Wasseramsel – tauchender Singvogel

Wasseramsel – tauchender Singvogel

Die Wasseramsel ist ein echtes Multitalent: sie schwimmt und taucht wie eine Ente, trällert wie eine Amsel und klettert bei Bedarf auch senkrechte Wände entlang.

Aussehen

Wenn ihr schon einmal einen Zaunkönig gesehen habt, wird euch die Wasseramsel ein wenig an ihn erinnern. Sie ist zwar größer, streckt aber im Sitzen den kurzen Schwanz wie ein Zaunkönig nach oben. Der Körper ist größtenteils graubraun gefärbt, wobei Kopf und Nacken sich einheitlich schokoladenbraun abheben. Viel auffälliger ist aber der große, reinweiße Kehlfleck, der bis auf die Brust reicht. Von dort führt ein rötlich brauner Streif zum dunkleren Unterbauch.

Schnabel, Füße und Zehen sind schwarz gefärbt, die Krallen heben sich hell dagegen ab. Beide Geschlechter tragen dieses Gefieder und haben eine gedrungene, rundliche Gestalt. Bei den Männchen können die Flügel ab und zu etwas länger sein als bei den Weibchen.

Vorkommen

Die Wasseramsel ist in vielen Gebieten Europas verbreitet. Die größte europäische Population lebt in den Bergen Rumäniens. Auch auf den Britischen Inseln, in Frankreich, Mitteleuropa und vor allem Skandinavien (die Wasseramsel ist Norwegens Nationalvogel) gibt es stattliche Verbreitungsgebiete.

Wie ihr Name schon vermuten lässt, liebt die Wasseramsel klare Gewässer, vor allem Bäche und Flüsse. Diese Gewässer müssen einen steinigen Grund und bewachsene Uferzonen haben und dürfen im Winter nicht gefrieren. Auch seichte Stellen und Steine und Felsen im Wasserlauf sind wichtig, damit die Wasseramsel dort nach Nahrung suchen kann.

Grundsätzlich ist die Wasseramsel eher ein Standvogel und verlässt ihren Heimatraum nicht. Doch wenn in besonders harten Wintern die Gewässer zufrieren, muss sie flussabwärts oder in wärmere Gefilde ausweichen. Vor allem Wasseramseln aus Skandinavien und Nordrussland meistern diese Herausforderung so gut wie jedes Jahr.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Obwohl die Wasseramsel zu den Singvögeln gehört, beherrscht sie alle Fähigkeiten eines robusten Wasservogels. Unter Wasser tauchend erbeutet sie Larven, Wasserkäfer, Schnecken und kleine Fische. Viele Beutetiere pickt sie auch von der Wasseroberfläche oder direkt vom Boden.

Wasseramseln sind tagaktiv und verbringen den Vor- und Nachmittag vor allem mit der Nahrungssuche. In den Mittagsstunden wird meist eine ausgiebige Ruhepause eingelegt, in der auch das Gefieder geputzt wird. An Land trippelt und hüpft die Wasseramsel meist vorwärts, sie kann aber auch sehr gut klettern. Selbst senkrechte, unregelmäßige Oberflächen sind kein Problem für sie, denn mit den langen Krallen klammert sie sich einfach fest.

Die Balz der Wasseramseln ist ein kleines Naturspektakel für sich. Dabei umtrippelt das Männchen das Weibchen oder umkreist es auf dem Wasser, knickst mit den Beinen und lässt die Flügel zittern. Natürlich wird auch der weiße Brustfleck präsentiert und Futter dargeboten.

Der Gesang besteht teilweise aus eher quietschenden Lauten, kann aber auch in ein fröhlich zwitscherndes Lied münden.

Foto: Luciano 95 (Lizenz: CC BY 2.0)

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