Frankreich: Jagdstopp für Brachvögel

Frankreich: Jagdstopp für Brachvögel

Frankreich wollte für die Jagdsaison 19/20 6.000 Große Brachvögel zum Abschuss freigeben. Doch massive Kritik aus ganz Europa zwang die Regierung zur Umkehr.

Die Ausgangslage

Es ist zwar kein langfristiger, aber trotzdem großer Erfolg für den Vogelschutz: In der Jagdsaison 2019/20 dürfen in Frankreich keine Großen Brachvögel geschossen werden. Zuerst hatte die französische Regierung entschieden, 6.000 Große Brachvögel für die Jagd freizugeben. Und das, obwohl ein Expertengremium im Auftrag des Umweltministeriums ermittelt hatte, dass dies keineswegs nachhaltig wäre.

Brachvögel in Gefahr

Die Lage war besonders fatal, weil viele der Vögel in anderen europäischen Ländern (unter anderem Deutschland) brüten und dort mit großem Aufwand geschützt werden. Dieser Aufwand ist natürlich nutzlos, wenn dieselben Vögel im Winterquartier einfach geschossen werden dürfen. Der Große Brachvogel ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Seine europaweite Population ist seit 1980 um 43 Prozent zurückgegangen. Das liegt nicht nur an der Jagd, sondern vor allem daran, dass die Lebensräume des Vogels immer kleiner werden.

Protest gegen Abschuss

Gegen den Beschluss für die Jagd protestierten viele Naturschutzorganisationen, darunter der NABU und die französische BirdLife-Organisation. Der Druck war so groß, dass die französische Regierung ihre Entscheidung rückgängig machte. Das gilt aber nicht für immer, sondern nur für die kommende Jagdsaison. Danach ist wieder unklar, wie das Schicksal der sensiblen Watvögel in Frankreich aussieht. Das Land ist bereits seit 2015 aufgefordert, ein Management für den Großen Brachvogel einzurichten. Er reagiert besonders empfindlich auf die Jagd, weil er spät geschlechtsreif wird und nicht besonders fruchtbar ist.

Auch betroffen: Turteltaube und Uferschnepfe

Übrigens ist nicht nur der Große Brachvogel akut in Frankreich gefährdet, sondern auch die Turteltaube (Vogel des Jahres 2020) und die Uferschnepfe. Was die Turteltaube angeht, darf sie in zehn EU-Staaten noch legal gejagt werden. In Frankreich lag die Quote im letzten Jahr bei 90.000 Turteltauben pro Saison, diese Zahl wurde nun auf 18.000 Vögel reduziert. Doch das entspricht immer noch der Hälfte aller in Deutschland brütenden Turteltauben und kann daher nicht die endgültige Lösung sein. Der NABU setzt sich für ein europaweites Jagdverbot für Turteltauben ein.

Die Uferschnepfe sollte eigentlich in Sicherheit sein. Weil ihre Bestände ebenfalls dramatisch abwärts steuerten, einigten sich die Länder entlang ihrer Zugstrecke darauf, keine Uferschnepfen mehr zu schießen. Zu diesen Ländern gehört auch Frankreich. Hier hat man nun entschieden, die Jagd in einem Jahr wieder zu erlauben – dabei bräuchte die Art deutlich mehr Zeit, um sich zu erholen.

 

Foto: vaidyarupal (CC BY 2.0)

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