Wintergoldhähnchen – tapferer Winzling

Wintergoldhähnchen – tapferer Winzling

Als kleinster Vogel Europas ist das Wintergoldhähnchen zwar niedlich, aber keinesfalls wehrlos.

Aussehen

Ein Wintergoldhähnchen wiegt 4-8 Gramm. Kaum mehr als ein DIN A4-Blatt. Das macht seine Entdeckung natürlich etwas schwieriger, aber das gelbgrüne Gefieder hilft. Auf den schmalen Flügeln befinden sich zwei weiße Binden, die Beine sind gelblich. Am bräunlich grauen Kopf sitzen große, schwarze Augen, die von hellen Augenringen betont werden. Namensgebend ist der golden leuchtende Scheitelstreif, der beim Männchen eher in Richtung Orange geht. Dieser Scheitelstreif ist wiederum schwarz umrahmt.

Wintergoldhähnchen wirken insgesamt … nun ja … winzig. Außerdem sieht ihr Körper immer etwas aufgeplustert aus, da der Kopf durch die langen Nackenfedern nicht vom Körper abgehoben ist.

Vorkommen

Die kleinen Vögel sind in Mitteleuropa weit verbreitet, ihr Bestand soweit stabil. Auch in Skandinavien, Asien, Sibirien und Japan brüten Wintergoldhähnchen. Bekannte Verbreitungslücken treten zum Beispiel in Osteuropa, Spanien sowie auf Island und in Lappland auf.

Ein sehr ähnlich aussehender Verwandter, das Sommergoldhähnchen, zieht im Winter aus Deutschland weg und begibt sich in wärmere Regionen. Die Wintergoldhähnchen aus Skandinavien und anderen kalten Regionen hingegen kommen gerade im Winter zu uns. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Wintergoldhähnchen über 1.000 Kilometer zurücklegt, um vom Brut- ins Wintergebiet zu gelangen. Schon das Überqueren der Nord- und Ostsee ist eine echte Herausforderung für die Leichtgewichte aus Skandinavien, die sie jedes Jahr meistern müssen.

Wintergoldhähnchen lieben Nadelbäume, vor allem Fichten. Die Hauptsache ist, dass der Nadelholzanteil in einem Wald überwiegt, auch Lärchen und Kiefern werden angeflogen.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Wenn ihr Wintergoldhähnchen beobachten wollt, vergesst das Futterhäuschen um die Ecke. Die Winzlinge erweisen sich als äußerst selbstständige Vögel, deren Nahrung nur aus Insekten besteht. Sie hüpfen munter in den Bäumen umher und lesen ihre Beute von den Ästen und Nadeln ab. Damit sind sie während 90% des Tages beschäftigt, denn ein Wintergoldhähnchen muss jeden Tag Nahrung im Umfang seines eigenen Körpergewichts fressen. Ihren Durst stillen die kleinen Vögel durch Tau- und Regentropfen von den Ästen.

Regen wird übrigens nicht nur zum Trinken genutzt, sondern auch für die Körperpflege. Wintergoldhähnchen baden gern zwischen den nassen Zweigen und sagen auch zu frischem Schnee nicht Nein.

Der Gesang dieser Vogelart ist sehr hoch. Meist vibriert er zwischen zwei Tönen hin und her und klingt etwa wie „sisisisisisi“.

Eine weitere Besonderheit dieser Art findet sich im Nestbau. Wintergoldhähnchen errichten so genannte Hängenester, bauen also hängende Äste von Fichten und Tannen in die Nestwand ein. Zur Stabilität werden Moos, Flechten, Haare und sogar Gespinste von Raupen und Spinnen verarbeitet. Innen polstern die Altvögel das kugelige Nest mit Federn aus. Den Anfang beim Bauen macht das Männchen, nachdem es seiner Angebeteten den Standort gezeigt hat. Nach ein paar Tagen hilft auch das Weibchen mit. Wintergoldhähnchen brüten zweimal im Jahr, die Partner bleiben sich auch bei mehreren Bruten hintereinander treu.

Im April werden die ersten Eier gelegt. In einem Nest finden sich acht bis 11 Eier, einzeln wiegen sie nicht einmal ein Gramm! Wenn die Jungen geschlüpft sind, bleiben sie noch weitere 34 Tage bei den Eltern. In dieser Zeit legt das Weibchen bereits die nächsten Eier in einem neuen Nest, die Jungen werden solange vom Männchen betreut.

Foto: Jo Garbutt (Lizenz: CC BY 2.0)

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1 Kommentar

  1. Angela Kindler 31. Januar 2019 um 19:41 Uhr

    Ein sehr fundierter, interessant zu lesender Artikel. Empfehlenswert.

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