Im Goldenen Käfig – Der Vogel als Haustier

Im Goldenen Käfig – Der Vogel als Haustier

Über drei Millionen Vögel leben in Deutschland als Haustiere. Welche Arten dürfen so gehalten werden? Und was sagt der Tierschutz dazu? Eine Übersicht über Vögel als Haustiere.

Geschichte der Ziervögel

Haustiere scheinen universal zu sein: Es gab sie quasi schon immer, in allen Zeitaltern und in den meisten Kulturen. Der ägyptische Kult um Katzen ist bekannt, oft waren es aber auch Vögel, die zu Hause gehalten wurden. Der Halsbandsittich zum Beispiel wurde schon vor über 2300 Jahren von Alexander dem Großen nach Europa eingeschleust. Heute lebt er in Deutschland wildlebend. Die bunten Kanarienvögel gibt es in Europa schätzungsweise seit Ende des 15. Jahrhunderts, viele andere Ziervögel wurden im 18. Jahrhundert als Dekoration für die Gärten des Barock eingeführt. Heute leben in Deutschland circa 3,4 Millionen Vögel als Haustiere bei Privatleuten.

Zugelassene Ziervogel-Arten

Wellensittiche und Kanarienvögel kennen wir alle, sicher auch Zebrafinken und Beos. Doch immer mehr Heimtierhalter begnügen sich nicht mit diesen etablierten Arten, sondern suchen gezielt nach Exoten wie großen Papageien. Aber ist das überhaupt legal? Für die Heimtierhaltung gibt es in Deutschland zwei Grundsätze. Der erste bezieht sich auf den Menschen: Als Haustier darf normalerweise nur gehalten werden, was für andere keine Gefahr darstellt. Aggressive oder giftige Tiere sind daher nicht als Haustiere gestattet. Das zweite Prinzip richtet sich nach den Tieren: Es darf nur als Haustier gehalten werden, was laut Artenschutzverordnung und Naturschutzgesetz für die Heimtierhaltung geeignet ist. In Deutschland ist diese Regelung Ländersache. Wenn man also einen artengeschützten Vogel zu Hause halten will, muss man sich beim zuständigen Ordnungsamt dafür eine Genehmigung einholen. Für Wildtiere und Exoten wird diese Genehmigung normalerweise nicht ausgestellt. Eine Auflistung der betroffenen Tiere findet ihr hier. Streng verboten ist es, ein Tier einfach aus der freien Wildbahn zu entführen. Jedes Haustier muss käuflich erworben und behördlich genehmigt sein. Wenn ihr also zum Beispiel einen verletzten Vogel findet, dürft ihr ihn nicht zu eurem Haustier machen.

Ziervögel und Tierschutz

Vogelhaltung hat nur Vorteile: Ein Ziervogel macht keine Arbeit, braucht kaum Platz und lernt in kürzester Zeit sprechen, Saltos und rückwärts gehen – so das (überspitzte) Klischee. Die Realität sieht anders aus: Ziervögel sind anspruchsvolle Heimtiere, machen Dreck, Lärm und sind nicht einmal anschmiegsam. Wichtig ist in erster Linie, Vögel artgerecht zu halten. Was artgerecht ist und was nicht, hängt auch davon ab, wie sehr domestiziert der Vogel ist. Wellensittiche zum Beispiel leben in freier Wildbahn in Schwärmen, die als Haustier verkäuflichen Exemplare sind aber durch Züchtung von diesem Verhalten abgekommen. Alleine halten sollte man sie trotzdem auf keinen Fall – wie die meisten anderen Vögel auch. Zur artgerechten Haltung zählt neben regelmäßiger Käfigreinigung und ärztlicher Versorgung auch viel Platz in der Voliere und mehrere Stunden Freiflug pro Tag. Man muss aber damit rechnen, dass der Ziervogel außerhalb des Käfigs Dreck macht und auch mal Möbelstücke anknabbert. Die Anschaffung eines Ziervogels sollte man sich also gründlich überlegen.

Obwohl Massentierhaltung und Zoos eher im Mittelpunkt der Kritik von Tierschützern stehen, wird auch Heimtierhandlung mitunter kritisiert. Ob die Haltung von normalerweise freifliegenden Vögeln überhaupt artgerecht sein kann, ist fraglich. Doch auch wenn ihr es auch mit eurem Haustier anders überlegt: Den Vogel freizulassen ist keine Option. Heimtiere mit verkümmerten Instinkten überleben in der freien Wildbahn nicht.

Foto: © Nicki Mannix / flickr.com (CC Lizenz)

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2 Kommentare

  1. Maik 13. August 2014 um 21:49 Uhr

    Besonders der letzte Absatz ist genau nach meinen Geschmack. Alle schauen nur auf die bösen Zoos doch wie die Vögel, wie Wellensittiche, gehalten werden interessiert kaum. Auch ich habe schon Sittiche aus schlechter und unsachgemäße Haltung übernommen und den Vögeln einen anständigen Lebensabend geschenkt.

    Was viele beim Kauf vergessenen ist, dass jedes Lebewesen eventuell einen Arzt benötigt.

  2. Josie 18. April 2016 um 22:56 Uhr

    wirklich ganz toller beitrag!

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