Zugvögel kennen keine Grenzen – Yossi Leshem in Aktion

Zugvögel kennen keine Grenzen – Yossi Leshem in Aktion

Über Dr. Yossi Leshem, den israelischen Vogelforscher im Feldzug für Naturschutz und Frieden in Nahost, haben wir bereits berichtet. Jetzt stellen wir euch eines der Projekte des umtriebigen Ornithologen vor: „Zugvögel kennen keine Grenzen“. 

Idee

Zweimal im Jahr überqueren Israel eine halbe Milliarde Vögel aus 280 Spezies auf ihrem Weg nach Afrika, Asien und Europa. Unwissentlich passieren sie dabei einige der umstrittensten Grenzen der Welt, doch das hält sie nicht auf. Weil sie keine Grenzen kennen, sind Zugvögel „unsere besten Diplomaten“, erklärt Dr. Yossi Leshem, der vielleicht bedeutendste Ornithologe Israels. Mit diesem Gedanken begann sein Projekt „Zugvögel kennen keine Grenzen“ (Migrating Birds Know No Boundaries), welches Schulkinder aus Nahost und der Welt zusammenbringt, um Zugvögel zu erforschen und zu schützen. Indem sie Zugvögeln Schutz gewähren, setzen sie ein Zeichen für Frieden und Naturschutz auf der ganzen Welt. Vogelbeobachter und Ornithologen im gesamten Nahost-Gebiet, ja sogar aus der ganzen Welt, müssen zusammenarbeiten, um die Zugvögel dieser Welt zu schützen. Gerade jetzt, während des immer wieder aufflammenden Nahostkonflikts, ist das besonders wichtig, aber auch besonders schwierig.

Umsetzung des Projekts

Ziel Yossi Leshems war es hier wie bei anderen seiner Projekte, sowohl Vögeln als auch Menschen zu nutzen. Mit dem gemeinsamen Ziel Vogelschutz sollten menschliche Bindungen entstehen, welche die gespaltene Region näher zusammen bringen. Initiiert von Yossi Leshem und seinem palästinensischen Kollegen und Freund Imad Atrash, wurde das Projekt 1996 als Kooperation zwischen israelischen und palästinensischen Schulen gestartet. Bei gemeinsamen Vogelschutz-Exkursionen wurden die Schulkinder zum Thema Zugvögel unterrichtet und in die Feldforschung eingespannt. Die Vögel waren mit Satelliten ausgestattet, sodass die Schulkinder ihre Flugrouten in Echtzeit am Computer verfolgen konnten. Dank der Zusammenarbeit mit dem israelischen Bildungsministerium, der Gesellschaft für Naturschutz in Israel (SPNI), der Universität Tel Aviv, der palästinensischen Naturschutzorganisation Palestine Wildlife Society und der jordanischen Royal Society for the Conservation of Nature konnte das Projekt in über 300 Schulen stattfinden. Jordanien war ab 2001 an „Zugvögel kennen keine Grenzen“ beteiligt, später kamen noch Schulen in Russland, Europa und den USA hinzu.

Gewaltige Probleme brachten das Projekt mehrfach beinahe zum Einsturz. Neben gegenseitigen Misstrauens und fehlenden Einreisegenehmigungen war vor allem der erneute gewaltsame Ausbruch des Nahostkonflikts zu überstehen. Da Reisen ins jeweilige Feindgebiet in dieser Phase sowohl gefährlich als auch bürokratisch so gut wie unmöglich waren, musste der Kontakt vorrübergehend hauptsächlich auf Telefon und E-Mail verlegt werden.

Erfolg

Yossi Leshems Projekt „Zugvögel kennen keine Grenzen“ kann auf drei Ebenen beträchtliche Erfolge verzeichnen. Auf der politischen Ebene ist allein der Fakt beachtlich, dass das Projekt trotz der teils brodelnden Konflikte der Region durchgeführt werden konnte. „Zugvögel kennen keine Grenzen“ trotzte mutig dem Nahostkonflikt, um seine Ziele zu erreichen. Auf menschlicher Ebene war das Projekt ein voller Erfolg: Mit dem Naturschutz als gemeinsames Ziel entstanden bleibende Freundschaften zwischen Menschen verfeindeter Nationen. Auf ornithologischer Ebene konnten erstmals umfassende Daten über das Zugvögel-Verhalten in Nahost gesammelt werden. Für das Projekt wurden Weißstörche, Gänsegeier, Kraniche und Rosapelikane per Satellit verfolgt. Ihre Position wurde alle 90 Minuten aktualisiert. So konnten die kompletten Flugrouten und die Rastplätze dieser Arten aufgezeichnet werden. Auch der Einfluss der Witterung auf Zugvögel wurde analysiert. Einzelne Vögel wurden mit christlichen, jüdischen und muslimischen Namen belegt und über Jahre bei ihren Wanderungen verfolgt. Die Erkenntnisse über die Vogelwanderungen im Nahen Osten (und weltweit) sind unbezahlbar. Die Ergebnisse sind auch in die Website https://www.birds.org.il/en/ eingeflossen.

Und Yossi Leshem? Zurecht fühlt sich der fast 70-Jährige von seinem Erfolg bestätigt. Unermüdlich ist er auf der Suche nach neuen Projekten. Zum Wohle der Vögel und der Menschen.

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