Die Bürzeldrüse: Der Geruchssinn bei Vögeln

Die Bürzeldrüse: Der Geruchssinn bei Vögeln

Lange Zeit gingen Forschende davon aus, dass der Geruchssinn bei den Vögeln keine große Rolle spielt. Das Hören, Sehen und der Geschmack sind die Sinne, die für unsere gefiederten Freunde am wichtigsten sind, so die Annahme. Doch nun gibt es neue Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass die Bürzeldrüse und das daraus abgesonderte Sekret einen Geruchssinn bei den Vögeln wahrscheinlich machen.

Die Bürzeldrüse

Nahezu alle Vögel verfügen über die sogenannte Bürzeldrüse. Diese ist die einzige Hautdrüse bei den Tieren. Sie befindet sich an der Wurzel ihres Schwanzes auf dem „Bürzel“ und sondert jeden Tag ein öliges Sekret ab. Mit ihrem Schnabel verteilen die Vögel das Sekret auf dem Gefieder, wodurch sie es pflegen und wasserabweisend machen. Vor allem Wasservögel wie die verschiedenen Entenarten schmieren sich mit dem Bürzelöl ein. Aufgrund des unangenehmen Geruchs schreckt es zusätzlich Feinde ab. Bei anderen Arten wie Papageien und Tauben bildet sich die Drüse im Alter zurück. Sie pflegen ihr Gefieder mit einem Puder, dass aus den Spitzen der nachwachsenden Federn gebildet wird.

Forschende haben nun herausgefunden, dass das Öl aus der Bürzeldrüse noch eine weitere Funktion erfüllt. Denn es verändert sich im Laufe der Jahreszeiten und unterscheidet sich bei etwa der Hälfte der untersuchten Vögel zwischen den Geschlechtern. Vor allem während der Paarungszeit ist die chemische Zusammensetzung eine andere als in den restlichen Monaten. Die Vermutung liegt also nahe, dass die Vögel den Geruch des Öls wahrnehmen und deuten können.

Wozu dient der Geruch des Bürzel-Sekrets?

Die Forschenden konnten bei 95 % der untersuchten Vogelarten eine jahreszeitliche Schwankung der Zusammensetzung des Bürzelöls feststellen. Sie stellten zwei Thesen auf, welche Funktion der Geruch des Öls haben könnte:

  1. Die Tarnung des Nestes

Während der Brutzeit enthält das Bürzel-Sekret besonders viel vom organischen Molekül Diester. Da das Öl in dieser Zusammensetzung langsamer verdunstet und die Duftmarke eines ganzen Nestes verändern kann, vermuten die Forschenden, dass die Vogeleltern ihren Nachwuchs vor Fressfeinden schützen wollen. Vor allem bei Bodenbrütern, deren Nester besonders stark bedroht sind, konnte das Öl nachgewiesen werden. Wenn hier beide Partner brüten, verfügen sie über den gleichen Anteil an dem Molekül. Brütet nur ein Partner, ist die Konzentration in seinem Bürzel-Sekret höher.

  1. Die Kommunikation bei der Partnersuche

Dass bei uns Menschen der Geruch eine entscheidende Rolle bei der Partnerwahl spielt, ist keine Neuigkeit. So könnte es auch bei den Vögeln sein. Die Forschenden vermuten, dass die Vögel anhand des Geruchs das Geschlecht des Gegenübers herausfinden können. Außerdem könnte das Sekret Aufschluss darüber geben, ob der Vogel geeignet für eine Partnerschaft ist. Eine weitere These ist, dass Jungtiere ihre Eltern anhand des Geruchs erkennen und wiederfinden können.

Zwar gibt es schon einige Untersuchungen zum Geruchssinn der Vögel. Doch bisher konnten die Vermutungen nur anhand einer sehr dünnen Datenlage unterstützt werden. Es fehlen zum Beispiel Studien dazu, ob Raubtiere den Geruch des Bürzelsekrets überhaupt wahrnehmen können und inwieweit sich die chemische Zusammensetzung zwischen den Geschlechtern bei verschiedenen Vogelarten unterscheidet.

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