Die Heimreise

Helene Böhme 12. Februar 2013 Keine Kommentare zu Die Heimreise
Die Heimreise

Reisetagebuch von Jamie Maddison
02. November 2012, London

Nur ungern ließ ich mein Pferd zurück, aber es war an der Zeit, dass Matt und ich in die Zivilisation zurückkehrten – zumindest für einige Tage. Um ehrlich zu sein – mein Pferd Kafka schien sich auf etwas Entspannung und freie Zeit auf den Feldern zu freuen und war wohl recht froh, mich endlich los zu sein. Nachdem wir uns also von Alpamy, seiner Familie, unseren Pferden und dem Steinadler unseres Freundes verabschiedet hatten, luden wir unser Gepäck in einen mitgenommenen Jeep. Eine Stunde später begann die Rückreise – die sehr beengte Rückreise, denn zehn Personen versuchten in vier Sitzen Platz zu finden.

Vom Pferderücken in den Bus

Nach einigen Erholungstagen in der Provinzhauptstatt Olgii folgte eine Woche auf einem Mongolischen Fluss. Beim Raften konnten wir wilde Pferde, Kamele und viele Greifvögel beobachten. Es war eine wundervolle, aber leider zu kurze Reise und es war an der Zeit, heimzukehren. Zurück in Olgii stiegen wir in einen Bus, der uns in die 1700 km entfernte Mongolische Hauptstadt Ulaanbaatar (in Deutschland auch bekannt als Ulan Bator) brachte. Der Bus war völlig überladen mit Post und Paketen, die unter jeden Sitz gestopft waren, bevor im  Anschluss noch viel zu viele Passagiere und ihr Gepäck untergebracht werden mussten.

Ohne warme Kleidung – meine Tasche wurde verstaut, ehe ich mir einige Kleidungsstücke holen konnte – saß ich an ein kaltes Fenster gedrückt. Dort, wo eigentlich meine Beine Platz finden sollten, befand sich Gepäck. Vier Tage lang fuhren wir nahezu ohne Pausen, auch nachts fuhr der Bus weiter. Nur für Lunch und eine Teepause wurde länger gehalten.

Man könnte unseren Bus auf der Rückreise wohl mit einem Gefängnis vergleichen. Da wir ständig auf engstem Raum festsaßen, taten uns bald alle Glieder weh. Schlafen war ebenfalls fast unmöglich: Das Fenster war zu kalt, um sich anzulehnen, und durch die schlechten Straßen wurde man ständig durchgerüttelt. Ich hatte am Ende blaue Flecken und Beulen von den Augenblicken in denen ich im (Halb-)Schlaf gegen die Holzsitze der vor uns sitzenden Fahrgäste stieß. Die einzige Erleichterung fand ich im Beobachten der vielen Greifvögel der Steppe. Sie flogen über uns oder saßen am Straßenrand und beobachteten misstrauisch das große metallische Monster, das ihre Jagd in der Steppe störte.

Zurück in London

Eine Woche später kamen wir Samstag Abend in London an. Müde, jet-lagged und zerzaust haben wir sicherlich einen bleibenden Eindruck bei den vielen Menschen auf den Weg zu Partys hinterlassen. Aber wir waren glücklich. Wir waren in der Mongolei, haben gelernt, mit Pferden über die Steppe zu reiten und haben eine eindrucksvolle Vielzahl an Vögeln, anderen Tieren, Landschaften und Menschen kennengelernt. Ich jedenfalls hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Steinadler nicht nur sehen, sondern auch berühren würde.

Jetzt sind wir vorbereitet. Das ist auch gut so, schließlich sind es nur noch einige Monate, bevor wir uns wieder auf den Weg machen und zurück durch das Herz Zentralasiens reiten. Hoffentlich werden wir noch mehr Tiere und vor allem auch die Argali-Wildschafe sehen und die Geschichte des Iren Sir Charles Howard-Bury  nachbilden können. Bald beginnt das neue Kapitel einer 100 Jahre alten Geschichte.

Jamie Maddison nach seiner Tour durch die mongolische SteppeTeil 1: Start ins Abenteuer >>>

Teil 2: Ritt mit den Adlerjägern >>>

Teil 3: Die Wilde Steppe >>>

Weitere Informationen zu Jamies Exkursion gibt es auf seiner Website https://www.onesteppeahead.com (aktuell leider nicht erreichbar).

Foto: © Jamie Maddison

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