Wanderfalken in der Stadt

Alexandra Huth 19. Dezember 2019 Keine Kommentare zu Wanderfalken in der Stadt
Wanderfalken in der Stadt

Das Hochhaus ist sein Revier. Die wachen Augen streifen über den Stadthimmel. Da, eine Bewegung! Ist es eine Taube? Ein Star? Das Wanderfalkenmännchen erhebt sich in die Luft und geht in den Sturzflug, den anderen Vogel fest im Blick, während tief unter ihm der Feierabendverkehr vorwärts rollt.

Szenen wie diese gibt es immer häufiger in europäischen Städten und Industriegebieten. Wanderfalken (übrigens die schnellsten Tiere der Welt) erobern seit den 1980er Jahren erfolgreich den urbanen Raum. Aber wie kam es zu dieser Entwicklung?

Vom Felsen auf’s Hochhaus

Wanderfalken hatten es im vergangenen Jahrhundert schwer in Mitteleuropa. Durch den Einsatz von Pestiziden in der Land- und Forstwirtschaft starben so viele, dass die Art 1970 nur noch in Baden-Württemberg und Bayern existierte. In den anderen deutschen Bundesländern war sie bereits ausgestorben. Zum Glück wurden einige Pestizide verboten und der Naturschutz konnte mit verschiedensten Maßnahmen die Rückkehr des Wanderfalken gewährleisten.

Zu diesem Zeitpunkt veränderten sich mehrere Dinge gleichzeitig. Wanderfalken brüten ursprünglich auf Felsen und in Steinbrüchen, manche auch in Kiefernwäldern. Diese Lebensräume wurden aber immer mehr vom Uhu eingenommen, der ein Fressfeind des Wanderfalken ist.

Die Greifvögel brauchten also neue Reviere und kamen in die Städte, wo der Mensch begonnen hatte, ihnen perfekte Königreiche zu bauen: Hochhäuser, Kraftwerke, Kühltürme, Autobahnbrücken, Funktürme. Sie haben dieselben Vorzüge wie Felsen. Aus der großen Höhe lassen sich Beutetiere und Feinde gut erspähen – und sie bietet Aufwind zum Fliegen. In Kästen, Nistkörben und alten Nestern anderer Vögel fanden die Falken Brutmöglichkeiten; sie selbst können nämlich keine Nester bauen.

Wanderfalken in der Stadt – Was fressen sie?

Wanderfalken jagen fast ausschließlich Vögel, manchmal auch Fledermäuse. Ihre Beute schlagen sie in der Luft, meist nach einem spektakulären Sturzflug. Dabei erreichen sie Geschwindigkeiten bis zu 320 Kilometern pro Stunde! Ein großer Vorteil in der Stadt ist die künstliche Beleuchtung. Sie erlaubt den Falken, auch nachts zu jagen. Davon sind im Frühling und Herbst auch Zugvögel betroffen, die meist im Schutz der Dunkelheit reisen.

Am Berliner Alexanderplatz oder Kölner Dom, wo das Licht besonders hell ist, erbeuten die Falken dann die verschiedensten Arten. Ein Wanderfalkenpaar in Köln schlug vor allem Tauben, Stare und Mauersegler, aber auch Lachmöwen, Waldschnepfen, Flussuferläufer, verschiedene Spechte, Wachteln und Eisvögel.

Wahrscheinlich werden sich in Zukunft immer mehr Wanderfalken in der Stadt ansiedeln. Sie finden dort günstige Bedingungen vor und müssen seltener mit Feinden wie Mardern oder dem Uhu zurechtkommen.

 

Foto: cuatrok77 (CC BY-SA 2.0)

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