Unsichtbare Lauscher: Der Hörsinn der Vögel

Unsichtbare Lauscher: Der Hörsinn der Vögel

Äußere Ohrmuscheln würden die Aerodynamik der Vögel stören. Sie müssen Geräusche deshalb anders orten als Säugetiere.

Hier bei Vogel&Natur haben wir schon so einige Vögel unter die Lupe genommen, in deren Namen das Wort „Ohr“ vorkommt, zum Beispiel die Ohrenlerche oder den Ohrentaucher. Bei den Eulen scheinen die Lauscher ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen: Da wäre die Zwergohreule, Waldohreule oder die Sumpfohreule. Bei ihren „Ohren“ handelt es sich allerdings nur um größere, aufgestellte Kopffedern, die nichts mit Hörorganen zu tun haben. Die nämlich sind beim Vogel viel besser versteckt und von außen oft gar nicht erkennbar, da sie unter den Federn liegen. Wie aber funktioniert dann der Hörsinn der Vögel genau?

Anatomische Details

Gerade Singvögel sind darauf angewiesen, gut hören zu können. Mit ihrem Gesang finden sie Partner und grenzen ihr Revier ab. Die meisten Vögel haben ein luftgefülltes Mittelohr mit einem Gehörknöchelchen zwischen Trommelfell und Innenohr. (Wir Menschen haben drei dieser Knöchelchen, Hammer, Amboss und Steigbügel genannt.) Das Innenohr eines Vogels ähnelt dem eines Säugetiers, allerdings ist sein Gehörorgan, auch Basilarpapille genannt, wesentlich kürzer als bei uns.

Das hat zur Folge, dass Vögel höhere Frequenzen nicht so gut hören können. Eine Ausnahme bilden die Eulen, die in der Nacht jagen und bis zu einer Frequenz von circa 10.000 Hertz hören können. Tauben wiederum hören sehr niedrige Frequenzen. Deshalb nehmen sie Schallwellen wahr, die zum Beispiel durch die Brandung an Küsten entstehen. Solche Signale hören die Tauben dann auch noch Hunderte von Kilometern entfernt und können sich mit ihrer Hilfe orientieren.

Hörsinn der Vögel – Ohrmuschel überflüssig

Lange haben sich Wissenschaftler gefragt, ob Vögel erkennen können, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Wir Menschen können das dank unserer Ohrmuscheln. Die nämlich schlucken, reflektieren oder beugen die Schallwellen, je nach dem, aus welcher Richtung sie zum Ohr gelangen. Wie Forscher herausfanden, übernimmt diese Aufgabe bei Vögeln der ganze Kopf. Seine spezifische Form sorgt ebenfalls dafür, dass Schallwellen zurückgeworfen, geschluckt oder abgelenkt werden. Bei den meisten Vögeln sitzen die Augen seitlich. Deshalb sind sie darauf spezialisiert, vor allem seitliche Geräusche aus unterschiedlichen Höhen und Winkeln zu erkennen. So ergänzen sich Hör- und Sehsinn.

Auch hier bilden die Eulen wieder eine Ausnahme. Ihre Augen sitzen frontal am Kopf, weshalb sie auch Geräusche, die von vorn kommen, am besten verarbeiten. Bei Arten wie der Schleiereule bildet der Federschleier im Gesicht eine Art Trichter, der die Schallwellen optimal lenkt.

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