Rohrdommel – brüllende Pantomime

Rohrdommel – brüllende Pantomime

Die seltene Rohrdommel lebt im dichten Schilf einsamer Gewässer und beherrscht so einige Tricks, um unerkannt zu bleiben. Allerdings kommt ihr einzigartiger Ruf ihr dabei in die Quere.

Aussehen

Die Rohrdommel gehört zur Familie der Reiher. Sie wird etwa 80 Zentimeter groß, wobei die Männchen ein beachtliches Stück größer werden als die Weibchen.

Rohrdommeln sind gedrungene, kräftige Vögel, etwas größer als normale Haushühner. Sie haben einen dicken Hals, der den Kopf fließend in den Körper übergehen lässt. Der Schnabel und die Beine sind gelblich und ebenfalls kräftig.

Am Gefieder der Rohrdommel könnt ihr schnell erkennen, dass sie nicht auf Extravaganz bedacht ist, sondern auf eine perfekte Tarnung in Schilf und Röhricht. Es ist von einer feinen Maserung in schwarz, weiß, gelb und braun durchzogen, nur das Kinn und der Brustbereich sind in einem helleren Weiß gefärbt und von einem rötlichen Längsstrich durchzogen. Auf ihrem flachen Kopf befindet sich eine schwarze „Kappe“.

Vorkommen der Rohrdommel

Es gibt verschiedene Unterarten der Rohrdommel, die auch jeweils im Gefieder leichte Unterschiede aufweisen. Die eurasische Rohrdommel kommt unter anderem in Skandinavien, Deutschland, Italien, Marokko und Algerien vor. Nicht alle Rohrdommeln ziehen in den Wintermonaten in wärmere Länder, es hängt davon ab, ob die Gewässer in ihren Brutgebieten zufrieren. Ist das der Fall, machen sich die Vögel auf den Weg in den Mittelmeerraum.

In Deutschland ist die Rohrdommel unter anderem noch in Mecklenburg-Vorpommern (Neustrelitzer Kleinseenland) und in Bayern vertreten, allerdings gehen die Bestände schon seit einigen Jahren stark zurück. Ihre geschützten Gewässer fallen unaufhaltsam den Ansprüchen von Tourismus und Urlaubsbetrieb zum Opfer, Abwässer und Chemikalien besorgen das Übrige. Auch Entwässerungen zerstörte Schilfbestände sind fatal für die Rohrdommel, denn sie braucht Wasser und dichtes Schilf, um nach Nahrung zu suchen und sich zuverlässig zu tarnen.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Bei allem was schon über die scheue Natur und die Tarnungskünste der Rohrdommel gesagt wurde, dürfte es euch nicht verwundern, dass es äußerst schwierig ist, eine Rohrdommel tatsächlich zu Gesicht zu bekommen. Aber zwischen Februar und Juni, in der Balzzeit, gibt der sensible Vogel einen untrüglichen Beweis seiner Anwesenheit ab, der im Umkreis von einigen Kilometern niemandem entgeht: er brüllt.

Besser gesagt, der Dommelmann begibt sich auf einen erhöhten Platz im Brutgebiet und gibt einen tiefen, kräftigen Ton von sich, der an ein Nebelhorn oder das Brüllen eines Stieres erinnert. So erhielt die Rohrdommel auch verschiedene Spitznamen, angefangen bei „Wasserochse“.

Folgt ihr diesem eindrucksvollen Ruf in den Lebensraum der Rohrdommel, dürftet ihr euch in einem ausgedehnten Gewässergebiet befinden, das reichlich Schilfwuchs aufweist. Und selbst wenn ihr ihrem Versteck zu nahe kommen solltet, hat sie einen weiteren Trick auf Lager, denn sie betreibt einfach Pantomime und wird selbst zum Schilf. In der „Pfahlstellung“ reckt der Vogel Körper, Hals und Kopf senkrecht in die Höhe. Sein unauffälliges, geschecktes Gefieder lässt ihn dabei im Schilf verschwinden. Und es kommt noch besser: Schon junge Rohrdommeln lernen, sich in der Pfahlstellung leicht hin und her zu wiegen, so dass sie aussehen wie ein Schilfhalm im Wind.

Der Nestbau erfolgt ebenso vorsichtig und zurückgezogen wie alles andere. Ein Horst aus Schilf und Gras wird vom Weibchen am Boden des Dickichts errichtet.

Zur Nahrung der Rohrdommel zählen kleine Fische, Frösche, Wasserinsekten, kleine Vögel und Säuger.

Foto: Peter Wilton (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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