Weihnachtsbaumplantagen als Lebensraum

Weihnachtsbaumplantagen als Lebensraum

Im Sauerland wachsen auf etwa 18.000 Hektar die Verkaufsschlager des Dezembers: Weihnachtsbäume. Mittlerweile leben auf den Plantagen auch überraschend viele, teilweise stark bedrohte Vogelarten.

Weihnachtsbaumplantagen: Wirtschaftskraft im Sauerland

Über die gesamte Fläche der sanften Anhöhe stehen sie verteilt: kleine Tannen, die einmal stattliche Weihnachtsbäume werden und damit nicht zuletzt die Wirtschaft des Sauerlandes ankurbeln sollen. Die Region ist aktuell sogar das bedeutendste Produktionsgebiet von Weihnachtsbäumen in ganz Europa. Das liegt zum einen an der Nähe zum wichtigsten Absatzmarkt für die Bäume – dem Ruhrgebiet – und zum anderen an den guten Umweltbedingungen. Für dichte, stufig gewachsene und nicht zu hohe Bäume sind die nährstoffarmen Böden und das kühle Mittelgebirgsklima ideal. Kein Wunder also, dass die Anbaufläche seit den 1980er Jahren beständig zunimmt. Derzeit wachsen im Sauerland auf etwa 18.000 Hektar Weihnachtsbäume. Das ist eine Menge Platz, den sich auch Tiere und vor allem Vögel zunutze machen.

Weihnachtsbaumplantagen: Heidelerche und Co.

Auf den ersten Blick wirken Weihnachtsbaumplantagen eher verlassen und zwischen den Tannen regt sich scheinbar nichts. Doch eine genauere Untersuchung der Kulturen im Sauerland sorgte für überraschende Ergebnisse. Im Vergleich mit anderen Landschaftsformen wie Windwurfflächen und Intensivgrünland beherbergen sie die größte Vielfalt und auch die höchste Dichte an gefährdeten Brutvogelarten. Unter den Arten der Roten Liste sind das vor allem Goldammer, Fitis, Bluthänfling, Heidelerche und Baumpieper. Weitere häufige Arten sind Heckenbraunelle, Buchfink und Amsel.

Weihnachtsbaumplantagen: Krautschicht trifft Insektenbuffet

Warum aber sind die Tannenkulturen bei den Vögeln so ein beliebter Lebensraum geworden? Schließlich gibt es schon einige Haken. Zum Beispiel kommen auf den meisten Plantagen Dünger sowie Bekämpfungsmittel gegen Unkraut, Pilze und Insekten zum Einsatz. Das klingt zunächst nicht besonders vogelfreundlich, doch je älter die Plantagen werden, desto seltener verwenden die Landwirte solche Mittel. Die Bäume werden höher, zwischen ihnen breitet sich eine Krautschicht aus und es gibt ein reiches Angebot an Insekten (vor allem Laufkäfer und Spinnen) und Kräutersamen.

Mit etwa zehn bis zwölf Jahren wird ein Weihnachtsbaum geerntet. Da die Produzenten jedes Jahr frische Bäume anbieten müssen, gibt es auf den meisten Plantagen unterschiedliche Parzellen mit verschiedenen Wuchsstrukturen. So findet jede der anwesenden Vogelarten ihren idealen Lebensraum. Heidelerche und Baumpieper bevorzugen beispielsweise die kleineren Bäumchen, während sich Goldammer und Bluthänfling in älteren Kulturen wohlfühlen.

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