Vogelbeobachtung in Portugal: Die Sagres-Halbinsel

Vogelbeobachtung in Portugal: Die Sagres-Halbinsel

Auf der portugiesischen Sagres-Halbinsel finden Vogelbeobachter im Herbst ein wahres Eldorado vor. Verschiedenste Zugvögel passieren die steilen Küsten auf ihrem Weg nach Afrika.

Wer sich im Oktober auf den Weg in den Südwesten Portugals macht, will entweder den Sommer noch ein wenig verlängern oder vielleicht das „Sagres Birdwatching Festival“ besuchen. Jedes Jahr treffen sich hier Vogelfreunde aus aller Welt, um so manche seltene Art bei ihrer Wanderung in die afrikanischen Winterquartiere zu beobachten. Zu diesem Zweck gibt es ein vielfältiges Programm, angefangen bei geführten Touren und Bootsausflügen bis hin zu Beringungsaktionen und kulturellen Angeboten.

Natürlich könnt ihr die Halbinsel und ihre gefiederten Besucher auch außerhalb des Festivals erkunden. Der Herbst empfiehlt sich aber trotzdem als Beobachtungszeitraum, denn zur Zugzeit treffen auch immer wieder seltene Gäste aus Afrika, Nordamerika und Nordeuropa ein. Unser Artikel soll euch einen Überblick der besten Beobachtungsplätze auf der Sagres-Halbinsel verschaffen. Außerdem lest ihr, welche Vogelarten dort zu erwarten sind und was ihr besonders beachten solltet.

Das Cabo de São Vicente – Südwestlichster Punkt Kontinentaleuropas

Cabo de São Vicente liegt nur 15 Autominuten von der historischen Kleinstadt Vila do Bispo entfernt. Dass hier ein Kontinent endet, werdet ihr zum einen an dem Leuchtturm des Kaps erkennen, aber vor allem an der Brise, die euch kräftig um die Ohren weht. Für längere Beobachtungen empfiehlt sich deshalb wind- und wasserfeste Kleidung sowie ein stabiles Stativ.

Durch seine Nähe zum Meer lassen sich Seevögel am Kap natürlich besonders gut beobachten. Ab Herbst könnt ihr Basstölpel sehen, die mit spektakulären Manövern nach Fischen tauchen. Ein weiteres Highlight ist die kleine Population von Alpenkrähen, die in den Felsen ihre Brut- und Schlafplätze haben. Zu ihnen gesellen sich Wanderfalken, Krähenscharben, Fahl- und Alpensegler sowie die Blaumerle.

Wer es nicht ganz so windig mag, kann auf die Landspitze Ponta da Atalaia in der Nähe von Sagres ausweichen. Sie ist vor dem kalten Nordwind geschützt, hat aber auch so manchen Zugvogel zu bieten. Gerade im Buschland rastet oft auch der eine oder andere Singvogel.

Hinaus auf’s Meer! – Vogelbeobachtung per Boot

Um die Hochseevögel auf ihrer Reise zu beobachten, müsst ihr den festen Boden unter den Füßen wohl oder übel aufgeben. Bootstouren mit Fokus auf Vogelbeobachtung werden zum Beispiel am Hafen von Baleeira angeboten. Auch hier ist wasserdichte Kleidung ein absolutes Muss! Ihr solltet außerdem einigermaßen seetüchtig sein, denn die kleinen Boote schaukeln beachtlich auf den hohen Wellen.

Auf der offenen See angekommen, könnte euch gleich eine der fünf Sturmtaucherarten der Region begegnen. Es sind Gelbschnabel-, Balearen- und Atlantiksturmtaucher, außerdem der Große und der Dunkle Sturmtaucher. Die beiden letzten Arten werden vom Balearensturmtaucher an Seltenheit noch übertroffen. Viel häufiger zeigt sich aber die kleine Buntfuß-Sturmschwalbe. Auch bei Skua, Spatelraubmöwe, Schwarzkopf-, Mittelmeer- und Heringsmöwe sowie Fluss- und Brandseeschwalbe stehen die Chancen gut.

Und wer ganz besonders viel Glück hat, kann auf so einer Bootstour auch eine Gruppe Delfine beobachten. Meist werden die schönen Meeressäuger von einem Schwarm Seevögel angekündigt. Die Vögel machen sich die Jagd der Delfine zunutze, weil viele Beutefische näher an die Oberfläche schwimmen, um den Delfinen zu entkommen. Dort sind sie dann leichte Beute für die gefiederten Mitjäger.

Zeit für Greifvögel – Der Monte da Cabranosa

Ungefähr vier Kilometer vom Cabo de São Vicente entfernt liegt der Hügel Monte da Cabranosa. Hier habt ihr einen guten Blick auf die großen Segler, die von August bis November über der Halbinsel unterwegs sind. Neben Gänsegeier, Schlangen- und Zwegadler zeigten sich bisher auch immer wieder Seltenheiten wie Schreiadler, Sperbergeier sowie Rotfuß- und Lannerfalken. Besonders im Oktober ziehen auffällig große Gruppen von Gänsegeiern über die Halbinsel, begleitet von Zwergadlern. Zwischen September und November zeigen sich außerdem vereinzelte Schwarzstörche.

Wer nicht mehr nach oben schauen will, sollte einen Blick in das umliegende Grasland, die Heidelandschaft und die nahen Wälder werfen. Zwischen aromatischen Kräutern und schützenden Büschen rastet so mancher Singvogel. Ihr habt gute Chancen auf Pieper, Haubenmeisen, Grasmücken sowie verschiedene Schnäpper und Lerchen. Auch Steinschmätzer, Kurzzehenlerchen, Mornellregenpfeifer und (selten) Ortolane lassen sich im Grasland beobachten.

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