Wie entsteht eine Naturdokumentation?

Wie entsteht eine Naturdokumentation?

Der Natur- und Tierfilmer Hans-Jürgen Zimmermann erzählte uns im ersten Teil des Interviews (>>>) wie er selbst zum Naturfilm kam und worin er die Bedeutung der Naturdokumentationen sieht. Nun soll es darum gehen, wie ein Naturfilm Stück für Stück entsteht.

Vogel & Natur: Sie haben schon über 150 Filme gedreht – woher nehmen Sie ständig neue Ideen?

Hans-Jürgen Zimmermann: Ich habe ja immer gedacht, die Themen werden im Laufe der Zeit weniger, aber es werden immer mehr. Wir haben in Deutschland eine so vielfältige Landschaft: Gebirge und Meer, Mittelgebirge, Flusslandschaften, Wiesen, Wälder, Seen, Haine und Moore. Ich stolpere regelrecht über neue Themen während der Arbeit – ich habe eine Ideensammlung, die sich ständig erweitert.

Vogel & Natur: Also können wir uns noch auf viele weitere Filme freuen. Wie lange recherchieren Sie für einen Film, wenn Sie eine Idee haben?

Hans-Jürgen Zimmermann: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Themen, da kann man im Prinzip direkt anfangen und es gibt andere Themen da sucht man jahrelang nach einem Experten oder nach wissenschaftlichen Grundlagen.

Vogel & Natur: Können Sie denn pauschal sagen, wie lange der Dreh dauert? Oder ist das ebenso vom Thema abhängig?

Hans-Jürgen Zimmermann: Das ist auch ganz unterschiedlich, in aller Regel mindestens zwei Jahre. Aber es laufen immer parallel mehrere Produktionen. Das kommt auf die äußeren Umstände an. Möchte man beispielsweise die Kraniche in Groß Mohrdorf im Herbst beobachten, ist das Zeitfenster sehr klein. Gerade im Herbst lässt sich das Wetter jedoch schwer einschätzen, was den Dreh erschwert. Deshalb richte ich mich bei meinen Drehs auch sehr stark nach dem Wetter und den Jahreszeiten – und das bedeutet, dass ich an verschiedenen Projekten parallel arbeite.

Vogel & Natur: Und Sie müssen die Tiere natürlich auch noch finden. Wie funktioniert das beim Dreh – stellen Sie direkt die Kamera auf oder müssen Sie auch erst mit dem Fernglas Ausschau halten?

Hans-Jürgen Zimmermann: Das Fernglas ist ein Instrument genau wie die Kamera, das gehört immer dazu. Selbst während eines Drehs habe ich das Fernglas in Griffweite, denn das Fernglas ist sozusagen mein verlängertes Auge. Ich kann nicht den Kamerasucher verwenden, um die Tiere zu suchen, das Sichtfeld wäre viel zu eingeschränkt. Also lasse ich die Kamera auf dem Objekt stehen, an dem ich drehen will und nehme mein Fernglas. Wenn ich etwas gefunden habe, wechsle ich  wieder zur Kamera.

Vogel & Natur: Sie verwenden Ihr Fernglas vermutlich anders als Hobby-Vogelbeobachter – benötigen Sie deshalb ein besonderes Fernglas für Ihre Arbeit?

Hans-Jürgen Zimmermann: Ich benutze das Fernglas, um die Tiere zu sichten, oder eben auch um in den Nahbereich zu kommen, beispielsweise bei Insekten. Deshalb reicht mir ein 7×42 Fernglas, also mit 7-facher Vergrößerung, völlig aus. Tierbeobachter, die Artenbestimmung durchführen, also genaue Details wissen müssen, für die ist sicherlich eine 8- bis 10-fache Vergrößerung besser.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Arbeit in so einen Naturfilm gesteckt wird, der am Ende gerade einmal 80 bis 100 Minuten lang wird. Das Ergebnis ist die ganze Arbeit aber wert. Die letzten Jahre hat Hans-Jürgen Zimmermann an einem Film zu Deutschlands wilden Vögeln gearbeitet. Um genau diesen Film geht es im dritten Teil unseres Interviews.

Foto: © www.deutschlands-wilde-voegel.de

Interview Teil 1 – Naturfilmer Hans-Jürgen Zimmermann stellt sich vor >>>

Interview Teil 3 – Neuer Naturfilm: Deutschlands wilde Vögel >>>

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