Kiebitzregenpfeifer – Tundrabrüter mit gutem Auge

Kiebitzregenpfeifer – Tundrabrüter mit gutem Auge

Ein kräftiger Schnabel, sehr gute Augen und schwarze Achselfedern: Der Kiebitzregenpfeifer ist bei genauem Hinschauen nicht schwer zu erkennen.

Aussehen

Kiebitzregenpfeifer werden knapp 30 Zentimeter groß und sind damit etwas größer und langbeiniger als ihre Artgenossen. Außerdem fällt der Schnabel sichtbar kräftiger aus. Im Prachtkleid ist die Unterseite der Männchen vom Gesicht bis zum Bauch einfarbig schwarz. Vom Oberkopf zieht sich helles Gefieder bis zu den Flanken und erinnert ein bisschen an einen Schleier. Auf der Oberseite findet sich schließlich ein feines, schwarz-weißes Muster, wobei die schwarzen Bereiche oft eher braun wirken. Die Weibchen haben im Prachtkleid ebenfalls eine dunkle Unterseite, sie ist jedoch mit helleren Federn durchsetzt.

Im Schlichtkleid ist das Gefieder bei beiden Geschlechtern weniger kontrastreich. Sie haben dann helle Unter- und eine gräuliche Oberseite. Gerade der Scheitel, der Hinterkopf, die Wangen und die Brust sind im Schlichtkleid eher sandfarben. Außerdem zeigen die Flanken ein schwaches, hellbraunes Fleckenmuster. In allen Kleidern finden sich charakteristische schwarze Achselfedern, welche man aber nur im Flug erspähen kann. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem Goldregenpfeifer.

Vorkommen

Während der Brutzeit bevölkern unsere Vögel der Woche die arktische Tundra rund um den Nordpol. Vor allem Nordamerika und Nordrussland sind wichtige Brutgebiete. Als Langstreckenzieher (belegte Zugstrecken von bis zu 8.650 Kilometern) verbringt der Kiebitzregenpfeifer den Winter an flachen Meeresküsten – von Mitteleuropa bis zur Südhalbkugel hinunter. Meist hält er sich dabei direkt an der Küste oder im Watt auf, während man ihn im Landesinneren so gut wie nie beobachtet. Eine gute Zeit, um nach Kiebitzregenpfeifern Ausschau zu halten, ist der April. Dann befinden sie sich auf dem Rückzug und halten sich relativ häufig an der Nordseeküste auf.

Auf Vogel und Natur haben wir bereits Hotspots vorgestellt, an denen auch der Kiebitzregenpfeifer beobachtet werden kann. Dazu gehören der Hauke-Haien-Koog, der Langwarder Groden und der Plessenteich bei Ulm.

Verhalten und Wissenswertes

Auf dem Speisezettel des Kiebitzregenpfeifers stehen vorwiegend Schnecken, Krebstiere, Würmer, Insekten sowie deren Larven. Unser Vogel der Woche hat extrem gute Augen: Er erspäht seine Beute und kann dann sekundenlang in kompletter Bewegungslosigkeit verharren, ehe er zuschnappt. Typisch für die Art ist auch das Waschen von Futter. Im Sommer landen gelegentlich auch Beeren in seinem Schnabel.

Vor allem die Männchen kehren gern Jahr für Jahr an denselben Brutplatz zurück. Von Juni bis Juli findet die knappe Brutzeit statt. Das Nest ist eine weich ausgepolsterte Mulde am Boden, in die das Weibchen meist vier Eier legt. Beide Partner brüten einen knappen Monat lang, bis die Jungen schlüpfen. Sie erkunden bald schon ihre Umgebung, sind aber erst nach fünf bis sechs Wochen flügge.

Die Rufe sind sehr hoch, durchdringend und klingen fast ein bisschen elektronisch. Die Tonabfolge ist ein zügiges „dü-di-düü“.

Foto: Hans Hillewaert (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Diesen Artikel empfehlen

Diskutieren Sie über diesen Artikel