Leben aus der Sandgrube – Die Garstadter Seen

Leben aus der Sandgrube – Die Garstadter Seen

Wo früher Sand und Kies abgebaut und sogar ein Kernkraftwerk betrieben wurde, leben heute über 270 Vogelarten: die Garstadter Seen in Bayern.

Der Mensch hat die Natur nachhaltig verändert und wird es auch weiterhin tun, aber es bleibt zu hoffen, dass solche Veränderungen öfter Naturparadiese wie die Garstadter Seen zwischen Würzburg und Schweinfurt hervorbringen.

Auf dem 250 Hektar großen Gebiet wurden schon im 19. Jahrhundert Änderungen am Verlauf des Main vorgenommen, der Grundwasserspiegel sank immer mehr ab und nach und nach trockneten auch die umliegenden Auwälder und Feuchtwiesen aus. Bei in den 1960er Jahren einsetzendem Abbau von Sand und Kies entstanden die sechs Baggerseen, die heute das Herzstück des Vogelgebietes sind. Als auch noch der Bau eines Kernkraftwerkes beschlossen wurde, schalteten sich Naturschützer ein und bestanden auf einem (wenn auch recht kleinen) Ersatzbiotop. Heute ist das Gebiet der Garstadter Seen hundertmal größer und es wurden dort bereits 278 Vogelarten nachgewiesen! (Das Kernkraftwerk wurde übrigens im Sommer 2015 eingestellt.)

Lebensraum für Purpurreiher und Co.

Das einzigartige, bunte Bild aus verschiedenen Lebensräumen wird noch immer erweitert und durch ein Befahrungs- und Jagdverbot geschützt. Abgesehen von den Seen mit Flach- und Tiefwasser gibt es Inseln mit Kiesflächen, Steilwände, Röhrichte, Tümpel und Feuchtwiesen. Ganz in der Nähe schließt sich der Auwald „Garstadter Holz“ an. Die Seenlandschaft erfüllt also die Bedürfnisse vieler Vögel und hat landesweit an Bedeutung gewonnen, auch, weil viele Zugvögel alljährlich hier rasten.

Im Frühling tummeln sich an den Garstadter Seen allerlei Entenarten, dazu Graureiher, Kormorane und Mittelmeermöwen. Rohrschwirle, Blaukehlchen, Zwerdommeln und Drosselrohrsänger singen im Schilf. Auch Wendehälse und Neuntöter können immer wieder beobachtet werden, dazu Schwarzmilane. Die schönen Purpurreiher sind seit einigen Jahren treue Brüter, ebenso wie die Rohrweihen. Ein Besuch im Auwald lohnt sich ebenfalls, denn dort sind unter anderem verschiedene Spechtarten und Halsbandschnäpper anzutreffen.

Zu den rastenden Zugvögeln gehören Bruchwasserläufer, Kiebitze, Bekassinen und sogar Raubseeschwalben und Rothalstaucher. Der extrem seltene Isabellwürger wurde hier 2010 gesichtet.

Tipps zur Beobachtung

Bei Heidenfeld gibt es einen Parkplatz, der ein guter Ausgangspunkt ist, um das Gebiet zu erkunden. Zur Vogelbeobachtung selbst solltet ihr auf jeden Fall das Fernglas dabei haben. Von einem Aussichtsturm, der mitten im Seengebiet steht, habt ihr den besten Ausblick auf Wasserflächen, Ufer und Schilf.

Wer viel Zeit hat, kann sich auf den etwa 4 Kilometer langen Rundweg begeben und das Gebiet von allen Seiten kennen lernen. Dabei kommt ihr auch durch das Garstadter Holz, wo ebenfalls interessante Beobachtungen warten.

 

Foto: Finiky (Lizenz: CC BY 2.0)

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