Regenbrachvogel – Seltener Gast des Nordens

Regenbrachvogel – Seltener Gast des Nordens

Der Regenbrachvogel reist lange Strecken, doch rastet nur sehr selten bei uns. Wo findet man den raren Durchzügler?

Regenbrachvogel: Kennzeichen

Der Regenbrachvogel ist von der Gestalt her ein typischer Watvogel und sieht seinem Verwandten, dem Großen Brachvogel sehr ähnlich. Mit seinen circa 40 Zentimetern Größe ist er aber deutlich kleiner als dieser. Wichtige Kennzeichen sind der dunkle Scheitel mit dem hellen Längsstreif und der kurze, sichelförmig gebogene Schnabel. Im Frühling und Herbst, wenn der Regenbrachvogel teils auch gemischte Trupps mit dem Großen Brachvogel bildet, könnt ihr die beiden Arten gut unterscheiden lernen. Das wichtigste Erkennungszeichen des Regenbrachvogels ist jedoch der im Flug geäußerte Triller bibibibi, der entfernt an ein helles Lachen erinnert.

Regenbrachvögel beobachten: Wo und Wann

Der Regenbrachvogel brütet in Feuchtgebieten, Mooren und der Tundra in Nordeuropa, Kanada und der Arktis. Als typischer Langsteckenzieher macht er sich von dort aus auf den Weg nach Afrika. Auf dieser halben Weltreise von mehr als 20.000 Kilometern fliegt er manchmal über 5000 Kilometer nonstop. Doch ganz ohne Pause kommt auch der Regenbrachvogel nicht aus: Er rastet an Küsten und Marschen Europas, teils auch Deutschlands.

Die besten Chancen auf Beobachtung habt ihr in großen Grünlandarealen, wie man sie zum Beispiel in Norddeutschland findet. Wichtig für den Regenbrachvogel ist das Vorhandensein seiner Hauptnahrung: Nacktschnecken, Larven und Regenwürmer. Auf frisch gemähten Weiden, wo er diese einfach aufstochern kann, fühlt sich der Watvogel bei seiner Rast am wohlsten. In Norddeutschland ist der Regenbrachvogel zwar stärker vertreten, insgesamt ist er jedoch trotzdem sehr selten und für Vogelbeobachter immer ein Ereignis. In den Marschenlanden im Nordwesten Niedersachsens habt ihr dabei die besten Erfolgschancen: Besonders das ostfriesische Leer ist voll von rastenden Regenbrachvögeln.

Mysterium Regenbrachvogel

Warum Regenbrachvögel bei uns so selten rasten, gibt Vogelbeobachtern nach wie vor Rätsel auf. Zwar gibt es über die gesamten Bestandszahlen nur grobe Schätzungen, doch geht man davon aus, dass etwa 8000 Paare in Skandinavien leben, 100.000 bis 1.000.000 in Russland und 100.000 in Island. Warum kommen dann nur so wenige zur Rast nach Deutschland?

Dass das Erscheinen des Regenbrachvogels immer etwas Mysteriöses hat, belegt auch der niederländischen Erfolgsautor Maarten ’t Hart. In seinem Buch „Ein Schwarm Regenbrachvögel“ beschäftigt er sich mit seltenen Auftreten der Vögel im Friesland seiner Jugend. Das Erscheinen des seltenen Vogels passt dabei zum melancholischen Grundton des Romans.

Um mehr über den eigenartigen Durchzügler zu erfahren, haben in Leer 2011 die Ornithologische Vereinigung Ostfriesland (OVO) und der NABU eine Synchronzählung durchgeführt. Ein Maximalbestand von 1349 Vögeln wurde festgestellt, der höchste bislang in Deutschland dokumentierte Wert für die Art. Doch im Folgejahr waren es nur noch 770 Tiere, im langen Winter 2013 sogar fast gar keine. Bei derart starken Schwankungen wissen wir heute immer noch nicht sicher, wie viele Regenbrachvögel wirklich in Deutschland rasten. Überhaupt könnten sich diese Zahlen schon bald drastisch ändern: Jagd, Landwirtschaftsausbau und Klimawandel bedrohen den kleinen Watvogel stark.

>> Über aktuelle Beobachtungen des Regenbrachvogels könnt ihr euch auf dem Internetplattform ornitho.de informieren. Dort könnt ihr auch Beobachtungen melden.

>> Dieser Film des Cornell Lab of Ornithology klärt über die Migration der Regenbrachvögel auf. Einschalten und lernen!

Foto: Ingrid Taylar (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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