Eine „unsichtbare“ Gefahr: Vögel und Glas

Eine „unsichtbare“ Gefahr: Vögel und Glas

Vögel und Glas: eine Kombination, die für die Tiere meist tödlich endet. Sie erkennen die reflektierenden Flächen nicht rechtzeitig und prallen dagegen. Wie lassen sich solche Unfälle verhindern?

Wer in einem Büro mit großen Fenstern arbeitet, ist natürlich dankbar für das viele Licht und den großzügigen Blick nach draußen. Und auch zu Hause wollen die meisten Menschen nicht in abgedunkelten Zellen wohnen, sondern möglichst viel Sichtkontakt zur Außenwelt. Leider bedeutet das meistens, dass immer wieder Vögel gegen die Scheiben prallen und sich schwer verletzen. Das passiert längst nicht nur an Bürogebäuden und Wohnhäusern. Gerade in Großstädten sieht man immer mehr hohe Gebäude mit verglasten Fassaden. Die Metropolen der Welt wetteifern um die höchsten Wolkenkratzer und sparen dabei weder an Glas noch an auffälliger Beleuchtung. Beides bedeutet eine große Gefahr für Vögel. Aber warum sehen sie die Bauwerke eigentlich nicht?

Vögel und Glas: Ich sehe was, was du nicht siehst

Die beiden wichtigsten Eigenschaften von Glas sind Transparenz und Reflexion. Im ersten Fall sehen Vögel nur das, was sich hinter einer Scheibe oder einem Gebäude mit Durchsicht befindet. Handelt es sich dabei um freien Himmel oder gar Bäume, wollen die Vögel dorthin fliegen – und zwar auf direktem Weg. Da die Augen bei den meisten Vögeln seitlich am Kopf sitzen, ist ihr räumliches Sehen eingeschränkt. Sie nehmen das Glas also schlicht und einfach nicht wahr.

Bei spiegelnden Flächen ist es ebenso fatal. Steht ein Gebäude beispielsweise gegenüber von einem Park oder Waldstück, ist die Gefahr schon vorprogrammiert. Selbst wenn ein Vogel das Glas doch noch erkennt, kann er meist nicht mehr schnell genug bremsen.

Man könnte nun meinen, dass nicht jeder Vogel gleich an einem Aufprall stirbt. Schließlich flattern viele ja auch einfach wieder los, oder? Das stimmt zwar, aber Kopfwunden oder innere Verletzungen können auch erst Tage später zum Tod führen. Außerdem ist ein benommener Vogel viel leichtere Beute für Katzen, Raubvögel und andere Prädatoren.

Gefährdung durch Licht

Wenn im Inneren von verglasten Gebäuden Licht brennt, kann das ebenfalls sehr gefährlich sein. Im schlimmsten Fall kommen Glas, Licht und Vegetation zusammen. Das ist zum Beispiel bei beleuchteten Wintergärten, Tropenhäusern und ähnlichen Gebäuden der Fall. Wenn es dunkel wird oder die Vögel in schlechtes Wetter geraten, fliegen sie auf Lichtquellen in der Nähe des Bodens zu. Die Pflanzen bedeuten für sie einen guten Rastplatz und damit einen weiteren Grund, auf die gefährlichen Fassaden zuzufliegen.

Auch ohne Vegetation stellt Licht ein Risiko dar. Ein trauriges Beispiel hierfür ist der beleuchtete (und stark reflektierende) Post Tower in Bonn. Er ragt in den Flugbereich von Vögeln hinein und irritiert sie, so dass sie extrem häufig mit ihm zusammenprallen. Und in Amerika, wo Wolkenkratzer und beleuchtete Sendemasten Alltag sind, wurden bereits etliche Massenkollisionen dokumentiert.  Es kann schon extrem helfen, wenn verglaste Gebäude in der Nacht nicht beleuchtet werden! Ebenfalls ein unnötiger Störfaktor für Vögel sind „Skybeamer“. Diese kräftigen Lichtquellen richten ihre Strahlen nachts gen Himmel und bringen so viele Vögel vom Kurs ab.

Vögel und Glas – Wie kann die Gefahr gebannt werden?

Bestimmt habt ihr schon mal die typischen schwarzen, vogelförmigen Aufkleber an Glasfassaden gesehen. Leider weiß kaum jemand, dass diese Markierungen überhaupt nichts bringen. Die Abstände zwischen ihnen sind einfach viel zu groß. Schließlich fliegen Vögel auch durch kleinste Lücken hindurch, um an ihre Ziele zu kommen.

Die Markierungen müssen also viel dichter sein, um den Vögeln aufzufallen. Am besten eignen sich dunkle Linien. Verlaufen Sie senkrecht, müssen sie mindestens 5 Millimeter dick sein und maximal 10 Zentimeter voneinander entfernt sein. Für die horizontale Variante gilt: mindestens 3 Millimeter dicke Linien, Maximalabstand 5 Zentimeter. Eine etwas simplere Lösung sind große, engmaschige Netze, die über die Fassaden gespannt werden.

Am besten ist natürlich der generelle Verzicht auf transparentes, spiegelndes Glas. Milchiges, trübes, bombiertes oder anders strukturiertes Glas können Vögel hingegen gut erkennen. Bauwerke, durch die man komplett hindurchsehen kann, sollten grundsätzlich verboten werden. Dort verunglücken die meisten Vögel an den Ecken. Vermutlich wollen sie in solchen Fällen an den Gebäuden vorbeifliegen, scheitern dann aber auf der Suche nach einer Abkürzung an den Ecken.

  • Viele nützliche Infos zu Themen wie Vogelfreundliches Bauen hat die Schweizer Vogelwarte auf einer eigenen Seite zusammengestellt. Dort findet ihr Broschüren und Merkblätter zum kostenlosen Download! Nützliche Tipps in Kurzform enthält der Artikel Vogelkollisionen an Glas vermeiden.

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