Sumpfohreulen in Schleswig-Holstein: Das Erfolgsjahr 2019

Sumpfohreulen in Schleswig-Holstein: Das Erfolgsjahr 2019

Den Sumpfohreulen in Schleswig-Holstein ging es in diesem Jahr so gut wie schon lange nicht mehr. Zum ersten Mal seit 2003 konnte man die seltene Art auch auf dem Festland beobachten.

Vorher beschränkte sich der Bestand auf etwa zehn Tiere, die auf der Insel Amrum lebten. Doch in diesem Sommer zählten Naturschützer etwa 140 der schönen Eulen mit den gelben Augen. Ein Hauptgrund dafür war, dass es 2019 reichlich Mäuse zu erbeuten gab. Durch den trockenen Sommer und den milden Winter des Vorjahres konnten sich die Nager gut vermehren. Das Nahrungsangebot war so gut, dass manche Paare sogar zweimal brüteten – eine echte Seltenheit.

Die Eulen faszinieren unter anderem durch ihre Flexibilität. Sie haben ein sehr feines Gespür dafür, wo die meisten Mäuse zu finden sind. Dort bleiben sie zum Überwintern und Brüten, aber oft nur für ein Jahr. Dann verschwinden sie wieder und die nächste „Invasion“ könnte hunderte Kilometer weiter stattfinden. Die Tiere hängen nicht an bestimmten Ländern oder Landschaften, auch nicht an ihrem Geburtsort. In Bayern geschlüpfte Geschwister wurden später wieder entdeckt: Die eine Eule hatte es nach Sibirien verschlagen, die andere nach Nordfrankreich.

Sumpfohreulen in Schleswig-Holstein 2019

Zurück nach Schleswig-Holstein: Die meisten Sumpfohreulen brüteten in der Region Dithmarschen, etwa in der Miele-Niederung und in der Windberger Niederung. Dort ist die Landwirtschaft sehr präsent. Das ist oft ein fatales Problem für die Sumpfohreulen, denn die heimlich lebenden Vögel bauen ihre Nester am Boden. Häufig suchen sie sich dafür Felder aus, auf denen schon ab Mai die Mähdrescher unterwegs sind. Deshalb waren zur Brutzeit Biologen und Naturschützer von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Einsatz. Sie fahndeten nach Eulennestern und suchten das Gespräch mit den Landwirten, auf deren Feldern die Eulen brüteten. Zum Glück zeigten viele Bauern Verständnis und verschoben ihre Heuernte.

Auf den Flächen, die die Stiftung bereits unter ihrer Obhut hat, darf sowieso frühestens ab dem 21. Juni gemäht werden. Die Brutsaison der Sumpfohreulen dauert allerdings von Ende April bis in den August, so dass überall genau hingesehen werden muss. Die Eulen sind zwar zum Teil tagaktiv, verhalten sich am Nest aber äußerst heimlich und fliegen bei Gefahr erst im allerletzten Moment weg.

Schutz für Bodenbrüter

Insgesamt war es ein enormer Bruterfolg für die schleswig-holsteinischen Sumpfohreulen, das mit Abstand beste seit 16 Jahren. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten war dabei sehr wichtig. Sie bekamen Geld dafür, dass sie ihre Arbeit an den Brutrhythmus der Vögel anpassten. Die Naturschützer errichteten Zäune um die Nester, kartierten die Reviere der (übrigens sehr nomadisch lebenden) Eulen und hielten das Gespräch mit den Bauern aufrecht.

So viel Schutz brauchen auch viele andere Bodenbrüter, zum Beispiel Rebhuhn, Feldlerche, Braunkehlchen und Wiesenpieper. Gerade die erste Mahd, die viele Landwirte bereits im Mai durchführen, wird vielen Eiern, Küken und auch Altvögeln zum Verhängnis. Und selbst die Mahd im späten Juni kommt für so mache Vogelart noch zu früh, man denke nur an Zweitbruten. Eine Situation, in der immer wieder Kompromisse gefunden werden müssen, damit Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam bestehen können.

Foto: Jean-Jacques Boujot (Lizenz CC BY 2.0)

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