Vogelbeobachtung in Schottland: Bass Rock und Isle of May

Vogelbeobachtung in Schottland: Bass Rock und Isle of May

Bass Rock und Isle of May: zwei schottische Felseninseln, die es vor allem ornithologisch betrachtet in sich haben. Zahlreiche Seevögel finden hier einen Brut- oder Rastplatz.

Wer eine Landkarte von Schottland betrachtet, dem wird auffallen, dass die Westküste um einiges zerfurchter ist als die Ostseite, auch gibt es dort auf den ersten Blick wesentlich mehr Inselchen. An der Ostküste hingegen, wo Schottland noch von der Nordsee begrenzt wird, fällt vor allem ein tiefer Einschnitt auf, direkt über der Hauptstadt Edinburgh. Dabei handelt es sich um den gigantischen Mündungstrichter des Flusses Forth, welcher dort in die Nordsee fließt. Und mitten in diesem Niemandsland aus Wasser liegen die Felseninseln Bass Rock und Isle of May. Sie sind beide vulkanischen Ursprungs und gehören gemeinsam mit einigen weiteren Inseln zum Europäischen Vogelschutzgebiet „Forth Island“. Abgesehen von dieser wichtigen Gemeinsamkeit könnten sie allerdings nicht unterschiedlicher sein.

Bass Rock – Der Felsen der Tölpel

Bass Rock ist ebenso simpel wie beeindruckend: ein drei Hektar großer Felsbrocken aus grünlich-grauem Vulkangestein. Er liegt zwei Kilometer vor der Küste von East Lothian und ragt bis zu 107 Meter hoch aus dem Wasser. Eine richtige Vegetation sucht man hier größtenteils vergeblich, doch das macht den Felsen nur umso attraktiver für seine zahlreichsten Bewohner: die Basstölpel. Die eleganten weißen Flieger mit den braunen Flügelspitzen besetzen hier mehr als 74.000 Nistplätze und machen Bass Rock damit zur größten Basstölpelkolonie weltweit. Das ist möglich, weil der Felsen eine recht ebene Oberfläche hat, die zur Brutzeit aufgrund der vielen Vögel und ihrer Ausscheidungen weiß in der Sonne leuchtet! Kein Wunder also, dass auch sein Name an die Vögel angelehnt ist.

In der Luft sind Basstölpel äußerst geschickt und schießen pfeilschnell ins Meerwasser, um Makrelen, Heringe und Sandaale zu erbeuten. An Land hingegen werden die Seevögel zu Tollpatschen. Das beengte Zusammenleben in der Brutkolonie wird deshalb immer wieder zur Herausforderung. Die Nistplätze in der Mitte der Kolonie sind am begehrtesten und werden wild umkämpft; lautes Geschrei und Schnabelhacken sind dabei an der Tagesordnung. Mit diesen und anderen Herausforderungen scheinen die Basstölpel aber gut zurechtzukommen: Sie gehören zu den wenigen Seevogelarten mit positiver Bestandsentwicklung.

Basstölpel sind eindeutig die Hauptmieter auf Bass Rock, aber ein paar andere Bewohner gibt es trotzdem. So brüten in den steilen Klippen des Felsens größere Gruppen von Dreizehenmöwen und Trottellummen. In etwas geringerer Zahl runden Eissturmvögel, Tordalken und Krähenscharben das Bild ab. Besucher können den Felsen bei einer Beobachtungstour mit Start in North Berwick erkunden.

Isle of May – Vielseitige Vogelinsel

Anders als der Bass Rock weist Isle of May eine abwechslungsreiche Struktur und Vegetation auf. Nach einer Einführung in die Besonderheiten der Insel im Besucherzentrum kann sie auf verschiedenen Wanderwegen erkundet werden. Wer sich nach Norden wendet, erreicht die Brutgebiete der Papageitaucher, die meist ein sehr geduldiges Fotomotiv abgeben. Die drolligen Vögel legen hier entweder eigene Bruthöhlen an oder nutzen die verlassenen Baue von Kaninchen, welche es durch Zutun des Menschen reichlich auf der Insel gibt.

Im Westen erreicht der Wanderer die steilen, bis zu 45 Meter hohen Klippen. Dort hat die Brandung zahlreiche Türme, Vorsprünge und Plateaus in den Felsen gearbeitet, so dass eine Menge Brutplätze entstanden sind. Das kommt natürlich zahlreichen Brutvogelarten zugute, darunter Trottellummen, Dreizehenmöwen, Tordalke und Eissturmvögel. An den Klippen herrscht in der Brutzeit ein Lärm, der sogar das Rauschen der Brandung übertönt!

Im Mai brüten unterhalb des 1816 gebauten Leuchtturms etwa 900 Paare Eiderenten, die sich direkt vom Weg aus beobachten lassen. Die niedrigen Felsbereiche im Süden der Insel ziehen nistende Krähenscharben an. Verschiedene Seeschwalben und Möwen gehören ebenfalls zu den Brutvögeln.

Zur Brut kommen zwar weniger als 20 Vogelarten auf die Isle of May, sie ist aber auch ein wichtiger Zwischenstopp für Zugvögel. So wurden im Winter und zur Zugzeit schon insgesamt mehr als 285 Arten nachgewiesen. Ihr erreicht die Insel von April bis Oktober per Boot, Touren starten in North Berwick sowie Anstruther.

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