Bartgeier – rotäugiger Segler

Bartgeier – rotäugiger Segler

Mit den roten Augen, den gewaltigen Flügeln und dem Federbart unter dem Schnabel gibt der Bartgeier ein imposantes Bild ab. Der größte Greifvogel Europas ist längst nicht so gefräßig, wie ihm einst unterstellt wurde.

Aussehen

Der Bartgeier ist mit einer Flügelspannweite von etwa drei Metern der größte Greifvogel in Europa. Er kann bis zu sieben Kilogramm schwer werden. Der imposante Vogel zeichnet sich durch ein grau-schwarzes Obergefieder aus. An Hals und Bauch sind die erwachsenen Tiere weiß bis rostrot gefärbt. Diese Färbung bildet sich allerdings erst im Alter von fünf Jahren aus, vorher sind die Jungvögel komplett dunkel. Sehr auffällig sind die langen Federn, die neben dem Schnabel herunterhängen und dem Bartgeier seinen Namen gegeben haben. Bartgeier haben recht schmale, lange Flügel und einen keilförmigen Schwanz. Die Augen sind von einem kräftigen roten Skleralring umgeben, wie ihn auch Leguane haben. Der sieht nicht nur sehr beeindruckend aus, sondern funktioniert auch wie ein Stimmungsbarometer! Je aufgeregter der Bartgeier ist, desto intensiver wird das Rot.

Vorkommen

Der Bartgeier ist ein Freund von eher unwirtlichen, bergigen Regionen mit frischen Wasserquellen und steilen Felswänden, deren Thermik er zum Segeln ausnutzen kann. Außerdem müssen in seinem Brutgebiet Raubtiere wie Wölfe oder Luchse unterwegs sein, denen er in Geierart das Aas streitig machen kann. Daher sind vor allem die Alpen ein hervorragendes Gebiet, um Bartgeier zu beobachten. Aufgrund des Irrglaubens, dass Bartgeier kleine Kinder und Schafe davontragen und fressen (daher auch veraltete Namen wie „Gemsengeier“ oder „Lämmergeier“), waren die großen Vögel lange mit einer Abschussprämie versehen und zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den Alpen komplett ausgerottet. Seit den 1970er Jahren wird aber durch zahlreiche Maßnahmen daran gearbeitet, dem Bartgeier wieder einen Lebensraum zu ermöglichen. In den Alpen wurden zuletzt am 31. Mai 2015 Jungvögel ausgewildert.

Ansonsten lebt der Bartgeier in Afrika, den Pyrenäen, Asien, in der Mongolei sowie in China.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Wie bereits erwähnt sind die Alpen ein gutes Ziel, um Bartgeier zu beobachten, auch weil der Bestand dort mittlerweile wieder relativ stabil ist und ihr gute Chancen habt, einen der großen Segler zu entdecken. Fliegende Vögel könnt ihr an ihren locker herabhängenden Flügeln erkennen. Außerdem wurden den ausgewilderten Jungvögeln einige Federn gebleicht, die im Flug ein individuelles Muster ergeben.

Bartgeier brüten mitten im Winter auf kaum erreichbaren Felsvorsprüngen oder -nischen. Ihr Gelege werdet ihr daher kaum zu sehen bekommen, aber möglicherweise die Eltern, wenn sie auf Nahrungssuche gehen. In der Regel bleiben Paare einander treu und wechseln auch ihr Revier eher selten.

> Falls ihr einem Bartgeier begegnet seid, könnt ihr mithilfe der Beobachtungsmeldung zum Schutz der schönen Tiere beitragen.

Foto: jayhem (Lizenz: CC BY-SA 2.0 – Bildausschnitt vom Original geändert) / flickr.com

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