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Vogelwelt

Störche (Vogelfamilie)

Störche (Vogelfamilie)

Kaum ein Vogel ist in Deutschland so bekannt wie der Weißstorch. Mit seinem auffälligen Gefieder, den langen roten Beinen und seiner Rolle als Glücksbote ist er vielen Menschen vertraut. Dabei umfasst die Familie der Storchenvögel weit mehr als den Weißstorch. Weltweit gibt es zahlreiche Arten, die sich in ihrem Lebensraum, ihrem Verhalten und ihrem Aussehen unterscheiden. Gemeinsam sind ihnen ihre langen Beine, der lange Hals und ihre beeindruckenden Flugfähigkeiten.

Ordnung und Vorkommen

Die systematische Einordnung der Storchenvögel (Ciconiidae) hat sich im Laufe der Zeit deutlich verändert. Im 19. Jahrhundert wurden sie noch der großen Gruppe der Schreitvögel (Ciconiiformes Bonaparte) zugeordnet. Zu dieser zählten unter anderem Regenpfeiferartige, Greifvögel, Lappentaucher, Ruderfüßer, Pinguine, Seetaucher und Flamingos.

Erst in den 1990er Jahren sorgten Untersuchungen mithilfe der DNA-Sequenzierung für neue Erkenntnisse. Dabei stellte sich heraus, dass viele dieser Vogelgruppen enger mit den Pelikanen verwandt sind als mit den Störchen. In der Folge wurden zahlreiche Arten neu eingeordnet. Heute bilden die Storchenvögel eine monotypische Familie, zu der ausschließlich die Störche gehören.

Störche sind in weiten Teilen Eurasiens, Afrikas, Australiens und Südamerikas verbreitet. Die meisten Arten leben in den Tropen, lediglich drei kommen in den gemäßigten Klimazonen vor. Je nach Art sind sie unterschiedlich stark an Gewässer und Feuchtgebiete gebunden.

Die Mehrzahl der Storchenarten ist ortstreu und bleibt das ganze Jahr über im selben Verbreitungsgebiet. Zu den bekanntesten Ausnahmen zählen der Weißstorch und der Schwarzstorch, die als Langstreckenzieher zwischen ihren Brut- und Überwinterungsgebieten pendeln.

Während die Bestände in Europa, Afrika und Amerika insgesamt als stabil gelten, sind in Asien mehrere Arten gefährdet. Dazu gehören unter anderem der Schwarzschnabelstorch und der Höckerstorch.

Verhalten und Aussehen

Storchenvögel zählen zu den mittelgroßen bis sehr großen Vögeln. Je nach Art erreichen sie eine Körpergröße von 75 bis 150 Zentimetern und ein Gewicht zwischen einem und neun Kilogramm. Charakteristisch sind ihre langen Beine, der lange Hals, der kurze Schwanz und der große Schnabel, dessen Form sich von Art zu Art unterscheidet.

Auch ihre Flügel beeindrucken. Marabus erreichen eine Spannweite von bis zu 3,20 Metern und werden damit nur von wenigen Vogelarten übertroffen. Das Gefieder besteht überwiegend aus schwarzen und weißen Partien. Die schwarzen Federn zeigen bei vielen Arten einen metallischen Glanz.

Entgegen einer weit verbreiteten Annahme sind Störche keineswegs stumm. Neben dem bekannten Schnabelklappern geben sie je nach Art krächzende, quiekende oder an Muhen erinnernde Laute von sich.

Störche sind tagaktive Fleischfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen unter anderem Fische, Amphibien, Reptilien, Insekten und kleine Säugetiere.

Auch bei der Brut unterscheiden sich die Arten. Einige Störche brüten in Kolonien mit mehreren Tausend Individuen. Andere Arten, wie der Schwarzstorch, leben als Einzelgänger und suchen während der Brutzeit abgelegene Wälder auf. Die Nester werden meist auf Bäumen errichtet. Manche Arten nutzen heute auch Gebäude oder andere hohe Bauwerke als Nistplatz.

Die Eier werden je nach Art 25 bis 38 Tage bebrütet. Nach etwa 50 bis 100 Tagen sind die Jungvögel flügge. Unter natürlichen Bedingungen können Störche mehr als 20 Jahre alt werden. In menschlicher Obhut erreichen sie häufig ein noch höheres Alter. Der bekannte Altersrekord liegt bei 48 Jahren.

Erwachsene Störche haben aufgrund ihrer Größe nur wenige natürliche Feinde. Deutlich problematischer sind ungünstige Wetterbedingungen. Vor allem Weißstörche reagieren empfindlich auf lang anhaltenden Regen und Kälte, wodurch sie ihre Brut im Extremfall aufgeben können. In vielen Lebensräumen stellt mittlerweile jedoch große Hitze die größere Herausforderung dar.

Heimische Arten

In Deutschland kommen mit dem Weißstorch und dem Schwarzstorch zwei Storchenarten vor, die sich deutlich in ihrer Lebensweise unterscheiden.

Schwarzstorch

Der Schwarzstorch besitzt ein überwiegend schwarzes Gefieder, das bei ausgewachsenen Vögeln metallisch grün schimmert. Die Bauchseite ist weiß. Er meidet menschliche Siedlungen und lebt bevorzugt in ruhigen Laub- und Mischwäldern. Aufgrund dieser Lebensweise wird er auch Waldstorch genannt.

Weißstorch

Der Weißstorch ist einer der bekanntesten Vögel Deutschlands und gilt als typischer Kulturfolger. Er brütet häufig in der Nähe des Menschen auf Dächern, Masten oder eigens errichteten Nisthilfen. Sein weißes Gefieder, die schwarzen Flügelspitzen sowie der leuchtend rote Schnabel und die roten Beine machen ihn unverwechselbar.

Darüber hinaus besitzt der Weißstorch eine besondere kulturelle Bedeutung. In der deutschen Folklore gilt er als Glücksbote und als Vogel, der Babys bringt. Dadurch zählt er zu den bekanntesten und beliebtesten Vogelarten des Landes.