Zwergsumpfhuhn – unsichtbar und anspruchsvoll

Zwergsumpfhuhn – unsichtbar und anspruchsvoll

Das Zwergsumpfhuhn führt ein überaus heimliches Leben in den sumpfigen Gebieten der Erde. Wer Glück hat, kann nachts die schnarrenden Rufe dieser faszinierenden Art vernehmen.

Aussehen

Wie sein Name schon vermuten lässt, ist da Zwergsumpfhuhn die kleinste Rallenart Europas. Es wird 17 bis 19 Zentimeter lang und maximal 55 Gramm schwer – tatsächlich ein echter Winzling. Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum voneinander. Sie haben einen braunen Rücken mit schwarz-weißer Zeichnung, die Unterseite ist dagegen hell graublau gefärbt. Über die äußeren Flanken zieht sich ein schwarz-weißes Querstreifenmuster bis nach hinten zum Bürzel. Im Gesicht finden sich beide Grundfarben: die Kehle und der Bereich über den Augen sind graublau, der Rest des Kopfes braun. Besonders fallen hier die leuchtend roten Augen auf. Der Schnabel ist eher kurz und kräftig, er ist am Ansatz grünlich und ansonsten grau gefärbt. Achtet auch auf die großen, kräftigen Füße!

Vorkommen

Die Brutgebiete des Zwergsumpfhuhns liegen sowohl in Europa und Asien, als auch in Australien, Neuseeland und in Afrika, dort vor allem südlich des Äquators.

Unser Vogel der Woche ist äußerst anspruchsvoll, was seinen Lebensraum angeht. Für die Brut finden sich die kleinen Vögel vor allem in feuchten, sumpfigen Gebieten ein (daher auch der englische Name „Marsh Crake“). Am besten eignen sich teilweise überflutete Flächen mit dichter, niedrig wachsender Vegetation. Daher kommen vor allem Verlandungswiesen, Seggenwiesen und –moore, sowie überflutete Süßgraswiesen in Frage. Schwankungen des Wasserstandes nehmen die Vögel kaum in Kauf, wenn ihnen die Füße zu nass werden, verschwinden sie in eine andere Region.

Verhalten und Wissenswertes

Das Zwergsumpfhuhn lebt so heimlich, dass es für die Zeit vor der Jahrtausendwende kaum Daten über diese scheue Art gibt. BirdLife International gibt mit 8.000 bis 26.000 Individuen eine sehr vage Schätzung ab und Ornithologen nennen das Zwergsumpfhuhn manchmal auch die „unsichtbare Ralle“. Glücklicherweise sind dennoch einige Fakten über die Lebensweise dieses scheuen Vogels bekannt.

Für die Nahrungssuche bleiben Zwergsumpfhühner immer im Schutz der Vegetation. Sie suchen auf Pflanzen, im Schlamm und auf der seichten Wasseroberfläche nach Essbarem. Meistens stehen Wasserinsekten und deren Larven auf dem Speiseplan, außerdem Würmer, Schnecken, kleine Krebstierchen sowie Motten und Spinnen. Zwergsumpfhühner wurden auch schon beim Verspeisen von kleinen Fischen und Fröschen beobachtet.

Wenn die Brutzeit anbricht, markieren Männchen und Weibchen mit unterschiedlichen Rufen ihr Revier, allerdings nur in der Nacht. So hört man im Mai und Juni das schnurrende „rrr…rrr…rrr…“ der Männchen und die ebenso atonalen „schrrr“-Rufe der Weibchen. Hat sich ein Paar gefunden, stellen sie das Rufen ein und konzentrieren sich auf den Nestbau. Dabei entsteht eine locker zusammengefügte Mulde, immer in der Nähe des Wassers. Für noch mehr Schutz ziehen die Altvögel allerlei Halme und Stängel über das Nest und bauen so eine Art Dach. Das Weibchen legt vier bis sieben Eier, die von beiden Eltern bebrütet werden. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, sorgen sie schon bald selbstständig für sich. Allerdings können sie erst nach 35 bis 45 Tagen fliegen.

Foto: Peter Jacobs (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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