!

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