Brandseeschwalbe – Menschenscheue Insulanerin

Brandseeschwalbe – Menschenscheue Insulanerin

Mit Artgenossen lebt sie oft eng an eng, aber Menschen scheut sie vollends: Daher hat sich die Brandseeschwalbe an wenige Orte der Nord- und Ostsee zurückgezogen.

Aussehen

Die Brandseeschwalbe ist mit 40 Zentimetern Länge und einer Flügelspannweite von etwa einem Meter die größte heimische Seeschwalbe. Aber auch abgesehen von der Größe ist sie an ihrem schwarzen Schnabel mit hellgelber Spitze und an dem schwarzen Kopf mit kleinem Schopf im Nacken leicht zu erkennen. Die Körperoberseite ist hellgrau und der Hals ist weiß. Beobachtet ihr die Brandseeschwalbe bei ihrem kraftvollen Flug, so fallen der gegabelte Schwanz und die langen, schlanken Flügel auf.

Vorkommen

Von März bis September lebt die Brandseeschwalbe an Nord- und Ostsee, danach reist sie in ihr Winterquartier entlang der Atlantikküste bis nach Südafrika. An deutschen Küsten braucht sie als Lebensraum Küsten und kleine Inseln mit flachem Wasser und viel Nahrung sowie Dünen und Sandbänke zum Brüten. Am wichtigsten sind der Brandseeschwalbe jedoch Ruhe und Frieden; tramplige Touristen und störende Sportler mag sie gar nicht. Zwangsweise musste die Seeschwalbe ihre Heimat daher immer weiter weg vom Menschen legen, auf Inseln und Eilande mit wenig oder gar keiner menschlichen Ansiedlung. Die bedeutendsten deutsche Brutkolonien liegen an der Nordsee, die größte auf der Hallig Norderoog. Dort lebte sie früher mit einer Viertelmillion Brutpaaren – eine Zahl, die sich selbst dort wegen Eiersammlern und anderer menschlicher Störungen stark dezimiert hat. Zum Glück sind es heute wieder circa 4000.

Die zweitwichtigste Brutkolonie befindet sich auf der unbewohnten Insel Trischen, die anderen Nordseekolonien sind Großer Knechtsand und Minsener Oldeoog. Zusammen mit den Ostseeinseln Langenwerder und Kirr sind das die einzigen verbleibenden Zufluchtsgebiete der Brandseeschwalbe. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, hat der Naturschutzverein Jordsand die bedrohte Art zum „Seevogel des Jahres 2015“ gewählt.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Artenschutz muss für Vogelbeobachter immer das erste Gebot sein, und so gilt auch hier: Seid zurückhaltend, denn die Brandseeschwalbe fühlt sich leicht gestört! Kommt ihr nicht zu nahe, und stört sie vor allem nicht beim Brüten. Aber keine Sorge: Auch von weitem könnt ihr tolle Beobachtungen machen. Wenn ihr dem charakteristisch krächzenden Ruf kerrick folgt, könnt ihr die Brandseeschwalbe mit etwas Glück bei einem ihrer spektakulären Tauchmanöver beobachten. Als zielsichere Stoßtaucherin stürzt sie aus großer Höhe auf der Jagd nach Sandaalen und Heringen ins Wasser. Wollt ihr zu ihrem Schutz beitragen, solltet ihr daher auch auf nachhaltigen Fischfang achten, denn die Brandseeschwalbe wird von der Industriefischerei bedroht.

Auch wenn die Vögel viel Abstand zum Menschen brauchen, sind Brandseeschwalben gar nicht so schnäubisch, was ihre Kinderstube betrifft: Bei bis zu 9000 Paaren pro Brutkolonie müssen sich manchmal bis zu zehn Familien einen Quadratmeter Nistfläche teilen. Wie es in so einer Brutkolonie zugeht und wie es sich anhört, seht ihr hier:

>> Hier informiert die Schutzstation Wattenmeer über die Brandseeschwalbe und zeigt Bilder von ihr im Sturzflug.

Foto: Derek Keats (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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