Die Vogelinsel Trischen in Schleswig-Holstein

Die Vogelinsel Trischen in Schleswig-Holstein

Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer verbirgt sich ein ganz besonderer Schatz: Die wandernde Insel Trischen hat eine bewegte Geschichte hinter sich und ist heute durch und durch Vogelinsel. Pro Brutsaison lebt hier nur ein einziger Mensch, der die Wunder der Vogelwelt hautnah erleben kann.

Derzeit ist Trischen etwa 180 Hektar groß. Doch die genaue Größe der Sandinsel kann sich ebenso schnell ändern wie ihre geographische Lage. Knapp 30 Meter wandert Trischen pro Jahr in Richtung Festland, in jedem Sommer ist das Erscheinungsbild der Insel ein anderes. Mit ihren Dünen und Salzwiesen bietet Trischen vielen Vogelarten ein ungestörtes Heim. Sie werden von (fast) keinem Menschen gestört. Nur ein Vogelwart des Nabu, einquartiert in einer einsamen Hütte, darf jedes Jahr für sieben Monate auf der Insel leben und arbeiten.

Geschichte Trischens

Bevor allerdings dieser friedliche Zustand eintreten konnte, musste Trischen erst einmal „geboren werden“. Dafür sorgten Sand, Wind und Wasser. Trischen erhob sich vor etwa 400 Jahren aus den Sandbänken im Dithmarscher Wattenmeer. Die Sandfläche festigte und vergrößerte sich, erste Pflanzen siedelten sich an. 1886 läutete die erste Verpachtung Trischens eine Phase der Landwirtschaft auf der Insel ein. Verschiedene Gebäude und Bauernhöfe wurden errichtet und es gab häufige Vergnügungsfahrten zur Insel, bei denen Besucher sogar auf Vögel schießen durften. Glücklicherweise setzten sich schon damals Naturliebhaber für einen vogelfreundlichen Umgang mit Trischen ein.

Übrigens erledigte das Schicksal den Rest. Um 1950 verloren die Ernten auf Trischen ihren Erfolg und die Gebäude wurden nach und nach wieder abgetragen. In den 1960er Jahren entstand schließlich die erste Vogelwärterhütte auf der Insel. Deichbrüche und Stürme gaben Trischen ihr naturverbundenes Gesicht zurück und auch die Vögel konnten sich wieder sicher fühlen.

Die Vogelinsel Trischen

Derzeit brüten laut Nabu etwa 6.500 Brutpaare 20 verschiedener Arten auf Trischen. Die genaue Zusammensetzung ändert sich aufgrund der Bewegung der Insel allerdings immer wieder, so dass die Beobachtung umso spannender wird. 2015 war insgesamt eine erfolgreiche Brutsaison.

Die zahlreichsten Arten gehören zu den Möwen, nämlich Silber-, Herings- und Lachmöwen. Auch die Kormorankolonie auf Trischen ist eine Besonderheit, da sie die einzige bodenbrütende Kolonie im Bundesland ist. Dies lässt sich ganz einfach erklären: auf Trischen wachsen keine Bäume. Zu den Gewinnern der Saison 2015 gehörten außerdem die Löffler und die Weißwangengänse.

Von Juli bis September findet auf Trischen ein weiteres Naturschauspiel statt: die Mauser der Brandgänse. Mehrere 10.000 Vögel finden sich zusammen, um ihren Gefiederwechsel abzuwarten. Für mehrere Wochen sind die Brandgänse dann flugunfähig und somit besonders verletzlich. Trischen bietet ihnen dann einen sicheren Rückzugsort.

  • Zu den Aufgaben des Vogelwarts auf Trischen gehören die Zählung der Brut- und Rastvögel, die Beobachtung des Wetters und die Unterstützung verschiedener Forschungsprojekte. Aber ob es eigentlich langweilig auf der einsamen Insel ist, wie Körperpflege und Einkaufen funktionieren und welche anderen Naturschönheiten auf Trischen verborgen sind, das alles könnt ihr im Blog der Vogelwärter Trischens nachlesen. Eine interessante Lektüre für graue Regentage!
  • Die genauen Zahlen aus der Brutsaison 2015 auf Trischen findet ihr hier.

 

Foto: Ralf Roletschek (talk)- Eigenes Werk (Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

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