Haubenmeise – Schatzhauser im Fichtenwald

Haubenmeise – Schatzhauser im Fichtenwald

Mit dem Glasmännlein aus Wilhelm Hauffs Märchen hat diese Meise nicht nur die Liebe zu Nadelbäumen gemein: Auch die Haubenmeise ist scheu und für den glücklichen Finder voller Überraschungen.

Aussehen

Anders als bei vielen anderen Meisenarten besteht bei der Haubenmeise keinerlei Verwechslungsgefahr zu Artgenossen. Mit der markanten Haube ist sie unter allen Meisen einzigartig. Schwarz-weiß und leicht nach vorne gebogen verleiht diese der Haubenmeise nicht nur ihren Namen, sondern auch ihr keckes Aussehen. Ihre übrigen Kennzeichen taugen nicht als Alleinstellungsmerkmal. Mit etwa 12 Zentimetern ist die Haubenmeise etwa spatzengroß und graubraun gefärbt. Die Bauchseite ist schmutzig weiß, die Seiten cremefarben. Etwas auffälliger sind die schwarze Kehle und der schwarze Halbmond hinter dem Auge. Obacht: Bei den Jungvögeln ist das Häubchen weniger ausgeprägt und das Gefieder blasser.

Vorkommen

In Europa ist die Haubenmeise weit verbreitet, wenn auch nicht so sehr wie Kohlmeise und Blaumeise. Wie der Schatzhauser aus Hauffs Kaltem Herz liebt sie Nadelbäume, vor allem Fichten. Oft findet man sie daher in den Fichtenwäldern des Harzes oder in anderen Laub- und Mischwäldern. Wenn ihr Nadelbäume im Garten habt, kann sie sich auch dorthin verlaufen.

Bisher ist die Haubenmeise nicht gefährdet. Ihre Zukunft hängt stark von der Gesundheit unserer Nadelwälder ab: Bei Aufforstung gedeiht sie, bei Waldsterben leidet sie mit. Abgesehen von diesem menschlichen Einfluss werden junge Haubenmeisen oft Opfer von Eichelhähern und anderen räuberischen Vögeln.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Wie schon gesagt: Die Haubenmeise ist ein kleiner Schatzhauser. Zeigen tut sie sich zwar nicht nur Sonntagskindern, aber dennoch nur selten, und noch seltener freiwillig. Wenn man sie einmal gefunden hat, bleibt sie dafür immer am selben Ort. In ihren bevorzugten Nadelwäldern erkennt man sie am sichersten an ihrem unverkennbaren, rollenden Ruf tsitsigürrrr oder gürrr. Und noch eine Eigenschaft der Haubenmeise ähnelt dem Hauffschen Glasmännlein: Sie versteckt gerne „Schätze“ zwischen Zweigen und Flechten. Bei den Schätzen handelt es sich meist um Samen von Kiefern und Fichten, ihre Lieblingsspeise im Winter. Sonst jagt sie auch gerne nach Spinnen und Tausendfüßlern.

Ihr Nest baut die Haubenmeise in selbst gemeißelten, spechtähnlichen Höhlen. Ausnahmsweise nimmt sie aber auch künstliche Nistkästen an. Dass sie den Trubel der Nistkästen und Futterhäuschen lieber meidet, liegt vielleicht an der Konkurrenz: Die Haubenmeise ist nicht so gesellig wie andere Meisen. Auch offenes Gelände meidet sie zugunsten ihrer geliebten Nadelgehölze. Wenn ihr ihn dann aber einmal gefunden habt, könnt ihr den standorttreuen Vogel ganzjährig an der gleichen Stelle wiederfinden. Und so vielleicht auch bei der aufwändigen Balz beobachten, bei der das Männchen das Weibchen mit kuriosen Flatterflügen umwirbt. Dieser Fichten-Schatzhauser ist eben immer für eine Überraschung gut.

Foto: sighmanb (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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5 Kommentare

  1. sisah 16. Dezember 2015 um 17:19 Uhr

    Was für ein wunderschöner Beitrag über die Haubenmeise. Ich gehöre offenbar auch zu den Sonntagskindern, denn sie besucht unsere winterlichen Futterstätten seit Jahren im Winter. Kann man die Geschlechter eigentlich unterscheiden?
    Grüße aus dem Berliner Umland
    Sisah

    • Christian Kolbe 17. Dezember 2015 um 11:31 Uhr

      Hallo Sisah,

      danke für deinen Kommentar! Schön, dass du zu den glücklichen gehörst.
      Ich habe mich mal etwas schlau gemacht: Die männlichen Haubenmeisen haben typischerweise eine etwas längere Haube und längere Flügel. Am besten erkennt man das aber wirklich nur mit Fernglas und im Vergleich zwischen Männlein und Weiblein, da die Unterschiede doch recht gering sind.

      Hier gibts eine englische PDF mit mehr Infos dazu.

      Beste Grüße ins Berliner Umland!

  2. andrea 24. September 2017 um 13:43 Uhr

    ..dann bin ich ja ein absolutes Glückskind – ich habe 2 – vermutlich ein Paar. Als scheu würde ich die zwei nicht bezeichnen: Wir füttern auch immer so eine kleine Handvoll Sonnenblumenkerne (ohne Schale), um die kleinen Piezen zu beobachten. Die Kohl- und Blaumeisen kennen das, sind aber eher schreckhaft. Die zwei Haubenträger dagegen gar nicht. Wir haben ganz dicht neben uns zerkleinerte Walnüsse gelegt (30 cm entfernt von uns) und schwupp, da kam der kleine Gourmet sofort dorthin und fraß und schleppte nach und nach die Reste weg. So mutig sind unsere Dauergäste nicht!

    Ich dachte mir das schon mit den Vorräten 🙂 – hab aber hier erst mal nachgelesen (der Kleiber, wenn er denn da ist, ist ähnlich mutig, der fraß auch schon aus der Hand)
    viele Grüße aus Nordhessen
    Andrea

    • Christian Kolbe 27. September 2017 um 10:48 Uhr

      Hallo Andrea,

      schön, dass ihr so viel Spaß beim Beobachten habt, weiter so 🙂

      Beste Grüße aus der Redaktion!

  3. Verena 27. Oktober 2017 um 17:39 Uhr

    hallo 🙂

    ich gehöre anscheinend auch zu den glücklichen 🙂 hier zeigt sich 1 täglich seit ca. 3 wochen und ist auch überhaupt nicht scheu. sie schaut interessiert zu, wenn ich das vogelhäuschen neu bestücke und wartet auch nciht lange, um zuzuschlagen. ich hab hier in wirklich unmittelbarer nähe (ca.100m ums grundstück) kaum bis keine nadelbäume. aber wir wohnen in waldnähe bzw. der ist ca. 400m entfernt. vielleicht reicht das schon. ich freu mich wirklich sehr über diesen kleinen piepmatz und hoffe, das er noch etwas länger hierbleiben mag.

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