Mittelspecht – Quäkender Habitatsspezialist

Mittelspecht – Quäkender Habitatsspezialist

Der Mittelspecht ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit: ein begabter Kletterer, der weder hackt noch trommelt.

Aussehen

Mit etwa 21 Zentimetern Körpergröße ist der Mittelspecht ein wenig kleiner als der Buntspecht, dem er sehr ähnlich sieht. Um ihn dennoch sicher von seinem bekannten Verwandten unterscheiden zu können, lohnt sich ein Blick in sein Gesicht. Wo beim Buntspecht ein schwarzer, kräftiger Wangenstreif vom Schnabel bis zum Hinterkopf reicht, ist beim Mittelspecht nur weißes Gefieder. Außerdem ist sein Scheitel komplett rot, während der Buntspecht im Prachtkleid nur einen roten Nacken hat. Vorsicht: Im Jugendkleid haben Buntspechte ebenfalls einen komplett roten Scheitel, doch auch hier hilft euch die Kontrolle des Wangenstreifs.

Zurück zum Mittelspecht. Neben den bisher genannten Eigenschaften weist er einen schwarzen Rücken und große weiße Schulterflecken auf. Die Unterseite ist hell, zart längs gestrichelt und geht Richtung Steiß immer mehr ins Rosa über. Der Schnabel ist eher kurz und weniger kräftig als beim Buntspecht. Alle Kleider sind identisch, nur die Weibchen fallen geringfügig blasser aus als die Männchen.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Mittelspechtes dehnt sich über Mitteleuropa aus, beginnend mit Nordspanien und den Pyrenäen. Es umfasst große Teile Frankreichs und Belgiens. Die östliche Grenze liegt im Westen des europäischen Teils von Russland. Während die Art in Skandinavien komplett fehlt, ist sie in Polen. Lettland, Litauen und Weißrussland gut vertreten. Auch in Ungarn und auf dem Balkan brüten verhältnismäßig viele Mittelspechte. In Deutschland ist unser Vogel der Woche zwar verbreitet, aber nirgends kommt er häufig vor. Zu den wichtigsten Gebieten zählen Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen und Bayern.

Der Mittelspecht ist ein Habitatsspezialist, weil er urwüchsige, alte Laubwälder mit viel Totholz braucht. Gerade alte Eichen und Buchen mit ihrer rissigen, groben Rinde sind sehr beliebt. An ihnen findet der Specht genug Halt zum Herumklettern. Doch oft macht ihm der Mensch einen Strich durch die Rechnung. Die Rinde von Buchen ist beispielsweise erst dann zum Klettern geeignet, wenn der Baum etwa 150 Jahre alt ist. In diesem Alter (oder schon vorher) werden die meisten Buchen allerdings gefällt. Und alte Laubbäume und Totholz sind in unseren modernen Wirtschaftswäldern sowieso Mangelware. Kein Wunder also, dass der Mittelspecht hierzulande immer seltener wird.

Verhalten und Wissenswertes

An welches Geräusch denkt ihr beim Thema Specht? Richtig: ein kräftiges, hölzernes Trommeln. Beim Mittelspecht allerdings ist das nur sehr selten bis gar nicht zu hören. Stattdessen gibt er während der Balz ein kurz aneinandergereihtes, hohes Quäken von sich. Sowohl Männchen als auch Weibchen sitzen von März bis Mai in den Kronen hoher Bäume und geben diese durchdringenden Laute von sich. Sie dienen übrigens nicht nur zur Balz, sondern auch, um ein Revier zu markieren. Spielt man im Wald die Tonaufnahme eines Mittelspecht-Quäkens ab, so kommt prompt die Reaktion. Auf diese Weise kontrollieren Ornithologen, ob Reviere besetzt sind. Das muss in der Balzzeit geschehen, denn im restlichen Jahr ist der Mittelspecht ein sehr schweigsamer Vogel.

Anders als viele Artgenossen hackt der Mittelspecht keine Löcher in die Baumrinde, um nach Nahrung zu suchen. Mit seinem feineren Schnabel und der langen Zunge sammelt er im Sommer Insekten von den Ästen und Blättern. Im Winter nutzt er den Schnabel als Stocherwerkzeug und angelt sich die Leckerbissen geschickt aus der Rinde. Das Klettern fällt dem Mittelspecht leicht, denn er hat kräftige Füße und eine so genannte Wendezehe. Diese kann er am Baum einfach nach hinten umklappen, so dass zwei Zehen nach vorn zeigen und zwei nach hinten.

 

Foto: Akulatraxas (Lizenz CC BY 2.0)

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