Kein Fell, kein Speck, kein Schlaf – wie kommen Vögel durch den Winter?

Kein Fell, kein Speck, kein Schlaf – wie kommen Vögel durch den Winter?

Der Winter ist für Tiere eine schwere Zeit. Pflanzen produzieren kein Futter mehr, die Böden werden hart und Gewässer frieren ein. Andere Tiere fressen sich rechtzeitig Fettreserven an, schrauben den Stoffwechsel auf ein Minimum und verbringen den Winter im Schlaf oder lassen sich zumindest ein dickes Fell wachsen. Aber welche Strategien haben Vögel, um durch die kalte Jahreszeit zu kommen?

Klar – die einfachste Lösung ist, einfach der Nahrung hinterher zu fliegen und in wärmeren Regionen zu überwintern. Aber längst nicht alle Vögel ziehen in den Süden. Viele Vogelarten sind so angepasst, dass sie auch Schnee und Eis überstehen können. Zu den Hilfsmaßnahmen von Standvögeln gegen Kälte und Nahrungsmangel zählen: essen, was da ist, warm halten und kalte Füße.

Essen, was da ist

Was so manchem Menschen oft schwer fällt, ist für Insektenfresser wie Meisen oder Kleiber überlebenswichtig – sie stellen ihren Speiseplan um. Anstelle von Würmern oder Käfern ernähren sie sich in den kalten Monaten vermehrt von Samen und Kernen, die Bäume oder Sträucher abgeworfen haben. Auch einige Beeren sind noch bis weit in den Winter hinein vorhanden und stehen auf der Speisekarte von Standvögeln. Der Kleiber, zum Beispiel, kann mit seinem langen Schnabel dennoch auch im Winter Insektenlarven oder –eier in der Baumrinden ergattern. Dort verstecken einige Meisenarten außerdem Kerne, die sie gefunden haben.

Warm halten

Vögel sind, wie Menschen auch, gleichwarme Lebewesen und müssen ihre Körpertemperatur demnach auch im Winter konstant auf 38-42°C halten. Dazu hilft natürlich Sonnenlicht „tanken“, wie es auch wechselwarme Tiere wie Echsen tun. Die von der raren Wintersonne aufgenommene Energie gilt es dann, so lange wie möglich zu speichern – also so wenig wie möglich zu verlieren. Das gelingt einerseits durch möglichst wenig Bewegung und andererseits durch aufplustern. Zwei Vorteile ergeben sich aus dem aufgeworfenen Gefieder: Die Form der Vögel gleicht damit einer Kugel, die Körperoberfläche ist also so klein wie möglich, wodurch nur wenig Energie abgestrahlt wird. Außerdem wird die warme Luftschicht rund um den Körper größer und hält somit länger – dieses Daunenjacken-Prinzip hat sich der Mensch längst abgeschaut. Zaunkönige haben darüber hinaus noch eine weitere Maßnahme entwickelt: Zum Schlafen finden sie sich in kleinen Gemeinschaften zusammen, um sich so gegenseitig zu wärmen.

Kalte Füße

Ein ganz anderes Problem haben Wasservögel wie Enten: Wenn Seen zufrieren, ist nicht nur die Luft um sie herum kalt, sondern auch der Grund unter ihren Füßen ist am oder unter dem Gefrierpunkt. Damit sie an der Eisoberfläche nicht kleben bleiben wie die bloße Hand am eiskalten Metallgeländer kühlen diese Vogelarten ihre Beine ebenfalls auf nahezu 0°C herunter. Das kalte Wasser ist auch kein Problem: Die Bürzeldrüse hinter dem Schwanz sondert ein fettiges Sekret ab, mit dem Wasservögel regelmäßig ihr Gefieder „einschmieren“. Das Wasser und somit die Kälte gelangen dadurch gar nicht erst zum Körper.

Alle Vogelarten, die hierzulande überwintern, sind hervorragend auf die Bedingungen angepasst. Vogelhäuschen, Meisenknödel & Co. sind also eigentlich überflüssig. Sie dienen eher dazu, auch im Winter Vögel beobachten zu können.

Foto: © Marvin Siefke / pixelio.de

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