Halsbandsittich – Papagei auf Reisen

Halsbandsittich – Papagei auf Reisen

Papageien in Deutschland? Das ist keine Utopie des Klimawandels, sondern die Realität. Der Halsbandsittich ist heute in der Rheinebene und in vielen deutschen Städten weit verbreitet. Wie bei anderen Gefangenschaftsflüchtlingen auch stellt sich die Frage, ob der exotische Halsbandsittich einheimische Arten gefährdet.

Aussehen

Der Halsbandsittich (auch: Kleiner Alexandersittich) gehört zu den farbenfrohsten Arten in Deutschland. Die Papageienart ist fast am ganzen Körper leuchtend grün, mit gelblichen Flecken an Bauch, Nacken und Rücken. Charakteristisch und namensgebend ist das schwarze „Halsband“, welches den Kopf umrandet. Der Schnabel ist dunkelrot bis korallenrot, die Farbe spiegelt sich im roten Lidring des Sittichs wieder. Auffällig sind auch die langen, dunkelgrünen Schwanzfedern des Halsbandsittichs, die wesentlich zur Gesamtlänge von circa 40 Zentimetern beitragen.

Vorkommen

Als am weitesten verbreitetste Papageienart lebt der Halsbandsittich in Afrika und Asien. Vom Menschen wurde der Sittich später auch in Europa und Nordamerika eingeführt, wo er mittlerweile auch wild lebt. Tiere mit einer solchen Geschichte bezeichnet man als Neozoen. Das heutige europäische Vorkommen stammt hundertprozentig von Vögeln ab, die aus der Gefangenschaft geflohen sind. Daher findet man sie zumeist in der Nähe von Siedlungsgebieten. Anders als Wellensittiche überleben Halsbandsittiche weitgehend problemlos in freier Wildbahn. In Deutschland wurden die ersten wild lebenden Halsbandsittiche 1967 in Köln gesichtet, heute leben dort bereits an die 2000 Exemplare. Überall entlang des Rheins, in Wiesbaden, Düsseldorf, Worms, Ludwigshafen und Heidelberg leben größere Populationen. Auch in Frankfurt am Main wurde der Halsbandsittich schon gesichtet.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Da der Halsbandsittich ein Höhlenbrüter ist, lebt er auch hierzulande in Baumhöhlen, vor allem in Parks, Friedhöfen oder Gärten. Bevorzugt brütet er in Plantanen: Genau wie in seiner Heimat wählt er Bäume mit glatter Rinde, an denen Schlangen nicht hochkriechen könnten. So brütet und schläft er etwa in den Platanen in der Nähe des Heidelberger Hauptbahnhofs. In den letzten Jahren wurde spekuliert, ob der Halsbandsittich eine Bedrohung für die heimischen Arten darstellt. Umweltschützer forderten, den Halsbandsittich auf die Schwarze Liste der invasiven Arten zu setzen, da er zur Gefahr für Kleiber, Spechte und Fledermäuse werden könnte. Das Bundesamt für Naturschutz hat aber derzeit noch keine Maßnahmen ergriffen, will die Situation jedoch noch weiter beobachten.

Im Moment kann man sich also noch weitgehend bedenkenlos an den bunten Vögeln freuen, etwa an ihrem regen Sozialverhalten. Wenn die Vögel in Schwärmen von zehn bis dreißig Exemplaren durch die Städte fliegen, kann man sie oft dabei beobachten, wie sie sich gegenseitig kraulen oder füttern. Ein farbenfroher Augenschmaus für Vogelbeobachter.

Foto: © Kurt F. Domnik / pixelio.de

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