Sommergoldhähnchen – Winziger Nestbauprofi

Sommergoldhähnchen – Winziger Nestbauprofi

Goldig ist beim Sommergoldhähnchen vor allem der kräftige Scheitelstreif. Das winzige Vögelchen brütet in den Baumwipfeln von Nadel- und Mischwäldern und ist gar nicht so leicht zu entdecken.

Aussehen

Neben dem eng verwandten Wintergoldhähnchen ist das Sommergoldhähnchen der einzige Vertreter seiner Gattung in Europa. Die Goldhähnchen werden nur etwa neun Zentimeter lang und vier bis sechs Gramm schwer. Damit sind sie unsere kleinsten heimischen Vögelchen.

Das Sommergoldhähnchen hat eine olivgrüne Ober- und eine hellgraue Unterseite. Auf den Flügeln finden sich zwei weiße Binden. Besonders auffällig ist der Kopf gezeichnet. Der kräftig orange-gelbe Scheitelstreif ist kräftig schwarz eingefasst. Darunter folgt ein deutlicher, weißer Überaugenstreif und schließlich wieder ein schwarzer Streif, der das Auge optisch mit dem Schnabel verbindet. Durch diese Zeichnung wirken Sommergoldhähnchen insgesamt farbenfroher als Wintergoldhähnchen (denen fehlt nämlich der Überaugen- und der Augenstreif).

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet umfasst Südwest- und Mitteleuropa, aber auch die Gebirge im Norden Afrikas sowie in Kleinasien. Sommergoldhähnchen halten sich am liebsten in Nadel- und Mischwäldern sowie Parkanlagen auf – Hauptsache, es gibt genug Baumwipfel, in denen sie nach Nahrung suchen können. Zwar überwintern manche Individuen bei uns (oft in Südwestdeutschland), doch die meisten verbringen die kalte Jahreszeit im Mittelmeergebiet.

Verhalten und Wissenswertes

Sommergoldhähnchen haben eine hohe, meisenartige Stimme. Der Gesang klingt wie ein leicht aufsteigendes „sisisisi“ mit einem kleinen Triller am Ende.

In der Fortpflanzungsphase sucht das Männchen den Neststandort aus und macht sich dann gemeinsam mit dem Weibchen an die Arbeit. Die Nester der Sommergoldhähnchen sind für ihre Stabilität bekannt. Sie haben die Form eines Napfes und werden in großer Höhe zwischen Zweigen aufgehängt. Was sie so robust macht, ist der besondere Baustoff. Neben Flechten, Pflanzenfasern und Moos verarbeiten die Vögel auch viel Spinnstoff, den sie den Eierkokons von Spinnen und den Gespinsten der Raupen entnehmen. So entsteht ein wärmeisolierter Schutzraum für den Nachwuchs, der sogar bei starkem Regen gemütlich und trocken bleibt.

Das Weibchen legt etwa acht bis 10 winzige Eier (ein Ei wird etwa so groß wie ein menschlicher Fingernagel). Dementsprechend klein sind die Küken, die nach 15 Tagen schlüpfen und dann natürlich jede Menge Energie brauchen. Doch kaum eine Beute ist klein genug für ihre Miniaturschnäbel. In den ersten Tagen füttern die Eltern hauptsächlich Kleinstinsekten wie zum Beispiel Springschwänze. Später umfasst der Speiseplan auch Teilchen von Schneckenhäusern, um das Knochenwachstum der Jungen zu fördern. Nach dem Schlüpfen dauert es etwa drei Wochen, bis die Jungen das Nest verlassen.

Foto: Frank Vassen (Lizenz: CC BY 2.0)

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