Wie hoch fliegen Zugvögel?

Alexandra Huth 30. September 2020 Keine Kommentare zu Wie hoch fliegen Zugvögel?
Wie hoch fliegen Zugvögel?

Der Vogelzug ist ein bekanntes Phänomen – aber wie hoch fliegen Zugvögel eigentlich? Wir haben uns genügsame Tiefflieger und kräftige Extremsportler näher angeschaut.

Jedes Jahr im Herbst kann man am Randecker Maar an der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) eine Gruppe Menschen beobachten, die sich mit Tischen und Stühlen mitten auf der Wiese platzieren und – warten. Dabei schauen sie mit großer Geduld in nördlicher Richtung in den Himmel. Dann, plötzlich, fliegt vielleicht ein Schwarzstorch über ihre Köpfe hinweg, ein Rotmilan, kleine Schwärme aus Meisen und Finken. Ab und zu saust ein Starentrupp nur knapp über den Boden. Die Zuschauer versuchen, alle Beobachtungen schriftlich festzuhalten, denn sie sind hier, um den herbstlichen Vogelzug zu dokumentieren. Das Randecker Maar ist der perfekte Ort dafür. Als ehemaliger Vulkanschlot bildet es eine Art Trichter, in dem die Vögel besonders sanft auf die Hochfläche der Alb aufsteigen können. Teilweise fliegen sie direkt auf Augenhöhe an und können so besonders gut bestimmt werden.

Wie hoch fliegen Zugvögel in Deutschland?

Allerdings fliegen Vögel längst nicht überall so tief über den Boden wie am Randecker Maar. Die meisten Nachtzieher, die in Deutschland Flachland und Mittelgebirge überqueren, fliegen bis circa 600 Meter hoch. Die höchsten Flieger, die dann nur noch per Radar ermittelt werden können, sind bei 3.000 bis 4.000 Metern unterwegs. Am Tag steigen die höchsten Flieger auf knapp 2.000 Meter. Doch kleinere Vögel sind schon bei einer Flughöhe von wenigen hundert Metern mit dem bloßen Auge kaum noch zu erkennen. Typische Zugvögel wie Kraniche oder die verschiedenen Gänsearten machen sich durch ihre Formation und die typischen Rufe bemerkbar. Bei Singvögeln ist schon mehr Aufmerksamkeit und ein geschultes Ohr notwendig.

Beeindruckende Extremfälle

Aber wie hoch fliegen Zugvögel über extremeren Landschaften wie Ozeanen und Wüsten? Dort erreichen sie ganz andere Höhen. Ein Wunder des Höhenflugs ist zum Beispiel die Streifengans. Sie muss zweimal im Jahr das Himalaya-Gebirge überwinden. Das tut sie meist auf einer Höhe von 4.000 bis 6.000 Metern, manche Zugtrupps wurden aber auch schon auf 9.000 Metern gesichtet! Dabei halten sie die stark verdünnte Luft und eisige Außentemperaturen aus.

Auf dem Weg von Island nach Irland wurde ein Trupp Singschwäne über dem Meer auf einer Höhe von 8.200 Metern gesichtet. Dank Rückenwind erreichten die Vögel eine spektakuläre Geschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde – und das bei einer Temperatur von minus 40 Grad Celsius!

Foto: Imran Shah (CC BY-SA 2.0)

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