Die Rosenheimer Stammbeckenmoore – Bayerisches „Vierkehlchenland“

Die Rosenheimer Stammbeckenmoore – Bayerisches „Vierkehlchenland“

Die Rosenheimer Stammbeckenmoore in Bayern haben nicht nur eine spannende Entstehungsgeschichte, sondern bieten auch zahlreichen Vogelarten einen ganz besonderen Lebensraum.

Geschichte des „Vierkehlchenlandes“

Was lange währt, wird endlich gut. Dieses Sprichwort könnte man auch gut auf die Rosenheimer Stammbeckenmoore anwenden, denn vor etwa 20.000 Jahren lagen sie noch unter einem mächtigen Gletscher verborgen. Nach der Eiszeit entstand durch all das Schmelzwasser ein riesiger See, auf dessen Grund sich Tonpartikel ansammelten. Sie verhinderten, dass das Wasser vollständig im Boden versickerte. So entwickelte sich zunächst eine Sumpflandschaft und schließlich der gewaltige Hochmoorkomplex (Hochmoor heißt auf altbayerisch „Filz“). Im 19. Jahrhundert begannen Menschen, das Moor zu entwässern und Torf abzubauen, welcher zunächst als Brennstoff für Eisenbahnen, Brauereien und Salinen diente. Später wurde er außerdem ein Bestandteil von Blumenerde. Dies ist übrigens nicht sehr ökologisch und ihr solltet immer auf torffreie Erde zurückgreifen, um den Lebensraum Moor zu schützen!

2004 endete der Torfabbau und Naturschützer fingen an, das Moor wieder zu renaturieren. Heute bietet es Vögeln und vielen anderen Tieren eine große Auswahl an Lebensräumen. Der beste Beweis dafür: Schwarz-, Braun-, Blau- und Rotkehlchen kommen allesamt in dem Gebiet vor und brachten ihm den Namen „Vierkehlchenland“ ein.

Lebensräume und Vogelarten

Außer den vier Kehlchen bieten die Rosenheimer Stammbeckenmoore noch viele weitere Vogelarten. Da die Gewässer im Gebiet wieder zugenommen haben, konnten sich Zwergtaucher, Krickenten, Wasserrallen, Bekassinen und andere als Brutvögel ansiedeln. Brandgänse, Löffelenten und einige Fischadler nutzen die Gewässer als Rastplatz. Die nur schwach bewachsenen Uferbereiche ziehen Flussregenpfeifer, Schwarzhalstaucher, Mittelmeer- und Lachmöwen an.

Zur Zugzeit gibt es natürlich noch viel mehr Gäste, die sich für eine Verschnaufpause niederlassen. Zu ihnen gehören Grünschenkel, Kampfläufer, Bergpieper sowie Bruch- und Waldwasserläufer. Im Sommerhalbjahr könnt ihr mit etwas Glück auch Schwarzstörche entdecken, die in den Feuchtflächen nach Nahrung suchen. Die verbuschten Bereiche beherbergen Baumpieper und Baumfalken, während in den Wäldern Waldschnepfen sowie Grau- und Kleinspechte leben.

Wege durch die Rosenheimer Stammbeckenmoore

Ihr könnt das Hochmoor auf verschiedenen Wegen entdecken. Vom Parkplatz bei Nicklheim aus gelangt ihr zunächst in den Moorrandwald und von dort an den Anfang des Schwarzkehlchenpfades. Dieser führt euch schon nach wenigen Metern zu einem Beobachtungspunkt, der einen Blick über die renaturierten Hochmoorbereiche erlaubt. Nach weiteren 400 Metern erreicht ihr die Moorstation Nicklheim, die auch einen Beobachtungsturm zu bieten hat.

In den Sterntaler Filzen, die ihr am besten über Derndorf erreicht, öffnet sich außerdem ein Netz von verschiedenen Bohlenwegen. Dort bekommt ihr einen spannenden Eindruck davon, wie die gesamten Rosenheimer Stammbeckenmoore ursprünglich aussahen.

 

Foto: Rufus46 (Lizenz: CC BY-SA 3.0), from Wikimedia Commons

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